CD-Review: Urfaust - Einsiedler

Besetzung

IX - Gesang, Gitarre, Bass
VRDRBR - Schlagzeug

Tracklist

01. IX: Der Einsiedler
02. Verderber


Das Album-Format scheint des URFAUST bester Freund nicht zu sein – haben sich die beiden Herren drei Split-CDs und eine EP nach dem letzten Full Length-Werk mit „Einsiedler“ erneut „nur“ zu einer EP gebracht – der lange erwartete Nachfolger des zweiten Albums, welches mittlerweile auch schon wieder fast 5 Jahre auf dem Buckel hat, lässt hingegen weiter auf sich warten.

Und auch, wer eine Rückbesinnung der beiden Herren zum rohen Black Metal der Anfangstage erhofft, muss diese Hoffnung ein weiteres Mal enttäuscht sehen – denn URFAUST bleiben auch auf „Einsiedler“ im Ambient-Sektor, wenn auch der Noise-Anteil, der auf „Drei Rituale jenseits des Kosmos“ deutlich zu hören war, nurnoch teilweise vorhanden ist.
Was bieten also die beiden Songs von „Einsiedler“? Objektiv gesehen nicht viel:Der erste Track, „IX – Der Einsiedler“, ist, so gesehen recht schnell umrissen: Eine durch strenge Monotonie psychedelisch wirkende Synthesizertonfolge, dazu Willelms durch reichlich Effekte verfremdeter Gesang, der dem Song hier einen dem Sound der Isländer Sólstafir nicht unähnlichen Charakter verleiht, geht nach der Hälfte des Songs in einen atmosphärischen Melodienlauf über, der dann weitere sechs Minuten gesangfrei und größtenteils harmlos vor sich hin plänkelt.
Track zwei, verheißungsvoll düsterer „Verderber“ betitelt, beginnt zumindest einmal mit einer Gitarre, die eine etwas verloren Wirkende Tonfolge in den Raum jammt… diese wird, wer hätte es anders erwartet, monoton wiederholt, während im Hintergrund noisiger Sound vor sich hin kratzt und diesmal zumindest Black Metal-artiger Gesang zu vernehmen ist.
An dieser Stelle fühle ich mich an die Beschreibung erinnert, die Kollege Yannik ehedem zur Vorgänger-EP gab: „Synthesizerteppiche zergehen auf einem Fundament aus seltsamem Lärm und [monotonem] Schlagwerk. Dazu gibt es Willems Stimme zu hören, und zwar oft derart verzerrt, dass sein Gesang noch weniger menschlich klingt als er es auf den beiden vollwertigen Alben ohnehin schon tat.“ Eigentlich kann man das so ohne Abstriche auch für „Einsiedler“ gelten lassen, wenn man auch sagen muss, dass URFAUST diesmal zwar nicht weniger monoton, doch aber zumindest melodischer zu Werke gehen – sind hier doch nicht nur echte Melodieläufe zu finden, sondern auch die monotonen Parts durchaus schon fast als Melodien zu werten.

Dies alles klingt, objektiv betrachtet, reichlich uninteressant, möchte man meinen… aber Musik kann (zum Glück) fast nie rein objektiv betrachtet werden. Und subjektiv gesehen macht „Einsiedler“ schlichtweg viel Freude: Sowohl Sound als auch das Material sind in sich stimmig und erzeugen eine gelungene Gesamtatmosphäre – interessant wäre, ob URFAUST diese auch über eine volle Album-Spielzeit aufrechtzuerhalten in der Lage wären. Mit knapp 20 Minuten Spielzeit und durch den ausgedehnten Instrumental-Part in der Mitte der Gesamtspielzeit aufgelockert, geht das Konzept zumindest hier voll auf und macht auch Lust auf mehr – zumal ein zweiter Durchlauf gefühlt kaum länger dauert, als man in einer großen CD-Sammlung braucht, um sich zu entscheiden, was danach im Player landet.

Keine Wertung

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