CD-Review: Vulture Industries - Stranger Times

Besetzung

Bjørnar E. Nilsen – Gesang, Percussion, Keyboard
Øyvind Madsen – Gitarre
Eivind Huse – Gitarre, Gesang
Kyrre Teigen – Bass, Gesang
Tor Helge Gjengedal – Schlagzeug

Gastmusiker:
Herbrand Larsen – Keyboard (Track 03)
Hans Marius Andersen – Trompete (Track 03, 04)

Tracklist

01. Tales Of Woe
02. As The World Burns
03. Strangers
04. The Beacon
05. Something Vile
06. My Body, My Blood
07. Gentle Touch Of A Killer
08. Screaming Reflections
09. Midnight Draws Near


An verrückten Bands mangelt es Norwegen gewiss nicht. Seit 2003 tragen auch VULTURE INDUSTRIES ihren Teil dazu bei – und das überaus fleißig. Im schnitt alle drei Jahre veröffentlicht das Quintett aus Bergen seitdem faszinierenden Avantgarde-Metal. Mit „Stranger Times“ lassen VULTURE INDUSTRIES diese Serie zwar reißen, nachdem seit „The Tower“ mittlerweile sogar vier Jahre verstrichen sind – bereits das Artwork aus der Feder des renommierten Cover-Artists Costin Chioreanu verspricht dafür jedoch wieder großes.

Und in der Tat: Was mit einem perfekten Zusammenspiel aus Albmtitel und -artwork beginnt, ist auch musikalisch so verrückt wie schlüssig. Verglichen mit „The Tower“ entfernen sich VULTURE INDUSTRIES zwar noch einen Schritt weiter von ihren schwarzmetallen schimmernden Wurzeln – bleiben sich jedoch treu und gehen diesen Schritt so konsequent wie souverän.

Schon der Klang des Albums ist, warm und weich gehalten, eher rockig als extrem – gerade der eher angezerrte denn wirklich verzerrte Gitarrensound gibt „Stranger Times“ massig Retro-Rock-Charme. Behäbige Riffs, gemütliche Melodien und gelegentliche Überraschungseffekte wie die Trompete in „Strangers“ und „The Beacon“, aber auch viele kleine Details wie der immer wieder eingesetzte Schellenkranz machen „Stranger Times“ zu einem durchweg interessanten Album, das schon auf den ersten Durchlauf ins Ohr geht, dank seiner aufwändigen Arrangements jedoch auch nach unzähligen Durchläufen Details preiszugeben hat.

Vor allem die Stimme von Bjørnar E. Nilsen (auch bei Black Hole Generator aktiv), mag dabei in die Kategorie „Geschmackssache“ fallen: Was für den einen inbrünstig klingt, mag der andere als übertrieben pathetisch einstufen. Fakt ist: Bjørnar weiß, wie er mit seiner Stimme umzugehen hat, und verleiht VULTURE INDUSTRIES auch auf „Stranger Times“ mit seinen eingängigen Gesangsspuren einen extrem hohen Wiedererkennungswert.

Wer rockige Klänge mag, sich deswegen aber noch lange nicht mit stumpfem Rock ’n‘ Roll zufrieden geben mag, ist mit „Stranger Times“ richtig beraten: Mit ihrem vierten Album erschaffen VULTURE INDUSTRIES ihr viertes Meisterwerk. Düster und verspielt, extravagant und doch eingängig, hat „Stranger Times“ musikalisch alles, was man sich von einem Avantgarde-Album wünschen kann. Dank des charakteristischen Gesangs von Fronter Bjørnar E. Nilsen absolut im Klang, dank des absolut großartigen Artworks auch optisch unverkennbar, ist „Stranger Times“ nichts weniger als ein Gesamtkunstwerk.

Bewertung: 8.5 / 10

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