Dogma: Statement von Kim Jenett untermauert Vorwürfe

Die Kontroverse um die Band DOGMA geht weiter: Nachdem drei zentrale Mitglieder – Sängerin Grace Jane Pasturini (Lilith), sowie die Gitarristinnen Amber Maldonado (Lamia) und Patri Grief (Rusalka) die Band unlängst verlassen hatten und über den Instagram-Kanal der Band ein fragwürdiges Statement (siehe unten) veröffentlicht wurde, hat nun die Sängerin Kim Jenett ein Statement abgegeben, in dem sie sich auf die Seite der ehemaligen DOGMA-Musikerinnen stellt.

Jenett ist insofern eine zentrale Figur, als sie selbst im Jahr 2024 beinahe Sängerin bei DOGMA geworden wäre und deswegen Einblicke in die Verträge hatte, die das Management den Musikern vorlegt. Ihr Statement, wie auch das der Sängerin Absinthe Green, die ebenfalls den Bewerbungsprozess bei DOGMA durchlaufen hatte, legen nahe, dass die Person, die das Projekt kontrolliert, kein Musiker sei und in erster Linie wirtschaftliche Interessen verfolge. Die Fassade der feministischen Band werde dabei aufrechterhalten, während Fans in die Irre geführt und Musikerinnen ausgenutzt würden.

Hier das ausführliche Statement von Kim Janett in deutscher Übersetzung:

“Ich möchte meine Sicht der Dinge teilen. Denn ich weiß, dass die beteiligten Frauen aus rechtlichen Gründen gewisse Aspekte ihrer Geschichte nicht erzählen können – und ich habe Belege dafür. Ich äußere mich aus Solidarität mit ihnen. Als Frauen in der Musik müssen wir füreinander einstehen und so etwas benennen, damit es aufhört. 

2024 wurde mir gesagt, ich würde die neue Sängerin von DOGMA werden. (Ich habe das Vorsingen bestanden und kam bis zum Austausch von Kontaktdaten, bevor ich zu Proben nach Südamerika fliegen sollte.) Von Anfang an wurde klar, dass dies keine echte Band war. Es war eine Marke. Eine Pflanze, die vom Management gezüchtet und beschnitten wurde. Im Grunde sollte ich eine Rolle spielen. Das schmälert nicht, wie viel harte Arbeit und Schufterei es kostet, Teil eines solchen Projekts zu sein. Die Mädchen hätten ihr ganzes Herz, Blut, Schweiß und Tränen hineingesteckt. Man sah, dass alle ein Stück von sich in diese Rollen gaben und Erstaunliches leisteten, um diese Figuren zu ihren eigenen zu machen.

Was mich daran krank macht, ist die Anonymität. Die Frauen sind maskiert, zum Schweigen gebracht und durch Verträge kontrolliert, die sie am Reden hindern – mit rechtlichen Drohungen über ihren Köpfen, falls sie es doch tun. Und ich habe Belege für all das. Der Vertrag, den man mir schickte, war eines der beleidigendsten Dinge, die ich in meinen 15 Berufsjahren gesehen habe. Mein Anwalt sagte, es sei im Grunde „Sklavenarbeit“ und riet mir, mich dem nicht auch nur zu nähern. Mir ist völlig klar, dass nicht alle Zugang zu Rechtsberatung haben, und ich gebe den Frauen, die unterschrieben haben, keine Schuld. Ihnen wurde ein Traum verkauft – mit falschen Versprechen und Hoffnung manipuliert –, sodass sie etwas unterschrieben, das sie am Ende ausbeutete.

Viele merken vielleicht nicht, dass es nicht nur um den miesen Lohn geht – 100 Dollar pro Show (ehrlich gesagt ein Witz) –, während die Manager die Gewinne aus Merchandising, Ticketverkäufen und Meet & Greets einstecken. Es geht um Kontrolle: vertraglich dazu gezwungen, sich hinter Figuren zu verstecken und den Mund zu halten. Austauschbar und ausgebeutet – alles getarnt als „Feminismus“.

Ich habe monatelang dagegen gekämpft. Jedes Mal, wenn ich widersprach, kamen die Manager mit manipulativen Taktiken zurück und versuchten, mich zu einem Vertrag zu drängen, der mich rechtlich, finanziell und beruflich zerstört hätte. Ich drängte sie, eine Passage über grundlegende Menschenrechte aufzunehmen – die sie sofort wieder entfernten. Es ging um Schutz vor Dingen wie sexueller Gewalt und Ausbeutung, um Rechte auf Arbeitssicherheit und das Recht, den Vertrag zu kündigen, wenn diese Rechte verletzt werden. Als ich klarstellte, dass meine Menschenrechte nicht verhandelbar sind, zogen sie sich zurück.

Es ist eine Marke, die „Authentizität, Freiheit und Ausdruck“ predigt und gleichzeitig Verträge verteilt, die einem genau das nehmen. Sogar ihre offizielle Stellungnahme sagt alles: „DOGMA ist größer als eine einzelne Person.“ Genau das ist der Punkt … die Musikerinnen werden als austauschbar behandelt. Wegwerfbar.

Traurigerweise gibt es in der heutigen Branche so viele Künstlerinnen, die Arbeit brauchen, dass es wohl mit einer neuen Besetzung weitergeht – mehr Frauen, die ausgebeutet und hinter dieser Maske des „Mysteriums“ versteckt werden.

Ich melde mich zu Wort, damit die Leute sehen, was das wirklich ist. Wenn die Macht einer Marke auf Schweigen, Kontrolle und Anonymität beruht, ist das keine Empowerment. Es ist Ausbeutung.

✦ Belege & was im Vertrag stand ✦

Ich habe ihren Vertrag nie unterschrieben – zum Glück. Aber das hier sollte ich akzeptieren:

1. Besitzrechte an meiner Stimme und meinem Abbild – auch nach dem Ausstieg. „Das Unternehmen behält sich das Recht vor, die Stimme, Aufnahmen, das Abbild und die Figuren­darstellung der Künstlerin auf unbegrenzte Zeit zu nutzen.“
Heißt: Selbst wenn ich gehe, dürften sie weiterhin mein Bild und meine Stimme zur Markenwerbung nutzen. Sie könnten sogar KI einsetzen, um mich zu replizieren. Genau das passiert den Frauen gerade: Ihr Abbild wird für Social-Media-Posts genutzt, und Models bewegen die Lippen zu ihren Aufnahmen.

2. Volle Anonymität, völliges Schweigen.

„Die Künstlerin erklärt sich bereit, anonym aufzutreten und ihre Identität nicht öffentlich preiszugeben.“
„Jeder Verstoß gegen die Vertraulichkeit hat rechtliche Schritte zur Folge.“
Die Frauen dürfen buchstäblich nicht sprechen. Sie sind mundtot. Darum hört ihr nie, wie schlimm es wirklich wurde – sie sind rechtlich gefangen. Das ist einer der Gründe, warum ich all das teile.

3. 100 Dollar pro Show, keine Rechte, keine Tantiemen.

„Die Künstlerin erhält 100 Dollar pro Live-Auftritt, ohne Anspruch auf Tantiemen oder Restzahlungen.“
Das ist Ausbeutung. Keine professionelle Musikerin sollte 2025 weniger als Mindestlohn bekommen, um eine Marke anzuführen, die Tausende verdient. Es stand sogar drin: Leiste ich einen kreativen Beitrag zum Songwriting, werde ich dafür nie bezahlt.

4. Einseitige Macht und Drohung mit rechtlichen Schritten.

„Das Unternehmen behält sich vor, die Künstlerin jederzeit ohne Entschädigung zu ersetzen.“
Wer ablehnt oder faire Bedingungen verlangt, dem drohen rechtliche Konsequenzen – das ermöglicht von Anfang bis Ende eine Zwangs- und Manipulations­behandlung der Künstlerinnen.

5. Die Illusion von Empowerment.

Worte wie Schwesternschaft, Freiheit, Authentizität und Kunst – und das Kleingedruckte nimmt alles wieder weg. Hinter den Masken haben die Frauen keine Kontrolle darüber, was sie sagen, tragen oder verdienen. Das ist Ausbeutung nach Lehrbuch, als Feminismus verkleidet.

6. Kündigung

„Das Unternehmen darf diese Vereinbarung jederzeit und aus jedem Grund ohne Vorankündigung oder Entschädigung beenden und die Künstlerin ersetzen. Die Künstlerin darf diese Vereinbarung nicht ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Unternehmens kündigen.“
Heißt: Sie könnten die Frauen sofort fallen lassen, aber die Frauen könnten nicht gehen – gefangen, solange das Management es nicht erlaubt.

7. Anwaltskosten

„Die Künstlerin stellt das Unternehmen von allen Kosten, Ansprüchen, Schäden und Ausgaben (einschließlich angemessener Anwaltskosten) frei, die aus oder im Zusammenhang mit dieser Vereinbarung entstehen.“
Geht etwas schief – selbst wenn das Management schuld ist –, müsste ich ihre Anwaltskosten zahlen. Bei 100 Dollar pro Show ist das eine Falle: finanzielle Gewalt und Manipulation.

Jedes Wort hier ist wahr. Ich habe alle Nachrichten, Anrufmitschnitte und sämtliche Verträge als Beleg. Ich spreche für die, die es nicht können. Wenn dir Frauen in der Musik wichtig sind, unterstütze keine Systeme, die sich hinter Empowerment verstecken und am Schweigen verdienen. Ich stehe an der Seite von Grace, Amber und Patri – und ich bitte dich, es ebenso zu tun. Überlege, wen du wirklich unterstützt und welche Art von Branche du damit am Leben hältst.”


Zuvor hatte sich bereits die Sängerin Absinthe Green hinter die Ex-Musikerinnen von DOGMA gestellt – auch ihre Erfahrung liest sich sehr ähnlich. Hier das Statement vom 30.10. in deutscher Übersetzung:

“Im Jahr 2022 wäre ich beinahe Sängerin von Dogma geworden. Ich schreibe dies heute aufgrund der aktuellen Ereignisse bei Dogma und weil ich es ehrlich gesagt leid bin, mit anzusehen, wie Frauen in dieser Branche misshandelt, ausgebeutet und zum Schweigen gebracht werden.Ich stehe hinter @gracejane_music ,@patrigrief und @aveya.music Kürzlich haben Mitglieder von DOGMA bekannt gegeben, dass sie die Band verlassen. Ihre Erklärung sagt alles: Es gibt Manipulationen, gebrochene Versprechen, Misshandlungen, und die Person, die das Projekt leitet, behandelt die Menschen wie Wegwerfartikel. Als ich das sah, war ich nicht überrascht. Ich hätte mich 2022 beinahe diesem Projekt angeschlossen. Sie haben mich kontaktiert, alles war sehr geheimnisvoll, ich habe vorgesungen, ich habe die Songs bekommen und war kurz davor, ihre Sängerin zu werden. Aber von Anfang an fühlte sich etwas seltsam an. Das Projekt wurde von zwei Männern geleitet. Der eine war in der Branche bekannt, der andere war der namenlose Komponist im Hintergrund, der nach den Vorsingen das letzte Wort darüber hatte, wer in die Band aufgenommen wurde. Er war die unsichtbare Hand hinter den Kulissen, den man nie zu Gesicht bekam, der aber die wichtigen Entscheidungen traf.

Man erzählte mir, DOGMA handele von Befreiung und Feminismus, dass das Konzept um diese verführerischen, rebellischen Nonnen herum aufgebaut sei, die gegen Kontrolle und Heuchelei kämpfen. Das klang zunächst interessant. Aber dann bekam ich die Texte zu sehen.

In den Songs ging es um eine Nonne, die einen Priester verführt, und in einem anderen darum, wie sie sich in der Klosterküche mit einem Maiskolben befriedigt. Ich erinnere mich, dass ich das gelesen und gedacht habe: Was zum Teufel ist das denn? Sie sagten, es ginge um „weibliche Freiheit” und „Empowerment”, aber es war offensichtlich aus der Fantasie eines Mannes geschrieben.

Und um es klar zu sagen: Ich habe kein Problem mit der Art der Texte an sich. Ich bin nicht gegen erotische oder provokative Kunst. Was mich störte, war, dass dies nicht aus der Perspektive einer Frau geschrieben war. Es macht mir nichts aus, Soldatin in einem fremden Projekt zu sein, Anweisungen zu befolgen und die Arbeit zu erledigen. Das mache ich schon seit Jahren und ich bin gut darin. Manchmal ist es sogar erfrischend, einfach nur zu spielen, aufzutreten, ohne sich um die Strategie und Produktion hinter einem Projekt zu kümmern. Aber hier war es anders. Es fühlte sich nicht künstlerisch an. Es fühlte sich an, als würde ich von Männern ausgebeutet und in etwas übersexualisiert, das vorgab, feministisch zu sein. Das ist keine Befreiung. Das ist billiges „Marketing“.


Die Angaben aus dem Statement lassen sich nicht unabhängig prüfen. Die Verwalter des Instagram-Accounts von DOGMA reagierten auf den Ausstieg der drei Musikerinnen bereits am 27.10. mit einem eingenen Statement, in dem betont wurde, dass DOGMA größer sei als einzelne Mitglieder und das Projekt fortgeführt werde. Hier das Statement (editierte Version vom 31.10.25) in deutscher Übersetzung:

“Wir sind uns der jüngsten Online-Äußerungen einiger ehemaliger, nicht zur ursprünglichen Besetzung gehörender Mitglieder von DOGMA bewusst. Wir respektieren zwar alle, die zu unserer Entwicklung beigetragen haben, möchten jedoch klarstellen, dass DOGMA immer viel größer war und auch weiterhin viel größer sein wird als jede einzelne Person. DOGMA wurde auf der Grundlage von Kreativität, Zusammenarbeit und Weiterentwicklung gegründet. Wie bei jedem künstlerischen Projekt sind Veränderungen Teil unseres Wachstums. Jedes Mitglied, sowohl ehemalige als auch aktuelle, hat Spuren hinterlassen, die dazu beigetragen haben, uns zu dem zu machen, was wir heute sind, aber die Vision und Musik von DOGMA entwickeln sich dank des Engagements des aktuellen Teams und der Unterstützung unserer Fans weiter. Wir sind dankbar für die Zeit, Energie und Momente, die jedes Mitglied mit DOGMA geteilt hat. Jeder Beitrag, ob groß oder klein, wurde Teil dieser Reise und wird immer geschätzt und gewürdigt werden. Wir bleiben den Werten, die DOGMA ausmachen, voll und ganz verpflichtet: Authentizität, freie Meinungsäußerung und Verbindung durch Kunst. Unser Fokus liegt und wird immer auf der Musik, der Botschaft und der Gemeinschaft liegen, die dieses Projekt zu dem gemacht haben, was es ist. Vielen Dank an alle, die weiterhin an DOGMA und das, wofür wir stehen, glauben, denn bei DOGMA ging es nie darum, wer wir sind, sondern darum, was IHR werdet …”


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Moritz Grütz

Publiziert am von

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