Interview mit Nils Wittrock von The Hirsch Effekt

Ihr Name beschreibt das Ausscheiden von oral applizierten Stärkekörnern durch das Urin und ihre Musik ist nicht minder skurril. Nach optischer und akustischer Begutachtung der Hannoveraner Band THE HIRSCH EFFEKT stand uns Sänger und Gitarrist Nils Wittrock im Interview Rede und Antwort.

Hey Nils, schön, dass du dir die Zeit für ein Interview mit Metal1.info nimmst! Wie geht es dir? Schön, dass du mich interviewst! Ich sitze grad im Zug, komme vom Unterrichten und bin ziemlich müde. Tour war anstrengend.

Ihr seid zwar schon seit einer Weile in der Musikszene unterwegs, da ihr richtig große Aufmerksamkeit aber erst mit der Veröffentlichung von „Holon:Hiberno“ erreicht habtwäre es schön, wenn du euch noch mal kurz vorstellen könntest.
Wir sind The Hirsch Effekt: Ilja, der mit den langen Haaren, Philipp, der alte, der uns immer sagt, dass wir nicht auf dem Rasen spielen sollen und meine Wenigkeit.

Seid ihr mutige Menschen?
Da ich die Fragen schon gelesen habe weiß ich, worauf das hinausläuft. ;-) Ich glaub nicht, dass wir sonderlich mutige Menschen sind.

Wieviel Mut hat es gebraucht ein Album wie „Holon:Hiberno“ aufzunehmen?
Als Mut habe ich das nicht empfunden. Ich brauchte vor allem Durchhaltevermögen. Ich nehme aber an, dass das bei fast allen Alben so ist.

Wenn wir schon beim Album sind: Erklär doch mal bitte euren Hang zu seltsamen Namen.
Bei der EP wollten wir den Titeln mit den Buchstaben „Ep“ beginnende Namen geben. So sind wir über Epistel und Epitaph auf Latein gekommen.

Euren Musikstil zu beschreiben fand ich sehr schwierig. Du meintest beim Konzert im Frankfurter Elfer ihr seid eine Metalband. Gibt’s keine passendere Beschreibung eurer Musik?
Das hab ich gesagt? :-)
Ich finde „Krawallkunst“ ganz schön. Ilja und Philipp glaub ich nicht so.

Habt ihr mittlerweile herausgefunden was „Corpse Paint“ ist?
Irgendjemand hats mir erklärt. Ich habs aber wieder vergessen…

Erzähl uns doch mal ein bisschen was zum inhaltlichen Rahmen der Scheibe. Ich empfinde es irgendwie als Mischung aus wohltuenden politischen Texten und einer Portion Romantik – wobei das ja gut zusammen passt.
Trifft es ganz gut – finde ich. Das Album ist in zwei Themen aufgeteilt, wobei der „romantische Teil“ (wie du ihn nennst) eigentlich eine chronologisch ablaufende Handlung enthält.

Gibt es sowas wie eine Grundaussage der Scheibe, eine Botschaft?
Ich denke schon, dass eine Botschaft in der Platte steckt. Ich hoffe das zumindest.

Wie stehst du zur aktuellen politischen Lage, in Deutschland und weltweit?
Kein Kommentar.

Wer schreibt bei euch die Texte? Ich war oft sehr begeistert von dem großen Gefühl für Sprache das ihr in euren Texten offenbart.
Vielen Dank! Herbert Hindringer hat ein paar Textpassagen beigesteuert. Ansonsten habe ich die geschrieben.

Wer ist das Mädchen bei „Laxamentum/Requiem“?
Ihr Name steht in den Credits, deshalb möchte ich nicht so gern von dem Hintergrund des Samples erzählen. Sie ist aber keine Schauspielerin oder sowas.

Wer zeichnet sich für die Musik verantwortlich? Beim jammen im Proberaum können die ausgefallen Kompositionen wohl kaum entstanden sein, oder?
Das machen wir zusammen. Es entseht schon auch einiges beim Jammen. Man kann ja im Proberaum erdachtes auch mit nach Hause nehmen und das zu Hause ausfeilen oder so.

Wo siehst Du eure Haupteinflüsse auf die Musik, bzw. was für Musik hört ihr privat?
Philipp hört gern Harry Belafonte, Ilja ist großer Bob Marley Fan und ich mag Herbert Grönemeyer.

Schon beim Konzert in Frankfurt viel mir euer großes technisches Können auf. Wie lange beschäftigt ihr euch schon mit Musik?
Ich hab mit 13 meine erste E-Gitarre bekommen, Ilja spielt seitdem ein Kind Cello und Philipp hat ja damals schon Sonny Greer Doublebass Unterricht gegeben.

Schweifen wir mal etwas in euer Privatleben ab. Da ihr von der Musik nicht leben werdet, womit verdient ihr euch die Brötchen?
Wir sind zum Glück alle Studenten und haben kleine Jobs.

Ganz erstaunlich fand ich auch, dass euer Publikum live nicht wirklich überfordert scheint von eurer Musik. Gut, es war in Frankfurt keine riesen Party und es gab ganz schön viele offenen Münder, aber es war gleichzeitig eine unheimlich positive und herzliche Atmosphäre im Raum. Wie macht ihr das?
Ich empfinde das auch oft so und bin immer wieder erfreut, was für ein tolles Publikum wir in der Regel haben. Ich weiß nicht, ob wir dann an der Atmosphäre noch viel machen können. Manchmal kommt es uns – glaube ich – zu gute, dass wir uns nicht zu ernst nehmen.

Mal Hand aufs Herz, ich hab nicht nachgezählt, aber ihr habt doch sicher an die zwanzig Effektpedalle bei einem Auftritt vor euch liegen. Gab‘s da noch nie „Fehltritte“?
Doch schon sehr oft. Meistens nach krassen Tanzeinlagen, die bei mir häufig aus der Hüfte kommen. Man sagt ich bin der Argentinier in der Band.

Konzerttechnisch seid ihr seit Veröffentlichung von Holon:Hiberno ja unheimlich fleißig. Bleibt da noch Zeit für ein Privatleben?
Na klar. Obwohl wir den Zeitmehraufwandt durch die Band alle in unserem Studium zu spüren bekommen haben.

Wie geht es denn jetzt weiter? Was sind eure nächsten Ziele außer immer weiter zu touren?
Wir planen grad eine weitere kleine Veröffentlichung für November und versuchen ein Konzert ohne Loopstation auf die Beine zu stellen, in dem die Menschen, die auf dem Album mitgespielt haben, ihren Part live übernehmen.

Bevor wir zum Ende kommen gibt’s jetzt aber noch schnell unser traditionelles Wortspiel: Was fällt dir zu folgenden Bergriffen ein:

Rotwild: Ähh?
BP: Die bekommen glaub ich täglich 80000 Vorschläge oder so, wie man das Loch stopft.
Trueness: Wir sind truer als true.
Tour: Mit einigen wenigen anderen Sachen das beste, was man im Leben machen kann.
Balkon: Beat.
Sommer: Ich kenne sowohl ein Lied von den Monrose als auch von den Ramones, das davon handelt.
Metal1.info:ist gut.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen! Noch viel Erfolg bei den anstehenden Konzerten, die letzten Worte gehören dir.
Danke. Noch eins in Berlin und dann steht eine kleine Konzertpause an.

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