CD-Review: Saor - Forgotten Paths

Besetzung

Andy Marshall – Gesang, Instrumente

Gastmusiker:
Neige – Gesang (Track 01)
Carlos Vivas – Schlagzeug
Lambert Segura – Geige
Kevin Murphy – Dudelsack (Track 03)
Sophie Rogers – Gesang (Track 03)

Tracklist

01. Forgotten Paths
02. Monadh
03. Bròn
04. Exile


Seit Vorreiterbands wie Satyricon und Ulver in den 90er Jahren erstmals Black Metal und traditionellen Folk miteinander kombinierten, hat sich in der Stilrichtung einiges getan. Viele außergewöhnliche Bands haben dem Genre in der Zwischenzeit ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt, sodass sich die Mischung von elektrischen und akustischen Gitarrensounds mittlerweile großer Beliebtheit erfreut. Andy Marshalls Soloprojekt SAOR zählt schon seit langem zu den herausragendsten Vertretern dieser Musikgattung, was zweifelsohne auf die von Anfang an durchwegs fantastischen Veröffentlichungen des schottischen Einzelkünstlers zurückzuführen ist. Mit „Forgotten Paths“ steht nunmehr das vierte Album ins Haus – ob SAOR abermals über sich selbst hinausgewachsen ist?

Anders als die ersten drei Platten beginnt „Forgotten Paths“ nicht etwa mit ätherischen Ambient-Klängen („Aura“) oder meditativen Clean-Gitarren („Guardians“), sondern mit einem (metaphorischen) Paukenschlag: Auf eine prompte Drum-Roll folgt sogleich ein für SAOR charakteristisches, energiegeladenes Tremolo-Riff, das im Zusammenspiel mit dem Blasting vom ersten Augenblick an ein Gefühl von Epik und Erhabenheit vermittelt. Der eröffnende Titeltrack vereint in sich sämtliche Eigenschaften, die Marshalls unvergleichliche Musik seit jeher ausmachen – und sogar noch mehr.

So bekommt man nach einem lebhaften Herbststurm aus majestätischen Gitarren-Leads, kriegerischen Screams, tänzelnden Streichern und luftigen Tin-Whistles plötzlich ein sanftes Piano-Intermezzo und anschließend sogar verträumte Gast-Vocals und Screams von Neige (Alcest) höchstpersönlich zu hören. Nach diesem grandiosen Auftakt, der jeden Fan von SAOR restlos zufriedenstellen sollte, geht es zwar beinahe ebenso magisch weiter, doch schließlich machen sich auch ein paar kleine Kritikpunkte bemerkbar.

Zum einen will das mithilfe der Streicher vorgetragene Hauptmotiv im anschließenden „Monadh“ nicht ganz so problemlos zünden wie die übrigen Tracks, zum anderen endet „Forgotten Paths“ schon nach nur drei gut zehn Minuten langen Stücken mit dem für SAOR ungewöhnlich kurzen instrumental „Exile“. Die zart gezupften Saitentöne lassen den Hörer zum Abschluss zwar auf angenehme Weise zur Ruhe kommen, entfachen jedoch nicht dieselbe Begeisterung wie die sonst so überwältigenden Longtracks. Hinsichtlich der Klangqualität gibt es dafür überhaupt nichts bemängeln. Der Sound ist kraftvoll und ausgeglichen, den Ausrutscher von „Aura“ hat SAOR hier glücklicherweise nicht wiederholt.

Obwohl „Forgotten Paths“ sowohl aufgrund der knappen Spielzeit von nicht einmal 40 Minuten als auch der gelegentlich etwas zurückhaltenderen Kompositionen wegen das bisher bescheidenste Album im Katalog von SAOR darstellt, hat es sich Marshall damit gewiss nicht einfach nur leicht gemacht. Die fabelhaften Gastbeiträge statten die Lieder wie zuletzt auf „Guardians“ mit einem typisch schottischen Flair aus, bringen aber auch ein paar dezente Neuerungen mit sich und wirken daher gleichermaßen vertraut und unverbraucht. Marshall mag sich auf Album Nummer vier vielleicht nicht selbst übertroffen haben – das herrliche Gefühl, frei wie ein Vogel im Flug zu sein, das SAOR stets so eindrucksvoll zum Ausdruck brachte, ist jedoch auch hier in jeder Note spürbar.

Bewertung: 8.5 / 10

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2 Kommentare zu “Saor – Forgotten Paths”

  1. someone

    Naja, ihr seid schon Special Forces!

    Malist – In the Catacombs of Time, wird regelrecht zerrupft von Euch – aber hier, (ja ich mag SAOR zum ChillOut) Bron, wo irgendeine x-beliebige Alte mal eben durch den Welt schleicht, sich die Vocals beständig widerholen – und das Ganze dann zuweilen einfach total weich und nach Kindergeburstag klingt, da gebt ihr Poser mal eben 8.5/10 Punkten! Echt genial….naja, was interessiert mich eine blödsinnige Wertungen von irgendwem, ich höre meine Mucke, die mir gefällt – Ende! :D

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Hallo someone,
      ich nehme das „Special Forces“ jetzt einfach mal als Kompliment – klingt zumindest cool, haha.
      Zuerst mal würde ich dich bitten, ein wenig auf deine Wortwahl zu achten. Du kannst mir selbstverständlich in all meinen Bewertungen widersprechen, aber warum bin ich deswegen in deinen Augen automatisch ein „Poser“? Hier gehts doch nur darum, zu beschreiben, welche Alben man gut oder schlecht findet und warum. Ich wüsste nicht, was das mit „Posern“ zu tun haben sollte.
      Im Übrigen finde ich es ein bisschen willkürlich, dass du hier Malist mit Saor vergleichst – das sind zwei völlig verschiedene Projekte mit einem jeweils gänzlich unterschiedlichem Grundton. Und ich denke, ich habe ausreichend genau begründet, warum ich das eine Album für gelungen erachte und das andere nicht. Das hat jedenfalls nichts mit dem jeweiligen Stil an sich zu tun – mir gefallen durchaus auch rauere Black-Metal-Alben, umgekehrt kenne ich auch einige Folk-Black-Metal-Platten, die ich überhaupt nicht mag.
      Aber, wie du schon sagst, es soll jede/r das hören, was er/sie hören möchte – davon will ich ja niemanden abhalten.

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