The Hirsch Effekt w/ Dankeschatz, John Wolfhooker

  • München, Backstage Club
  • 29. Oktober 2018

In steter Regelmäßigkeit begeistern THE HIRSCH EFFEKT mit ihren in jeder Hinsicht beeindruckenden Liveshows. Im Jahr 2018 steht das zehnjährige Bandjubiläum an – Ehrensache, dass es auch hierzu eine Tour gibt. Da kein neues Material vorliegt, präsentieren die drei Hannoveraner dabei ein besonderes Schmankerl: Auf den Konzerten im Herbst 2018 spielen sie sich chronologisch durch ihre vier Alben und die Fans durften vorab im Internet mitentscheiden, welche Songs gespielt werden. Ziemlich genau ein Jahr nach ihrem letzten Auftritt in München findet sich daher wieder eine große Anzahl an Fans im Backstage Club ein.

Alle, die zum auf der Homepage angegebenen Beginn um 20 Uhr an der Location eintreffen, haben den Opener JOHN WOLFHOOKER verpasst, die nach einer kurzfristigen Änderung schon um 19:30 Uhr angefangen haben. Warum die Veranstalter den eingängigen Alternative Metal der vier Polen vorverlegt haben, ist leider unklar.

Dafür betreten die beiden Jungs von DANKESCHATZ bereits um kurz vor 20:30 Uhr die Bühne und geben direkt Vollgas. Die unglaubliche Spielfreude der beiden zeigt sich sowohl im Dauergrinsen der beiden Musiker, ihrem mitreißenden Gestus als auch in den unterhaltsamen, sympathisch albernen Ansagen. Ihre Mischung aus breitbeinigem Rock und treibendem Punk ist – vor allem im Vergleich zum heutigen Headliner – erfrischend unverkopft und geht direkt in die Beine; zumindest theoretisch. Auch wenn der Applaus des Münchner Publikums mit jedem Song lauter und begeisterter wird, kommt leider nicht so wirklich Bewegung in den sehr gut gefüllten Backstage Club. Ihr knapp 40-minütiger Auftritt wird DANKESCHATZ allerdings vermutlich länger im Kopf des heutigen Publikums halten. Absolut zurecht.

Trotz drei Bands ist für den heutigen Montagabend daher ein relativ früher Auftritt von THE HIRSCH EFFEKT möglich. Zwar zieht sich die Umbaupause etwas, da der Perfektionismus der Band auch hier zutage tritt. Um 21:30 Uhr erlischt allerdings das Licht und düsteres Dröhnen kommt aus den Boxen. Als sich dieses in rhythmisches Piepen auflöst betritt die Band die Bühne und eröffnet mit „Zoetrop“ vom ersten Album „Holon : Hiberno“ ihre heutige Best-Of-Show. Zwar ist der Gitarrensound zu Beginn wie der Gesang etwas leise abgemischt, was das Publikum allerdings durch Textsicherheit wettmacht. Nachdem sich die Sound-Probleme schnell lösen, ist der Weg frei für eine beeindruckende Liveshow. Auf einem in der Mitte der Bühne platzierten Aufbau lösen THE HIRSCH EFFEKT zu einer perfekt auf die Musik abgestimmten Lichtchoreografie immer wieder Nebelschwaden aus.

Die Setlist zeichnet die Geschichte vom fast schon poppigen, verschrobenen Hardcore der drei „Holon“-Alben bis zum metallastigen Wahnsinn des aktuellen Albums „Eskapist“ nach. Dieser Aufbau wirkt so logisch, dass es fast schon beängstigend ist und spart auch eher selten berücksichtigte Songs nicht aus. Auf Ansagen verzichten THE HIRSCH EFFEKT weitestgehend und lassen Ihre technisch atemberaubende, schweißtreibende und energetische Performance für sich sprechen. Viel zu schnell verabschiedet sich die Band, um als Zugabe mit Nils an der Akustikgitarre und Ilja am Cello eine emotionale Version von „Datorie“ vom zweiten Album „Holon : Anamnesis“ hinzulegen. Das abschließende „Cotard“ von „Holon : Agnosie“ führt einen fabelhaften Abend zu einem würdigen Ende. In guter Tradition halten THE HIRSCH EFFEKT das Konzert nach dem letzten Song in Form eines Fotos fest, für das sie sich unter das Publikum mischen.

Egal wie oft THE HIRSCH EFFEKT in München spielen: Es kann kein schlechter Abend werden. Trotz des zu frühen Beginns zeigt das Bandpaket an diesem Abend alle Stärken. Der Headliner selbst weiß mit einer mitreißenden, speziellen Show nach anfänglichen Problemen bei nahezu perfektem Sound zu begeistern. Die Vorfreude auf das nächste Kapitel der Bandgeschichte wurde mit dieser Retrospektive definitiv weiter geschürt.

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