Interview mit Josh Rand von Stone Sour

Mit ihrem aktuellen Album „Hydrograd“ setzen STONE SOUR mehr denn je auf Mainstream-taugliche Rock-Musik. Der kommerzielle Erfolg gibt ihnen recht: Vor der sechsten ausverkauften Show in Folge trafen wir uns im Münchner Zenith mit Lead-Gitarrist Josh Rand, um über Erfolg, Musik, VIP-Tickets und den Rauswurf von James Root zu sprechen.

Eure Europa-Tour mit STONE SOUR ist fast am Ende – mit der heutigen Show sind es noch vier Auftritte. Seid ihr zufrieden?
Es war unglaublich! Das war ganz ehrlich unsere größte, erfolgreichste Tour unserer Karriere in Europa. Fast alle Shows waren ausverkauft, die Reaktionen waren überwältigend. Das ist wirklich beeindruckend. Vor allem, weil wir ja nicht gerade erst angefangen haben: Wir sind schon so lange unterwegs, unsere Karriere ist weit fortgeschritten. Dass wir jetzt noch so wachsen, ist alles andere als gewöhnlich, das passiert nicht oft. Das ist schon sehr cool – insofern freuen wir uns jetzt schon auf den Sommer, wenn wir für die Festivals zurückkommen!

Wie erklärst du dir diesen Erfolg? Wächst eure Fanschar einfach kontinuierlich, oder liegt das konkret an euren letzten Alben?
Das ist eine gute Frage! Die letzten beiden Alben – die gehören ja konzeptionell zusammen – haben die Tür für unser neues Werk geöffnet. Und mit diesem haben wir so großen Erfolg, weil es ehrlich ist: Wir haben es in sehr kurzer Zeit live als Band aufgenommen.

Freust du dich trotzdem auf zu Hause, was vermisst du auf Tour am meisten?
Ich habe zwei Kinder, insofern ist die Familie natürlich das wichtigste. Davon abgesehen bin ich ein Die-Hard-Star-Wars-Fan, insofern werde ich direkt vom Flughafen aus ins Kino rennen. Ich habe schon meine Karte, ich werde schon dafür sorgen, dass der verfluchte Flug pünktlich ist! (lacht) Darauf freue ich mich schon unglaublich. Aber auch einfach mal wieder Heim kommen. Wir hatten wirklich viel zu tun, seit das Album raus gekommen ist. Da ist es gut, jetzt einfach mal eine anständige Pause zu haben, bevor es wieder los geht und alles von vorne anfängt. (lacht)

Das klingt stressig. Bist du denn immer noch gerne auf Tour, ist das Leben als Musiker noch, was du dir am Anfang deiner Karriere erträumt hast?
Ich denke, vieles hat sich mit den Jahren geändert – auch ich als Person habe mich geändert, bin reifer geworden. Am Anfang war es wirklich hart, vor allem, außerhalb der USA zu sein. Das hat sich jetzt komplett gedreht: Ich bin viel lieber außerhalb der USA unterwegs – ich liebe es, dann auch mal raus zu gehen, mir etwas anzuschauen, die Kultur zu erleben. Das liebe ich an Europatouren. In Amerika ist für mich alles exakt gleich. Das fühlt sich in gewissem Maße so an, als würde man fünf oder sechs Wochen lang an genau dem gleichen Ort spielen: Alles ist gleich. In Europa reist du von Land zu Land, du hast unterschiedliche Kulturen, viel Geschichte … all das. Insofern: Ich liebe touren, überall auf der Welt, außer in Amerika! (lacht)

Schaust du dir in den Städten, in die ihr kommt, denn auch etwas an? Heute in München beispielsweise?
Wir sind erst heute Morgen angekommen, insofern diesmal nicht. Aber normalerweise schon, ja! Wir waren gestern in Köln, da bin ich zu dieser Brücke mit all den Vorhängeschlössern am Geländer gegangen (Hohenzollernbrücke – A. d. Red) und zum Dom – obwohl es einen heftigen Schneesturm gab. Aber ich hab es klaglos durchgestanden. Aber meine „Chefin“ hat mich gezwungen, sie meinte, sie wäre sauer, wenn wir nicht gehen. (lacht) Aber generell versuchen wir immer, uns etwas anzuschauen, wenn wir die Gelegenheit haben.

Zurück zum Album: Du hast vorher erwähnt, dass das Album live eingespielt wurde. Was hat euch zu dieser Entscheidung bewogen?
Ich muss immer lachen, wenn ich darüber spreche, dass wir es auf die „neue alte Art“ aufgenommen haben: Alle nutzen heute Protools und nehmen mit Clicktrack auf und alles ist perfekt. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden: Kein Clicktrack, alle zusammen in einem Raum, Corey in der Gesangskabine … und wir haben so viel Arbeit in so kurzer Zeit geschafft: Wir haben 19 Songs und vier Akkustik-Versionen vier neuer Songs, die im Frühling zum Record-Store-Day veröffentlicht werden, aufgenommen, dazu noch ein paar Videos – und all das in sieben Wochen. Wenn du Spaß bei der Arbeit hast, geht das. Wir haben uns der Herausforderung wirklich gestellt, waren alle gut vorbereitet, jeder hatte Bock – es gab keine Probleme, jeder wollte jeden Song so gut als irgend möglich machen, hat seinen Input gegeben. Es war wirklich eine beeindruckende Erfahrung, so ein Album aufzunehmen. Und das überträgt sich auf die Songs: Die Leute hören das.

Was denkst du generell über Musikvideos? Sind Videos für dich eine andere Form von Kunst oder eher ein Mittel zum Zweck, um die Musik zu bewerben?
Ich denke, das gehört einfach dazu. Aber wenn ich ehrlich bin – da mache ich auch kein Geheimnis draus – hasse ich Videos. Ich hasse es, sie zu machen. Es sei denn, etwas macht wirklich Eindruck. Aber ich habe schon lange nichts mehr gesehen, bei dem ich mir dacht: „Das war jetzt verdammt cool. Ich habe das Gefühl, dass immer der gleiche Scheiß gemacht wird, obwohl es so viele Ideen gäbe. Hinsichtlich Promotion sehe ich den Punkt schon … es ist einfach ein notwendiges Übel. (lacht) So sehe ich das. Ich bin wirklich kein Freund von Videos.

„Hydrograd“ hat eine Gesamtspielzeit von über einer Stunde – war das geplant, oder ist das einfach so gekommen?
Das hat sich einfach so entwickelt. Wie gesagt: Wir haben sogar noch vier weitere Songs aufgenommen, die wir dann nicht auf das Album gepackt haben! Wir hatten einfach alle das Gefühl, dass es einen guten Flow hat – mit Minutenzahlen haben wir uns nicht beschäftigt. Aber für mich als Fan von Musik ist es witzig, zu beobachten, wie sich das in den letzten 25 Jahren gedreht hat: Früher hieß es: Ok, wir machen acht Songs und es muss 30 Minuten lang sein. Dann kam plötzlich die CD und alle dachten: Wir müssen die CD vollmachen! und haben 80-minütige Alben geschrieben. Und jetzt geht es wieder zurück dahin, wo wir in den 80ern schon waren: Es reicht, wenn man acht Songs nimmt. Aber für uns ist ein Album ein Kunstwerk. Wir hatten aufgrund der Vielseitigkeit der Songs das Gefühl, dass das Album einen guten Flow hat, es hat keine Durchhänger. Insofern haben wir uns für die 15 Songs entschieden.

Siehst du persönlich ein Album noch als Einheit, auf CD oder Vinyl gepresst, oder sind es für dich mehr die Einzelsongs, die die Fans dann über Spotify und dergleichen streamen?
Ich glaube, uns geht es immer um das Album – der Vorgänger war ein Doppel-Konzeptalbum mit 24 Songs – viel mehr „Album“ geht ja kaum. Ich glaube fest an das Album als solches. Es ist nicht so, dass wir uns jemals hinsetzen und planen, einen Song so und so zu schreiben, nur weil etwas gerade angesagt ist. Das haben wir auch noch nie getan. Uns geht es wirklich immer darum, das beste Gesamtwerk abzuliefern – jedes Mal wieder.

Wie konsumierst du deine Musik am liebsten? Auf CD? Vinyl? Oder als Stream?
Auf Tour natürlich über den iPod oder das Smartphone. Aber daheim höre ich nur Vinyl. Da klingt einfach alles besser. Vor allem älteres Zeug, das im Original auf Platte erschienen ist … aus den 60ern, 70ern und 80ern. In digitaler Form ist alles komprimiert, das klingt einfach nicht vollwertig. Ich habe daheim ein ziemlich gutes Soundsystem, nichts Übertriebenes … aber wenn ich darüber Vinyls höre, füllen die den Raum einfach mit Klang: Alles trifft dich gleich stark, wie ein Schlag ins Gesicht, du hörst alles viel differenzierter. Es klingt einfach viel besser. Meine Plattensammlung daheim ist aberwitzig – aber sie wächst immer weiter. Allein im letzten Monat habe ich mir locker 25 neue Platten gekauft!

Jetzt, auf Tour?
Ja! Ich habe mir extra spezielle DJ-Cases mitgebracht, damit ich die Platten unbeschadet nach Hause bringen kann!

„Hydrograd“ ist aber auch das erste Album, das ihr ohne euren langjährigen Gitarristen James Root geschrieben habt. Inwieweit hatte das Einfluss auf den Songwriting-Prozess und die Aufnahmen?
Wir haben unsere Songs schon immer so geschrieben, wie wir sie diesmal geschrieben haben. Das macht jeder für sich, dann bringen wir das Material zusammen und machen STONE-SOUR-Songs daraus. Das hat sich nie geändert. Neu war vor allem der Ansatz, dass nicht mehr jeder für sich aufgenommen hat, sondern wir als Band aufgenommen haben. Das ist für mich der zentrale Unterschied: Als Band. Nicht: Von sechs bis acht Uhr bist du dran, diese Abschottung. Diesmal war es wieder wie damals, als wir eine junge Band waren.

Und das hatte direkt mit dem Ausstieg von James zu tun?
Das ist jetzt natürlich Spekulation – wer weiß das schon. Aber das ist, was für mich diesmal den Unterschied gemacht hat.

Und wie würdest du die Auswirkungen des Besetzungswechsels auf die Musik beschreiben?
Wenn man ehrlich ist, hat James schon bei „House Of Gold And Bones“ nicht wirklich mitgeholfen: Das Album haben vornehmlich Corey und ich geschrieben. Aber natürlich ändert sich in einer Band immer etwas, wenn du jemanden ersetzt, der lange dabei war. Eine bestimmte Klangfarbe, bestimmte Licks – gerade, wenn man von einem Gitarristen spricht – die für diese Person charakteristisch sind. So ist das einfach. Das fehlt natürlich. Oder … ich würde nicht sagen dass es fehlt, aber das hat sich eben geändert. Aber die Band hat sich ja auch weiterentwickelt. Im Endeffekt hängt es auch immer davon ab, wer sich die Musik anhört und wie er es interpretiert. Am Ende ist alles Spekulation … Hätten wir es anders gemacht? Ich weiß es nicht. Vielleicht nicht.

Weißt du, ja, er hat geholfen, diese Band aufzubauen. Aber gleichzeitig – egal wie er es jetzt hindreht – wollte er in unseren Augen wirklich nicht mehr dabei sein. Das war sehr klar erkennbar, deswegen musste diese Entscheidung getroffen werden. Dann kam Christian in die Band und hat eine ganz neue Attitüde mitgebracht, hat dem Ganzen neues Leben eingehaucht. Mehr gibt es darüber wirklich nicht zu sagen, denke ich. Der Rest ist Geschichte, „Hydrograd“ spricht für sich selbst.

Jim hat später gesagt, dass er nicht mehr Teil der Band sein wollte, weil diese nur auf „Radio-Airplay und Geld“ aus sei. Hast du dazu etwas zu sagen?
Das ist seine Meinung. Ich habe nichts Schlechtes über ihn zu sagen, das bringt jetzt ja auch nichts. Er ist seit vier Jahren raus. Und wie gesagt: Ich finde, „Hydrograd“ spricht für sich. Die Dinge laufen nicht allzu schlecht für uns. (lacht) Wir spielen jetzt zum sechsten Mal in Folge eine ausverkaufte Show! Ich sehe keinen Sinn darin, darauf noch einzugehen. Er kann sagen, was er mag, da habe ich keine Animositäten.

 Wie wichtig ist euch denn Erfolg, wie wichtig, dass eure Songs im Radio gespielt werden? Macht ihr euch beim Songwriting Gedanken darüber, wie die Songs wohl ankommen?
Ist es wirklich noch von Bedeutung, im Radio zu laufen? Mal ehrlich … ich denke nicht. Mit dem Internet und dem Streaming hat sich das alles so drastisch geändert. Es sind nicht mehr zehn Radiostationen weltweit, die vorschreiben, was angesagt ist oder was nicht. Heute ist wichtig, was den Leuten gefällt! Du kannst über ein paar Klicks alles haben. Einen Radio-Hit – was immer das bedeutet – zu schreiben ist nicht mehr relevant. Es gibt große Songs, die extremen Einfluss hatten, obwohl sie nie im Radio gespielt wurden. Schau dir unsere Labelkollegen von Code Orange an: Die gehen richtig steil und werden gar nicht im Radio gespielt.

Schade eigentlich!
Ja, das ist ja, was ich meine. Heute entscheiden nicht mehr zehn Programmdirektoren, ob es eine Band schafft oder nicht, Labels müssen einen Sender nicht mehr dafür zahlen, dass er eine Band pusht. Heute haben wir Youtube und all die Streaminganbieter – da ist das nicht mehr entscheidend. Die Leute fangen an, sich von dem angezogen zu fühlen, was sie wirklich mögen und nicht mehr das zu hören, was ihnen aufgezwungen wird.

Direkt vor dem Interview hattet ihr ein „Meet&Greet“ mit den Besitzern so genannter VIP-Tickets. Wie stehst du dazu? Macht dir das Spaß, oder ist das einfach ein weiterer Termin im Ablaufplan?
Nein, so kann man das nicht sagen. Uns macht das wirklich Spaß, wir interagieren ja auch wirklich mit den Fans und wir versuchen ja auch, es vom Preis her fair zu gestalten. Wir wissen: Die meisten, die da kommen, sind echte Die-Hard-STONE-SOUR-Fans. Deswegen versuchen wir uns die Zeit zu nehmen, dass die Leute nicht nur durchgeschleust werden wie die Kühe. Wir wollen mit allen sprechen, machen Fotos, unterschreiben unzählige Dinge, da sind wir nicht kleinlich. Wir wollen auch da unser Bestes geben – und nicht dabei aussehen, als wären wir lieber wo anders. Oder uns so fühlen. Jeder genießt das. Ich meine, das ist sind unsere treuesten Fans! Was wir machen, können wir wegen diesen Leuten machen – insofern ist das ein Weg, etwas zurückzugeben. Wir haben ja wie gesagt auch kein Meet&Greet-Package, das 500 Dollar kostet. Wir zocken unsere Fans da nicht ab, sondern wer zuerst zuschlägt, ist dabei – das sind dann eben meist die, denen die Band wirklich etwas bedeutet. Die Leute haben dann oft STONE-SOUR-Tattoos oder Corey-Tattoos … ich bin immer noch überwältigt, wie viele STONE-SOUR-Tattoos ich auf dieser Tour jetzt gesehen habe! Das waren mehr als ich bisher insgesamt gesehen hatte. Das ist großartig, beeindruckend, eine verdammte Ehre! Uns macht das Spaß – ich hoffe, dass jeder, der vorbeikommt, eine gute Zeit hat.


Lest hier unsere Kolumne „Das Geschäft mit dem Personenkult. Oder: Wie aus Fans VIPs wurden.“


Ich habe mich 2007 noch vor den Tourbus stellen und warten müssen, bis ihr spät nachts rausgekommen seid, um Autogramme von euch zu bekommen. Heute kauft man sich einfach ein VIP-Ticket. Hast du das Gefühl, dass da wirklich noch die größten Fans vor euch stehen, und nicht nur die, die das Geld hatten, sich ein solches VIP-Ticket zu kaufen?
Ich glaube, es ist ein anderes Erlebnis als bei dir damals vor 10 Jahren. Du bekommst zum einen exklusive Items, die du nur beim Meet&Greet bekommst. Wir haben das Side-Stage-Ding (die Fans dürfen während der ersten Songs seitlich auf der Bühne stehen – A. d. Red.) oder Foto-Pit-Ticket und so weiter  – wir geben auch besondere Setlists an die Leute. Wir verlangen dafür Geld, ja, aber deutlich weniger als andere Bands. Und was man bei diesen Packages auch bedenken muss, ist, dass sie auch Kosten verursachen: Wir brauchen zum Beispiel einen zusätzlichen Sicherheitsmann dafür. Und man muss da etwas aufbauen, damit es etwas her macht.

Das ist viel mehr Arbeit, die da reingesteckt wird, als man vielleicht denkt – gerade verglichen damit, wenn man uns zufällig trifft und ein Foto schießt – was wir allesamt sofort machen würden, wenn du uns irgendwo abfängst. Da ist niemand in der Band, der sich weigern würde, etwas zu unterschreiben oder mit jemandem zu reden. Aber wenn du dafür garantierst, dass jemand die Band treffen kann, und noch ein paar Extra-Sachen dazu packst, ist das keine schlechte Sache. Ganz ehrlich ist es aber auch eine Notwendigkeit beim Touren geworden: Ich kenne eigentlich keine Band mehr, die das nicht macht. Sogar Metallica bieten das an – und das ist eine der Bands in unserem Sektor, die wirklich gar nichts mehr müssen.

Es gibt bestimmte Leute im Publikum, die ich genau beobachte. Ich sehe, wer was mag. Die Fans, die es in die erste Reihe schaffen, jede Zeile und jedes Riff kennen, werden dafür belohnt. Ich habe signierte Setlists, ich sorge dafür, dass sie Gitarren-Plektren bekommen … weil es für mich immer noch wichtig ist, wie du gesagt hast, dass wir uns auch um die Die-Hard-Fans kümmern, die sich das VIP-Ticket nicht leisten konnten oder leer ausgegangen sind, weil es limiert ist.

Wenn du heute von Die-Hard-Fans redest: Hat sich die Zuhörerschaft von STONE SOUR über die Jahre und mit eurer musikalischen Entwicklung sehr gewandelt?
Definitiv! Das ist wirklich eine gute Frage, weil ich seit ein paar Wochen drüber nachdenke, was da passiert. Ich weiß nicht, ob es noch wie am Anfang ist. Damals kam der Kern unserer Hörerschaft von Slipknot herübergeschwappt: Wütende, männliche Fans im Alter von 20 bis 30. Diese Zielgruppe ist für uns glaube ich verloren. Die Leute, die uns damals ins Herz geschlossen haben, haben sich mit der Band weiterentwickelt: Jeder wird älter, reifer, heiratet, bekommt Kinder … das Leben verändert sich. Das ist bei uns nicht anders. Diese Leute sind mit uns älter geworden. Dazu kommt eine neue, jüngere Fanbase – das überrascht mich wirklich manchmal, wenn ich ins Publikum schaue: Die könnten mit meiner Tochter abhängen, die ist im gleichen Alter. Was großartig ist! Ich meine, davon träumt ja jeder Künstler, das ist, wie du deine Karriere am Laufen hältst: Du musst die nächste Generation auch zu Fans zu machen. Das ist sehr cool!

Dank für Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein Brainstorming was fällt dir spontan zu folgenden Begriffen ein?
Deutschland: Vielleicht mein Lieblingsland in Europa. Ich liebe es, hierher zu kommen. Vom ersten Tag an, als wir 2002 das erste Mal hier waren, haben die deutschen Fans uns unterstützt – das war für uns wirklich etwas Besonderes. Was ich an dem Land so mag, ist die Stimmung hier. Egal in welcher Stadt, das muss mit der Kultur zusammenhängen.
Schlafen im Tourbus: Kommt drauf an. (lacht) Worauf? Auf das Wetter draußen zum Beispiel. Ehrlichgesagt schlafe ich auf Tour im Bus besser als in Hotelzimmern. Ich weiß nicht, woran das liegt – ob es dieses leichte Schaukeln ist oder die Temperatur: Ich habe es gerne wirklich kalt zum schlafen, im Bus ist es immer wirklich kalt, vor allem im Sommer. (lacht) Ich mag das.
Vorbands: Das Coole ist, dass du manchmal Bands auswählen kannst, von denen du glaubst, dass sie den nächsten Schritt schaffen werden – oder wirklich junge Bands, die als drittes dabei sind und den Opener machen, Bands, die sonst nie aus ihrer Gegend rauskommen würden. Aus dieser Perspektive finde ich es sehr cool, dabei zu sein, wenn das passiert – eine junge Band mitzunehmen und vor ein großes Publikum zu stellen, das sie sonst nie erreicht hätte.
Steel Panther: Ich finde ihre Musik urkomisch. Ich liebe die Jungs, sie sind wirklich witzig. Wir kennen uns schon sehr lange, wir haben auch schon lange drüber gesprochen, zusammen auf Tour zu gehen. Corey hat ja schon auf ihrem Album „Feel The Steel“ Backing Vocals zu „Death To All But Metal“ beigesteuert. Das stand also schon viele Jahre im Raum und jetzt haben wir es endlich umgesetzt. Und es war echt der Wahnsinn: Eine Band dabeizuhaben, von der die meisten nicht erwarten würden, dass wir sie mitnehmen. Aber sie sind Freunde, und uns war das einfach egal – wir wollten einfach machen, worauf wir Lust haben – und so kam es.
Dein Lieblingsalbum 2017: (überlegt lange) Was habe ich denn gehört dieses Jahr? Ich habe momentan eine echte Beatles-Phase … deswegen kommen mir gerade lauter Beatle-Albums in den Sinn. … etwas aktuelles fällt mir gerade echt nicht ein. Aber wenn du jetzt über die Beatles reden willst? (lacht)
Welchen Musikstil hörst du denn viel? Alles Mögliche! Metallicas „… And Justice For All“ habe ich lange nicht gehört, deshalb war es mal wieder Zeit! Und eben alle Beatles-CDs. Aber ich freue mich sehr auf die neue Machine Head, die nächsten Monat rauskommt!
STONE SOUR in zehn Jahren: Gute Frage! Ich meine, wir werden sehen … hoffentlich gibt es uns dann noch! Aber wie wir dann klingen – keine Ahnung! Ich fände gut, wenn wir dann noch vielfältiger wären als jetzt schon!

Ich freue mich drauf! Vielen Dank für das Interview und viel Freude an der Show!
Gerne! Danke!