Das Cover von "Coming Home Live" von den Scorpions

Review Scorpions – Coming Home Live

  • Label: BMG
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Heavy Metal

Egal, wie man zu den SCORPIONS steht – die Hannoveraner sind die mit Abstand erfolgreichste deutsche Rockband und eine der erfolgreichsten Bands der Welt. Eigentlich hatte die Gruppe um Sänger Klaus Meine ja bereits 2010 ihren Abschied angekündigt, aber was sind schon schnöde 45 Jahre? Eben. Darum ging es auch noch 15 Jahre und immerhin zwei Alben lang weiter, aber irgendwann muss alles ein Ende haben. So auch die Karriere der SCORPIONS, die am 5. Juli 2025 in der Heinz von Heiden Arena in Hannover ad acta gelegt wurde. Und wie es sich für eine Band von diesem Status gehört, wurden mit JUDAS PRIEST und ALICE COOPER nicht nur hochrangige Gäste eingeladen, sondern das Ganze auch für die Nachwelt auf „Coming Home Live“ festgehalten.

Für den Abschiedsgig in ihrer Heimatstadt haben die SCORPIONS eine üppige Setlist zusammengestellt. die kaum Wünsche offen lassen dürfte. Große Überraschungen sollte man allerdings auch nicht erwarten, denn die Songauswahl unterscheidet mit Ausnahme von „Gas In The Tank“ vom aktuellsten Album höchsten in Nuancen von dem Programm, dass die Band die letzten zehn Jahre präsentierte. Das ist auch verständlich, denn wer so viele obligatorische Hits wie die SCORPIONS im Repertoire hat, dem bleibt zwischen „The Zoo“, „Wind Of Change“ und „Rock You Like A Hurricane“ nur wenig Platz für Variation. Weitaus negativer als die Setlist fällt jedoch die Performance der Herren ins Gewicht. Drummer Mickey Dee und Bassist Paweł Mąciwoda sind als Rhythmussektion eine absolute Bank, aber gerade in den Melodie- und Leadparts eiern die Gitarristen mitunter gewaltig und spätestens beim Instrumental „Coast To Coast“ sind die verstimmten Instrumente nicht mehr zu überhören – das sollte auf diesem Niveau nun wirklich nicht mehr passieren.

Der Sound von „Coming Home Live“ lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Auf der Haben-Seite steht, dass die SCORPIONS nachträglich wohl nur sehr wenige kosmetische Veränderungen an den Spuren vorgenommen haben. Damit klingt die Platte auf jeden Fall sehr roh, ehrlich und eben „live“. Auch das Publikum wurde hinreichend in Szene gesetzt und transportiert den Eindruck eines ausverkauften Stadions. Allerdings muss der Klang auch als dünn bezeichnet werden: Gerade Schlagzeug und Bass kommen reichlich schwachbrüstig aus den Boxen und lassen damit die Wucht vermissen, die für das Gefühl eines großen Arena-Konzertes wie dem Abschiedskonzert einer der größten Bands der Welt wünschenswert wäre. Das ist schade, denn zusammen mit der in Teilen holprigen Performance erreicht „Coming Home Live“ so schlicht nicht die Qualität, die von einem Live-Album der SCORPIONS zu erwarten ist.

Größter Schwachpunkt von „Coming Home Live“ ist allerdings Klaus Meine, bzw. dessen Gesang. Fairerweise muss hier erwähnt werden, dass der Mann im Frühjahr 2025 an einer hartnäckigen Bronchitis erkrankt war – für einen Sänger natürlich fatal. Vor diesem Hintergrund ist seine Leistung an diesem Abend insbesondere in Nummern wie „Bad Boys Running Wild“ bestimmt achtbar, das hohe Niveau früherer Tage erreicht er aber krankheits- und altersbedingt zu keinem Zeitpunkt. Schon im Opener klingt Meine nicht nur etwas schwach auf der Brust, sondern liegt auch dezent daneben. Zumindest letzteres wird im Laufe des Konzertes besser, aber die Kraftlosigkeit seiner Stimme bleibt, wie sich insbesondere in „Still Loving You“ offenbart. Hinzu kommt, dass die Ansagen des Frontmanns trotz des geradezu historischen Anlasses reichlich lustlos und eher nach Pflichtprogramm klingen.

„Coming Home Live“ ist als Mitschnitt noch keine absolute Katastrophe, wird dem Anlass, zu dem es aufgenommen wurde, aber in keiner Weise gerecht. Die SCORPIONS – allen voran ihr Frontmann – waren an jenem Abend keinesfalls in Bestform. Klar, verschieben wäre vermutlich keine Option gewesen, denn die Maschinerie, die hinter einer Aufnahme und Veranstaltung von dieser Größenordnung steckt, lässt sich nur noch schwer wieder bremsen, wenn sie erstmal angelaufen ist. Insofern ist es ehrbar, dass die SCORPIONS in der Heinz von Heine Arena durchgezogen haben und auch, dass sie im Studio wohl wenig bis nichts nachkorrigiert haben. Ehrlich ist „Coming Home Live“ also auf jeden Fall, aber einer Band von diesem Format wäre zu wünschen gewesen, sich zum Abschied ein schillernderes Denkmal setzen zu können. Nur für Fans.

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Wertung: 5 / 10

Thomas Meyns

Publiziert am von

3 Kommentare zu “Scorpions – Coming Home Live

  1. Hi Thomas, ja, eventuell wäre es besser wenn die Scorpions wirklich aufhören.
    Aber wahrscheinlich ist da niemand im engsten Freundeskreis der mal sagt:“Jungs, das haut nicht mehr hin…“
    Ach ja, ich war vor ein paar Jahren bei Uli Roth… … Der hat es noch drauf…
    rock on, Claus

  2. Es handelte sich um den 60. Geburtstag der Band, nicht um den Abschied
    Trotzdem natürlich ein denkwürdiger Auftritt, den man auch meiner Meinung nach mehr hätte würdigen sollen.

    1. Moin Michi,

      danke für den Kommentar! So, wie ich es verstanden habe, kommt der Abschied der Band ja zum 60. Geburtstag, weshalb die Tour wohl Jubiläums- und Farewell-Tour gleichzeitig ist. Und „Coming Home Live“ ist wohl die Live-CD, die als Dokument des Abschieds fungieren soll – wenngleich die eigentliche Tour danach noch weiter läuft. Die Platte ist also als „finales Live-Dokument“ als Schlusspunkt der Karriere zu betrachten, wenngleich man sich bei den Scorpions nie sicher sein kann …

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