Review The Crystal Teardrop – Love You More

  • Label: Rise Above
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Rock

Wer auf der Suche nach Abwechslung in der unüberschaubaren Masse an Retro-Rock-Bands ist, kommt an RISE ABOVE RECORDS schon lange nicht mehr vorbei. Das Label von Lee Dorrian hat ein Händchen für außergewöhnliche Retro-Bands wie etwa BLOOD CEREMONY, BOBBIE DAZZLE oder ADMIRAL SIR CLOUDESLEY SHOVELL, die alle eine ganz eigene Herangehensweise an den Sound der 60er und 70er haben. Selbst in diesem Rooster sind THE CRYSTAL TEARDROP mit ihrer Mischung aus Psychedelic-Rock, 60ies-Pop, Folk und Raga Rock bunte Vögel. Seit ihrem Debüt „… Is Forming“ ist erst etwas mehr als ein Jahr vergangen, doch mit „Love You More“ steht schon das zweite Album bereit.

Seit Release des Debüts waren THE CRYSTAL TEARDROP ausgiebig auf Tour in UK und Europa, und das hört man „Love You More“ an, denn das Quintett harmoniert perfekt miteinander. Ab dem Einstieg mit dem Titelsong erzeugen THE CRYSTAL TEARDROP eine beschwingte, sonnige, psychedelische 60ies-Atmosphäre, bei der klar die warme Stimme von Alexandra Roses im Mittelpunkt steht. Songs wie „Outside Looking In“, „Room Without A View“ oder „If I’m Right“ sind mit perlenden Gitarren, psychedelischen Harmonien und Flower-Power-Atmosphäre echte Feelgood-Nummern. Spielend leicht gelingt es der Band, den Hörer 60 Jahre zurück in die Vergangenheit zu versetzen und dabei nicht nach einer bloßen Kopie von THE BEATLES und Co. zu klingen.

Wer THE CRYSTAL TEARDROP schon einmal live gesehen hat, weiß, mit wie viel Energie Alexandra Roses und ihre Mitstreiter über die Bühne fegen, und auch diese wilde Seite bekommt ihren Raum auf „Love You More“. „It’s Too Late“ ist roher Garage-Rock mit Hammond-Orgel, dreckigem Solo und durchgedrücktem Gaspedal, und das alles in etwas mehr als zwei Minuten Spielzeit. „What It Adds Up To“ ist langsamer, aber überraschend heavy, und erneut steht die Gitarre von Leon Jones im Fokus. Die erste Single „Tomorrow Starts Today“ wiederum ist absolut nicht heavy, erzeugt aber einen unwiderstehlichen Psychedelic-Folk-Sog, der den Song zu einem Pflichtkandidaten für Liveshows macht.

Die Folk- und Raga-Rock-Elemente treten bei „Circumstances“ am deutlichsten hervor, das von den Klängen einer Sitar geprägt ist und Bilder von Gurus und Happenings im Laurel Canyon entstehen lässt. Aber auch beim finalen Psychedelic-Jam „Touch The Sun“ spielen die Sitar und musikalische Einflüsse aus dem mittleren Osten eine prominente Rolle. THE CRYSTAL TEARDROP verabschieden sich hier von üblichen Songstrukturen und geben sich stattdessen völlig ausufernden Riffs und Psychedelic-Flächen hin. Live dürfte „Touch The Sun“ sicherlich ein besonderes Erlebnis sein.

In dieser kurzen Zeitspanne zwischen dem ersten Album und „Love You More“ ist es THE CRYSTAL TEARDROP hörbar gelungen zu wachsen. Die verschiedenen Einflüsse ihres Sounds sind noch deutlicher herausgearbeitet und fügen sich harmonischer zu einem Gesamtbild, das nicht nach reiner Heldenverehrung, sondern klar nach THE CRYSTAL TEARDROP klingt. So bunt wie die 60ies ist auch „Love You More“, und damit ist die Scheibe der perfekte Farbklecks für die kommende dunkle Jahreszeit.

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Wertung: 9 / 10

Juan Esteban

Publiziert am von

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