Review Stormkeep – The Nocturnes Of Iswylm

Wie exzellent retrospektiver Black Metal der Neunzigerjahre 2026 noch funktioniert, haben zuletzt WORM eindrucksvoll bewiesen. Aus dem Doom Metal kommend, hat diese Formation gezeigt, dass der alte Standard auch heute noch funktionieren kann. In eine ähnliche Riege passen STORMKEEP aus Denver. Die Band erschien 2017 auf der Bildfläche und hat seitdem im Underground überwiegend positives Feedback erhalten. Das STORMKEEP-Debüt „Tales Of Othertime“ wurde jedenfalls zu einem guten Beleg dafür, dass die Truppe in Sachen Keyboard-Black-Metal ihre Hausaufgaben gemacht hat.

„The Nocturnes Of Iswylm“ beginnt erwartungsgemäß theatralisch. Das Keyboard-Interlude von „The Taste Of Immortal Blood“ setzt einen retrospektiven Einstieg par excellence. Musikalisch bewegen sich STORMKEEP hier irgendwo zwischen HERMH und älteren CRADLE OF FILTH. Die Riffs halten sich so tapfer am Tremolo fest wie das Schlagzeug am Blastbeat. Der Song ist dabei jedoch melodisch und abwechslungsreich genug, dass einem nicht sofort das Wort „Abklatsch“ in den Sinn kommt.

Etwas grooviger gibt sich das folgende „The Black Dragons Of Iswylm“, bei dem die straighten Gitarren von Otheyn Vermithrax und Apokteino ein wenig an OLD MAN’S CHILD erinnern. Vermithrax, der neben Gesang, Gitarre und Keyboards auch die Drums bedient, treibt den Song an letztgenanntem Instrument ordentlich voran. Besonders stark sind jedoch vor allem die schönen Melodien und das klare Gespür von STORMKEEP, wenn es um Songlängen geht. Das ist bei der ansonsten sehr stereotypen Herangehensweise an ihren Mid-Nineties-Black-Metal auch wichtig, weil die Musik sonst Gefahr liefe, zu banal zu werden.

So ist ein langsamer und theatralischer Song wie „Imperious Sanguine Eroticism“ einerseits im Gesamtkonzept stimmig und andererseits mit Klargesang und schönen Keyboardflächen ein kleines Durchatmen wert. Dem gegenüber ist „Echoes In The Vasts Of Sequestration“ als Konter gut gesetzt. Das Tempo zieht hier wieder ordentlich an, was der Dynamik des Albums sehr guttut, und auch der Song an sich ist durch flirrende Gitarren, viel Melodie und sogar den kurzen Einsatz von Chören alles andere als langweilig.

Der Rausschmeißer „Ballad Of A Fallen Star“ ist im Grunde die große Konklusion von „The Nocturnes Of Iswylm“. Sein fast schon tragisches Intro funktioniert bestens mit den folgenden, klar norwegisch inspirierten Arrangements. Episch und aggressiv gleichermaßen bäumen sich STORMKEEP noch einmal zu voller Größe auf. Der Schlusstrack ist wendig komponiert, sehr melodisch und gleichzeitig rasant. Und selbst wenn der Klargesang bei diesem Stück etwas gewollt wirkt, deckt der Song ansonsten von Raserei über Schwärmerei bis hin zu fast schon neofolkloristischen Anklängen alles ab.

Dem modernen Zeitgeist muss auch immer ein Bewusstsein für das Vorherige gegenüberstehen. STORMKEEP bilden auf ihrem zweiten Album genau das ab. „The Nocturnes Of Iswylm“ ist ein Katapult zurück in die Mitte der Neunzigerjahre und damit in eine der erfolgreichsten Phasen des kommerziellen Black Metal. Irgendwo zwischen dezentem Cringe à la CRADLE OF FILTH, der Epik melodiöser VALDRIN-Veröffentlichungen und dem Charme der mittleren Schaffensphase von DIMMU BORGIR haben STORMKEEP vielleicht nicht das kreativste, aber definitiv ein Album geliefert, das beim Gedanken an „damals“ tatsächlich eine süße Wehmut hinterlässt und diese zugleich ausfüllt.

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Wertung: 7 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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