Interview mit Michael und Georg von Tanzt!

Seit 18 Jahren steht das TANZT! für Folk, Mittelalterrock und familiäre Atmosphäre. 2025 locken unter anderem TANZWUT, COPPELIUS und die LETZTE INSTANZ in den Süden. Wir haben mit den Organisatoren Michael und Georg über das neue Line-up, steigende Kosten und den besonderen Geist des Festivals gesprochen.

Hallo Michael, hallo Georg. Wie geht’s euch wenige Wochen vor dem diesjährigen TANZT!? Wie laufen die letzten Vorbereitungen? Seid ihr zufrieden mit dem Vorverkauf?
Michael: Danke, gut und ich freue mich bereits sehr auf die diesjährige Ausgabe. Der Vorverkauf läuft in Anbetracht der Tatsache, dass der Herbst extrem voll mit Touren der Mittelalter- und Folk- sowie der Schwarzen Szene im Allgemeinen ist, ziemlich gut. Unser Ziel sind dieses Mal mindestens 1000 Besucher – und das könnten wir auf den letzten Metern noch schaffen. Es scheint also ein cooles und stimmiges Programm zu sein. Meinerseits wird noch viel in Sachen Promotion des Festivals laufen und die Festival-Shirts müssen auch diese Woche noch bestellt werden.
Georg: Nach einer gewissen Häufigkeit ähneln sich natürlich viele Vorbereitungen. Mit dem diesjährigen Programm haben wir viele uns bekannte und spannende Künstler:innen an Bord, sodass auch die Produktionen hinter den Kulissen einiges für mich bereithält. Wir sind gespannt. Aber ich blicke äußerst positiv auf unser Festival!

LETZTE INSTANZ auf dem Feuertanz Festival 2024
LETZTE INSTANZ auf dem Feuertanz Festival 2024

Das TANZT! findet dieses Jahr zum 17. Mal, 2025 unter anderem mit der Abschiedsshow der LETZTEN INSTANZ im Süden der Republik. Wie besonders ist das für euch? Was verbindet ihr mit der INSTANZ?
Georg: Für mich ist das etwas sehr Besonderes und auch Persönliches: Wenn Kolleg:innen nach so langer Zeit aufhören, ist es immer sehr emotional und ihr Abschied nach so langer Zeit berührt mich und sehr viele Menschen in unserem Umfeld. Die LETZTE INSTANZ haben mich persönlich bereits sehr, sehr früh in meinem Wirken in der Mittelalter- und Gothikszene begleitet. Ihre Lieder insbesondere in den 2000ern („Spiel“, „Kalter Glanz“, „Götter auf Abruf“) haben zu meiner „Sozialisation“ beigetragen und verschiedene Facetten meiner Seele berührt. Dafür bin ich dankbar und freue mich umso mehr auf ihr Kommen und das Konzert.
Michael: In den letzten Jahren habe ich die Band etwas aus den Augen verloren, aber 2007 bis 2014 habe ich sie sehr gerne gehört und etliche Male live gesehen. Bei zwei ihrer Shows im Backstage in München habe ich damals als Stagehand gearbeitet und 2011 war ich als Mercher von VROUDENSPIL, die als Support Act dabei waren, bei einer Mini-Tour von ihnen durch Österreich dabei. So eine „Szene-Instanz“ nach 2014 zum zweiten und leider letzten Mal bei uns am Festival zu haben, freut mich außerordentlich.

Im Line-Up tummeln sich neben der INSTANZ bekannte Gesichter wie TANZWUT oder COPPELIUS, aber unter anderem mit VOGELSANG und REMEMBER TWILIGHT auch Bands, die sonst eher seltener zu sehen sind. Wie ist das diesjährige Billing entstanden?
Michael: Die Idee, die LETZTE INSTANZ anzufragen, stammt von mir. Georg hat dann in Absprache mit mir ein sehr stimmiges Gesamtprogramm entworfen. Hierzu kann er aber sicher mehr sagen.
Georg: Es ist immer eine gewisse „Kunst“ und auch Glück, ein stimmiges und zugleich ausreichend breites Line-up zusammenzustellen. Wir haben einerseits versucht, ein Programm zu kreieren, welches die dunkle und musikalisch facettenreiche Seite der Mittelalter- und Folkszene betont. Die Bandauswahl sollte mit die LETZTE INSTANZ harmonieren und andererseits eine Vielfalt der aktuellen Entwicklungen einfangen.

Michael, du hast das TANZT! aufgebaut und groß gemacht. Mit Georg und VROUDENSPIL verbindet dich eine lange Freundschaft. Inzwischen ist Georg aktiver an der Bandauswahl und Co. beteiligt. Wie genau darf man sich die Rollenverteilung bei euch aktuell vorstellen?
Michael: Good cop (Georg) und bad cop (ich). Auch wenn TANZT! von 2007 bis 2011 zusammen mit einem Metal-Verein ausgerichtet worden ist, bin ich der Initiator und von Anfang an der Hauptverantwortliche des Festivals. Die Idee, die Veranstaltung TANZT! zu nennen, fiel Petz, Ratz und Dax (Georg) von VROUDENSPIL sowie mir bei einem gemeinsamen Fernsehabend im Frühjahr 2007 ein. Möglicherweise schauten wir uns sogar ein Live-Konzert von IN EXTREMO an. VROUDENSPIL sind seit den Anfängen ein integraler Bestandteil des Festivals, und das nicht zuletzt deshalb, weil sie bislang bei allen Ausgaben aufgetreten sind. Es lag also nahe, dass ich auf Georg, der auch einen wesentlichen Teil der Fäden von VROUDENSPIL in den Händen hält und im Booking erfahren ist, zukomme bzw. er auf mich zugekommen ist, als sich bei mir der Gedanke, das Festival möglicherweise aus verschiedenen Gründen nicht mehr zu organisieren, verhärtete. Letztendlich bin ich sehr glücklich damit, dass die Organisation nun auf zwei Köpfe verteilt ist.
Georg: Die Entwicklung des Festivals ist schon eine spannende Sache und hat verschiedene Aspekte und jede Menge einzelne lustige Geschichten. Dabei bin ich tatsächlich immer gewesen und vermutlich habe ich hierbei schon sehr verschiedene Rollen und Tätigkeiten gehabt. Ich kann mich beispielsweise noch an die erste Ausgabe erinnern. Für diese hatte ich über einen Freund die Disko gemietet, in der das Festival stattfand, und die Übernachtung in den Diskoräumen nebenan organisiert. Das war mega witzig! Momentan arbeite ich vor allem im Rahmen der Buchungen und der (Vor-)Produktion der Shows. Das heißt: ich schlage mich mehr mit „dem Business“, inklusive Bands, rum und Michael hat seinen Fokus stärker in der Außenwirkung, Design und der Werbung. Aber am Ende läuft vieles auch über gemeinsame Arbeit und Entscheidungen.

Michael (rechts) und Georg (links) beim Mittelalter in München

Wie geht ihr mit Meinungsverschiedenheiten um?
Michael: Wir arbeiten erstaunlich gut zusammen und sind meistens ähnlicher Meinung. Vielleicht ist das aber nur meine Sicht auf die Dinge, denn am Ende des Tages setze ich meinen Dickkopf doch meistens durch, weshalb letztes Jahr auch FOLKSTONE, die ich persönlich musikalisch einfach liebe, wieder gespielt haben, obwohl eine Kosten-Nutzen-Analyse nicht unbedingt dafür spricht, weil die Band in Deutschland nach all den Jahren noch immer ein Geheimtipp ist.
Georg: Ja, das kann ich bestätigen. Meines Erachtens ist es vor allem wichtig, sich respektvoll und menschlich zu begegnen. Klingt abgedroschen, aber der direkte Austausch und das Vertrauen sind die Basis. Und dann werden die verschiedenen Meinungen und manchmal auch einfach Emotionen für sich stehen gelassen und man kuckt, was möglich ist, was zusammengeht und was eben nicht. Bleibt man dann transparent und aufrichtig miteinander, lässt sich ehrlich gesagt alles zu einem schönen Ganzen formen. Michael ist mit Sicherheit nicht der einzige „Dickkopf“ in diesem Bereich und daher habe ich schon meine eigenen Strategien…

Das TANZT! steht schon immer für einen gesunden Mix aus bekannteren und unbekannteren Bands. Wie findet ihr speziell Combos aus dem Ausland wie TROLL BENDS FIR oder FOLKSTONE, die hierzulande quasi exklusiv bei euch spielen?
Michael: Früher bin ich hier sehr tief in die internationale Szene eingetaucht und fand es spannend, die eine oder andere Band zu Tage zu fördern, die man hier (noch) nicht kennt. Meistens spielen ja leider doch fast überall die gleichen Bands. Man braucht aber viel Zeit und einen langen Atem, um Perlen aus Italien, Spanien oder China zu entdecken und zu verpflichten. Wir möchten weiterhin versuchen, auf internationale Bands zu setzen, auch wenn dieses Jahr kein Exot mit dabei ist.
Georg: Ich glaube da teilen wir eine Passion, wenngleich mit etwas unterschiedlicher Betonung. Etwas Besonderes zusammenzustellen und einen wunderbaren Musik- und Kunsttag zu schaffen, treibt uns an. Dies zu erreichen, sowohl über internationale Bands als auch über nationale interessante Künstler:innen, die als Gesamtes das TANZT! bereichern, ist eine wahre Freude.

Ist es in den letzten Jahren, speziell „nach Corona“, schwieriger bzw. teurer geworden, Folk-Bands aus dem Ausland zu holen?
Michael: Sämtliche Produktionskosten sind deutlich höher gegenüber vor ein paar Jahren geworden. Ich denke, dass es dabei völlig egal ist, ob die Band aus dem In- oder Ausland kommt. Bei manchen Bands aus dem Ausland darf man oft nicht vergessen, dass sie ab und an sogar bereit dazu sind, zu relativ günstigen Konditionen zu spielen, um hier bekannt zu werden. Beispielsweise erinnere ich mich daran, dass wir NINE TREASURES aus China damals für einen Apfel und ein Ei eingeflogen haben. Leider hat es bis heute nicht geklappt, dass diese großartige Band bei uns Erfolg gehabt hätte, wobei wohl kürzlich ein brandneues Album über Metal Blade auf den Markt gekommen ist, mit dem sie endlich Fuß fassen wollen.
Georg: Die Preisspirale im Veranstaltungswesen hat auch uns erreicht und das betrifft leider viele Bereiche und zum Teil mehrfach. Die Fragen nach Reisekosten und komplexeren Produktionen sind sicherlich relevant, aber meist entscheidet sich vieles danach, was am Ende durchführbar und sinnvoll refinanzierbar ist. Die Mischung macht’s und wer die Eintrittspreisveränderungen beobachtet hat, sieht, dass vieles dann am Preis geregelt wird. Wir verstehen uns als soziales und einzigartiges Festival und haben – zum Teil jedenfalls – nicht den gleichen Druck wie manch andere. Leider sehen wir da eine Entwicklung, dass Einzelkonzertpreise ähnlich hoch werden wie die im Verhältnis sehr moderaten Ticketpreise unseres Festivals.

Habt ihr nationale oder internationale Asse im Ärmel, die bis dato noch nicht aufgetreten sind?
Michael: Da muss ich aktuell leider passen, denn ich verfolge das Geschehen auch nicht mehr allzu sehr, aber den einen oder anderen Exoten sollten wir auf jeden Fall wieder mit an Board nehmen, denn das hat das TANZT! immer ein kleines Stück weit ausgezeichnet.
Georg: Die Buchungen für 2026 und 2027 sind bereits in vollem Gange und werden hoffentlich auch internationale Künstler:innen dabei haben. Und ja, es werden bestimmt auch wieder neue Gesichter am TANZT! auftreten können.

Michael und Sturmi (Crew) beim TANZT!
Michael und Sturmi (Crew) beim TANZT! 2021

Wie viele Bewerbungen erhaltet ihr jedes Jahr? Gibt es dazu kuriose Geschichten oder auch interessante Randnotizen aus all den Jahren?
Michael: Das hält sich eigentlich in Grenzen. Vielleicht sind es maximal 50 Bewerbungen pro Jahr, wobei wir die meisten Bands bereits (seit Jahren) auf dem Schirm haben oder es Bands sind, die bereits bei uns gespielt haben. Ein Stück weit ein Problem ist halt, dass wir nur sieben Slots haben und ein Großteil der Bewerbungen für die Slots 1 bis 3 in Frage kommt. Danach dünnt es sich mit Anfragen allerdings meistens aus. Dieses Problem haben aber vermutlich auch andere Veranstalter in unserer Szene, wobei diese dann mit Bands aus den Bereichen Gothic Rock oder NDH „auffüllen“, was wir aber nicht machen möchten, da beispielsweise eine „Regel“ des Festivals besagt, dass mindestens ein „Folk-Instrument“ pro Band auf der Bühne vertreten ist. Eine Ausnahme gab es hier nur bei DALRIADA aus Ungarn. Warum? Weil es einfach eine geile Band ist! „Kurios“ finde ich immer wieder Bewerbungen von Bands, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Genre zu tun haben. So viel Zeit, um sich das Portfolio eines Festivals anzusehen, sollte man sich, bevor man eine E-Mail absendet, meiner Meinung nach einfach nehmen.
Georg: Mir kommt es schon immer etwas mehr vor. Aber du hast recht. Wir kennen natürlich die meisten Bands in irgendeiner Form und beobachten sie mal mehr und mal weniger intensiv. Zudem halten wir auch gezielt Ausschau und ich lass mich auch sehr gern überraschen. Vor allem die Kombinationsmöglichkeiten und die Verfügbarkeiten entscheiden am Ende, wie das Programm aussieht. Ich freue mich auch immer über Kuriositäten und Künstler:innen, die eher unerwartet in meinen Postfächern landen. Und man ist erstaunt, wie bunt und unterschiedlich die (Selbst-)Einschätzungen sind.

Wie geht ihr letztendlich konkret vor, um einerseits die Ticketpreise moderat zu halten und andererseits den einzigartigen Charakter des TANZT! beizubehalten?
Michael: Dieses Jahr hatten wir im Blick, was bekannte Bands aus der Szene für ein Konzert von sich plus ein bis zwei Support-Acts im Schnitt so aufrufen, und haben dann versucht, dass wir mit sieben Bands bei ca. 15 bis 20 Euro über deren Ticketpreis landen.
Georg: Ja, wir beobachten – wie vorhin erwähnt – die Entwicklungen recht genau und finden da in Absprache mit dem Backstage und unseren Partnern einen Weg, diese Preise zu halten.

Autogrammstunde von SCHANDMAUL beim TANZT! 2024

Könnt ihr euch das TANZT! überhaupt noch an einer anderen Location als dem Backstage in München vorstellen?
Michael: Nein. Das gehört untrennbar zusammen. Letzten Endes tritt die Backstage Concerts GmbH im rechtlichen Sinne auch als hundertprozentige Veranstalterin im rechtlichen Sinne auf.
Georg: Das Backstage ist als kulturelle Institution der Heimathafen vom TANZT! und haben daher keine andere Location im Blick. Das Backstage hat zudem vor, sich zu erweitern, so dass wir hier natürlich auch über alle Optionen nachdenken.

Georg, du spielst mit VROUDENSPIL nun bereits zum 17. Mal auf dem TANZT!. Das Festival war für euch oft eine Gelegenheit, um neue Songs, Alben oder Musiker bzw. Sänger vorzustellen. Wie blickst du auf diese Zeit insgesamt zurück? Was waren die größten Meilensteine?
Georg: Das TANZT! ist auch als Freibeuter- und aus VROUDENSPIL-Sicht etwas ganz Besonderes. Wir haben an diesem Herzensfestival unsere eigene Geschichte miterlebt und zelebriert. Insgesamt blicke ich auf all die Jahre beim TANZT! ein bisschen, wie wenn ich in ein Familienalbum schauen würde. Wir sind dort als schräge Vögel zunächst in einer Kleinstadt-Disko aufgeschlagen. Dann die ersten Jahre mit kleinen Clubs und die Mittelaltermärkte. Da war die KUFA in Kufstein der richtige Ort für uns und eben auch für‘s Festival. Ab 2012 dann im Backstage zunächst in der Halle und später auch im größeren Saal, dem „Werk“. Mit dann vielen aufeinanderfolgenden Highlights. Über die Jahre ist das Festival ein eigener Begleiter und auch Freundin geworden. Wir haben dort neue Songs ausprobiert, neue Bandmitglieder vorgestellt, Bandmitglieder verabschiedet und manchmal war es einfach der Ort, an dem wir gemerkt haben, dass wir einfach wir sein können, und das war gut. Und ich glaube, dieser Geist ist auch für das gesamte TANZT! spürbar.

VROUDENSPIL beim TANZT! 2018

Plant ihr mit VROUDENSPIL für dieses Jahr auch etwas Besonderes?
Georg: Wir haben uns auch dieses Jahr einiges überlegt und eine spezielle Überraschung kann ich bereits metaphorisch schon ankündigen. Es wird einen „alten Bekannten“ der erwähnten Bandgeschichte geben, der uns in mehreren Liedern virtuos auf seinem Instrument unterstützt. Wir glauben ja immer noch, dass er kein Freibeuter, sondern ein musikalisches Meerungeheuer mit (zu) vielen Gliedmaßen ist, aber allein für dieses Spektakel lohnt sich schon die gesamte TANZT!-Karte.

Mit SCHANDMAUL, SUBWAY TO SALLY, ELUVEITIE und vielen weiteren Folk-Combos waren fast alle größeren Genrevertreter bereits beim TANZT! zu Gast, zum Teil sogar mehrfach. Fehlt euch noch jemand von eurer persönlichen Wunschliste?
Michael: Ich hätte das damals alles NIE für möglich gehalten und bin wunschlos glücklich. Mit SCHANDMAUL, SUBWAY TO SALLY und FOLKSTONE haben drei meiner Lieblingsbands des Genres, teilweise mehrfach, bei uns gespielt. Und wir hatten die unglaublichen MÄGO DE OZ bei uns. Das muss man sich mal vorstellen: in Lateinamerika spielen die ausnahmslos in den größten Arenen des Kontinents, in ihrer Heimat Spanien auch ausnahmslos in großen Venues, aber in Deutschland kennt sie auch nach 35 Jahren fast niemand.
Georg: Für mich ist das ähnlich. Das TANZT! hat schon sehr viel erreicht und sich als besonderes und eigenständiges Festival etabliert. Mich würde eine etwas größere Jubiläumsausgabe reizen. Dann könnten wir auch evtl. noch etwas mehr internationale Abwechslung oder auch Künstler:innen mit mehr finanziellem Bedarf integrieren.

FEUERSCHWANZ in Fürth im Oktober 2025
FEUERSCHWANZ in Fürth im Oktober 2025

Andere Bands wie VERSENGOLD, SALTATIO MORTIS oder FEUERSCHWANZ haben sich in den letzten Jahren ein immer größeres Publikum erspielt. Sind diese Namen für das TANZT! noch realistisch?
Georg: Wir sind mit der Kapazität der Venue und unserer Preispolitik natürlich limitiert und dabei auch oft mit den jeweiligen Künstler:innen im Austausch. Es hängt ja auch oft davon ab, wie die jeweiligen Touren gerade laufen und was die Künstler:innen für Ziele haben. Wir stellen jedes Jahr aufs Neue ein Programm zusammen und man wäre überrascht, wie flexibel und gestaltbar das ist. Zugleich sollten die Vorstellungen schon zusammenpassen, damit alle zufrieden sein können.
Michael: Unsere Tür steht immer offen, auch wenn viele Bands es aus wirtschaftlichen Gründen mittlerweile vorziehen, nur noch auf großen Bühnen zu spielen.

SUBWAY TO SALLY spielen aktuell einige Festival-Shows rund um ihr Album „Nord Nord Ost“. Wären solche besonderen Auftritte auch wieder etwas für das TANZT? Mit SCHANDMAULs „15 Jahre Hexenkessel“ gab es so etwas bereits 2018.
Michael: „Nord Nord Ost“. Ein starkes Album einer tollen Band. Mein zweites SUBWAY TO SALLY-Konzert besuchte ich im Winter 2005 in der Georg-Elser-Halle in München. Unvergessen, weil draußen auf der Autobahn von Rosenheim nach München ein Schneesturm tobte und die Band dann während des Konzerts zu „Schneekönigin“ und „Eisblumen“ die Kunstschneemaschine anwarf. SCHANDMAUL („Wahre Helden“) und SUBWAY TO SALLY („Foppt den Dämon“) sind die Eckpfeiler meiner Mittelalter-Rock-Sozialisation, insofern war der besondere Auftritt der Mäuler damals etwas ganz Besonderes für mich. Ich würde also nicht nein sagen zu diesem Set von SUBWAY TO SALLY.
Georg: Für die Zusammenstellung der nächsten beiden Ausgaben sind wir bereits mittendrin. Und SUBWAY TO SALLY ist eine grandiose und vielseitige Band, die wir immer sehr gern ins Backstage einladen. Im Frühjahr werden sie ihr Akustikprogramm dort präsentieren. Diese wunderbare Band, mit der uns viel verbindet, wäre gerade mit einem solchen Set natürlich bestens fürs TANZT! geeignet.

MR. HURLEY UND DIE PULVERAFFEN beim Feuertanz Festival 2023

MR. HURLEY UND DIE PULVERAFFEN spielen mit neuem Album im Gepäck ihre München-Show 2025 einen Tag vor dem TANZT!, ebenfalls im Backstage. Für einige Fans vielleicht unglückliches Timing, wenn sie sich aus finanziellen oder anderen Gründen für ein Konzert entscheiden müssen. Wie seht ihr das?
Michael: Ja, das ist wahrlich etwas unglücklich, aber das „Business“ ist hier leider erbarmungslos. Pssst, ich verrate noch etwas: Einen Tag davor spielen auch ASP und Johanna Krins, die ja bereits mit DELVA zweimal bei uns gespielt hat, im Backstage. Nunja, Konkurrenz – wenn man es denn so nennen möchte – soll ja bekanntlich das Geschäft beleben.
Georg: Da ich ja momentan recht häufig das Glück habe, dem Set dieses liebevollen und unfassbar lustigen Haufens beizuwohnen, kann ich nur empfehlen, auch dorthin zu gehen. ABER natürlich würde ich immer lieber aufs TANZT! gehen. Zudem habe ich gehört, die Hurleys stinken nach Aalschnaps…

Gab es im Laufe der 17 Jahre auch Enttäuschungen? Wenn ja, was war die größte und was habt ihr daraus gelernt?
Michael: Ich weiß nicht, ob ich das als Enttäuschung werten soll, aber 2023, als das Festival erstmals ausgefallen ist, gab es eine theoretische Möglichkeit, einmalig etwas wirklich Großes zu realisieren, von dem sogar ganz unterschiedliche Parteien auf ganz unterschiedliche Art und Weise profitiert hätten. Leider kam es aber nicht dazu. Vielleicht war das rückblickend aber auch einfach besser.

FOLKSTONE beim TANZT! 2011

Hier noch unser Metal1-Brainstorming:
Mera Luna:
Michael: Ich war tatsächlich noch nie dort.
Georg: Ich auch nicht.
Die vielversprechendsten Newcomer im Folk: Michael: Ich persönlich würde einer sympathischen Truppe wie unseren Freunden von VERA LUX mehr Erfolg gönnen, wobei die nach fast zehn Jahren Bandgeschichte auch nicht mehr unbedingt als Newcomer bezeichnet werden können. Darüber hinaus bin ich einfach nicht mehr tief genug in der Szene drin, um das beurteilen zu können, aber fand zuletzt Auftritte von HAGGEFUGG, NATHANAEL und WALDKAUZ solide.
Clubshow oder Stadionkonzert: Michael: Insofern ich vorne stehe, dann immer Team Stadion, sorry! Wobei ich die Stones oder Bruce Springsteen mir auch sehr gerne mal in einem Club ansehen würde.
Georg: Lieber Clubshow. Aber am liebsten kleines Open-Air-Festival mit Auslauf, Natur und verschiedenen Kunstformen.
Rosenheim, Kufstein oder München: Michael: Alle diese Orte sind ein Stück weit meine Heimat. Wohl auch deshalb waren es die verschiedenen Stationen für unser Festival.
Georg: Rosenheim als Zuhause. München fürs TANZT!
Das TANZT! in 17 Jahren: Michael: Mal sehen, wie lange wir durchhalten.
Georg: Ich habe gehört, mehrere Mittelalter- und Folkbands sollen in den letzten Jahren ganz viele kleine Menschen in die Welt begleitet haben. Da ist doch Potenzial!

Die letzten Worte gehören Euch…
Michael: Herzlichen Dank für die Möglichkeit, uns bei Metal1.info zu Wort zu melden und danke für die gute Zusammenarbeit in all den Jahren. Tanzt, ihr Narren, tanzt!
Georg: Danke an Euch auch von meiner Seite! Kommt zu unserem Festival-Kleinod und wir freuen uns auf euch!

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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