Review Vreid – The Skies Turn Black

  • Label: Indie
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Fast fünf Jahre haben die norwegischen Extreme-Metaller von VREID seit ihrem letzten Album „Wild North West“ verstreichen lassen. Damals anerkannt für seine konzeptionelle wie unkonventionelle Konsequenz, wusste die Scheibe als Soundtrack zum gleichnamigen Film zu begeistern. Heute stellt sich die Frage: Was folgt auf den vielseitigen Black ’n’ Roll, wie er zuletzt aufgeboten wurde, nun mit „The Skies Turn Black“?

Mit dem Einstieg in Form von „From These Woods“ mag man zunächst den Eindruck gewinnen, VREID kehrten zu ihrem Frühwerk zurück. Mit druckvollen Drums, tragenden Gitarrenarrangements und stimmigen Vocals zwischen Screams und Klargesang eröffnet die Band eine musikalische Weite, die alte wie neue Fans gleichermaßen abholen dürfte. Wer nun aber glaubt, es stünde eine große Reise in den epischen norwegischen Black Metal bevor, hat die Rechnung ohne VREID gemacht.

„The Skies Turn Black“ und „A Second Death“ schrauben die epische Komponente vom Anfang dann fast gänzlich zurück, um sich vor allem gitarrenorientiert dem Thrash und Heavy Metal anzunähern. Schöne Akzente weiß die Truppe dennoch zu setzen. Zum vergleichsweise geradlinigen Riffing des Titelstücks gesellt sich im Verlauf eine stilvoll eingewobene Orgel, und ein schneidiges Solo sorgt für eine kleine Gänsehaut, während „A Second Death“ seinem Thrash-Einschlag dezente Chöre zur Auflockerung gegenüberstellt.

Überraschend wird es im weiteren Verlauf mit Songs wie „Kraken“ und „Loving The Dead“. Während VREID auf ersterem schleppende Drums, schwere Gitarren und dichte Keyboardteppiche zu einem Soundtrack-Instrumental für den gleichnamigen Film verweben, ist „Loving The Dead“ wohl der stilistische Querschläger auf „The Skies Turn Black“. Eröffnet von Gitarrenläufen, die fast an modernen Rock erinnern, fügt sich der weibliche Gesang von Agnete Kjølsrud (DJERV) stimmig in die sich anschließenden weiten Synthesizerflächen ein, ehe VREID zum Schluss noch einmal den Metalhebel umlegen und den wohl außergewöhnlichsten Song des Albums beschließen.

Mit „Build To Destroy“, „Chaos“ und „Flammen“ folgt ein Dreigespann, das bereits durch seine Titel auf Härte und Dynamik verweist. Der fließende Übergang von Black ’n’ Roll zu klassischem Black Metal gelingt dabei in bester norwegischer Manier. Während sich die drei Songs in ihrer Brachialität zunehmend verdichten, kehrt spätestens auf „Flammen“ auch die melancholische Atmosphäre zurück.

Das ist insofern wichtig, als VREID nach diesem wilden Ritt den Bogen zu „From These Woods“ schlagen und dabei einige der stärksten Momente des Albums liefern. „Smile Of Hate“ setzt auf tragische Keyboard-Zwischentöne und ein intensives Solo, umspielt von dichten Gitarrenwänden, wodurch der akustische Kontrast von „Echoes Of Life“ umso stärker wirkt. Mit leichtfüßigen Akustikarrangements und schwebenden Keyboards schafft der Song einen Ruhepol mit starkem Klargesang und öffnet zugleich dem heftigen wie melodischen Closer „The Earth Rumbles“ die Tür. Dieser schließt den Kreis mit Orgelklängen, treibenden Riffs und einem fulminanten Finale aus Chören und mehrstimmigen Gitarren.

„The Skies Turn Black“ zu fassen, ist nicht leicht. Jeder Track steht für eine eigene Facette – sei es stilistisch oder emotional. Langeweile kommt bei VREID auch 2026 nicht auf. Allerdings verlangt das zehnte Album der Band Offenheit und Aufmerksamkeit, um die fehlende Kohärenz als Stärke zu begreifen. In Sachen Abwechslungsreichtum gehen die Norweger hier an eine Grenze – und müssen künftig darauf achten, dass Vielfalt nicht zulasten der Homogenität geht.

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Wertung: 7 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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