Bevor am Samstag das SAVE THE CORE FESTIVAL den Nürnberger Stadionpark zum Beben bringt, wird die „Lichtung“ vor dem Max-Morlock-Stadion schon mal eingeebnet: Mit STOMPER 98 im Schlepptau verwandeln die BROILERS das STADIONPARK OPEN AIR ins Erste von 14 „Broilers Open Airs 2026“. Dass es Donnerstag ist, merkt man ab der Einfahrt auf den Parkplatz nicht mehr: Während die einen noch Parkplatz-Party machen, ziehen die Fans in großen Scharen gen Parkplatz S1, der nun bereits den dritten Sommer in Folge zum Austragungsort der Konzertreihe STADIONPARK OPEN AIR umfunktioniert ist – stilecht mit reichhaltigem Essensangebot, Bierständen und Dixis (aber auch Spültoiletten).
Wer es pünktlich bis 18:30 Uhr auf das Areal geschafft hat, bekommt mit STOMPER 98 gleich einen entspannten Einstieg in den Abend: Die 1998 in Göttingen gegründete Band setzt seit jeher auf sehr genretypischen Streetpunk, in dem durch das Saxophon leichte Ska-Punk-Vibes mitschwingen. Sänger Sebi x Stomper hingegen ist der klassische Oi/Redskin: Martialisches Aussehen trifft auf ein Bärchen von Mensch – und Songs wie „Boots, Bier und Bomberjacken“ auf Ansagen wie „Seid lieb zueinander“. Anlass zur Sorge gibt es dafür keinen: So richtig rund geht es vor der Bühne eh noch nicht – das größere Gedränge herrscht vor den Bierständen.
Das ändert sich rapide, als um 19:30 Uhr zur Einstimmung in zunehmender Lautstärke „Bro Hymn“ (PENNYWISE), „Gotta Go“ (AGNOSTIC FRONT) und „If The Kids Are United“ (SHAM 69) aus den Boxen schallen. Als die BROILERS um 19:45 Uhr die Bühne stürmen, ist der Stadionpark mit rund 8.000 Fans nicht nur bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern vor der Bühne auch gleich Stimmung. Dafür sorgt nicht zuletzt, dass Fronter Sammy Amara gleich zu Beginn zwei Nürnberg-Anekdoten zum Besten gibt: Wie gern die Band in ihren Anfangsjahren im Hirsch als größtem Club der damaligen Touren gastiert habe – und wie er das Publikum bei ROCK IM PARK versehentlich mit „Hallo Nürburgring“ begrüßt habe.
Sofern es – was wahrscheinlich ist – eine Schnittmenge mit dem heutigen Publikum gibt, haben die Fans Amara offenkundig verziehen: Auf früh im Set platzierte Hits wie „Zurück zum Beton“, „Meine Familie“ oder „Paul der Hooligan“ gibt es reichlich Applaus, und spätestens ab der Anti-AfD-Hymne „Alice und Sarah“ (inklusive Regenbogen-Luftschlangen) gibt es vor der Bühne kein Halten mehr. Nun zeigt sich allerdings – wie schon in den vergangenen Jahren – schnell ein Nachteil des Areals: Wo vormals Gras war, ist nun nurmehr Staub – und der ist bald auch überall sonst: in der Luft, in der Nase, in den Augen, im Bier.
Dazu gesellt sich, dank einiger maximal-motivierter Fans mit Leuchtfackeln, bald auch echter Rauch. Wer sich daran jedoch stört, ist bei den BROILERS falsch – denn auch die Band selbst zündelt heute kräftig. Dass ausgerechnet Amaras eigenes Bengalo nur „pupst“, bringt den sonst so souveränen Fronter gänzlich aus dem Konzept – und dem Lachflash nahe. Umso kräftiger knallt es nach beachtlichen 2 Stunden und 15 Minuten und dem obligatorischen „Blume“ als Rausschmeißer beim kurzen, aber kraftvollen Abschlussfeuerwerk.
- Preludio Vanitas
- Zurück zum Beton
- Wo es hingeht
- Schwer verliebter Hooligan
- Meine Familie
- Gib das Schiff nicht auf!
- Paul der Hooligan
- In ein paar Jahren…
- Harter Weg (Go!)
- Lofi
- Wie weit wir gehen
- Alice und Sarah
- Die beste aller Zeiten
- Wenn du jetzt denkst / Anti, Anti, Anti / Dumm und glücklich / Nur die Nacht weiß / Heute schon gelebt
- Ihr da oben
- Nach Hause kommen / Zurück zu mir
- Ich brenn‘
- Cover-Medley (Hungry Heart/I’m So Excited)
- In 80 Tagen um die Welt
- 33 RPM
- Ist da jemand?
- Singe, seufze & saufe
— - Ruby Light & Dark
- Nicht alles endet irgendwann
- Nur nach vorne gehen
- Tanzt du noch einmal mit mir?
— - Cigarettes, Whiskey, And Wild, Wild Women (SONS-OF-THE-PIONEERS-Cover)
- Meine Sache
- Blume
Mit diesem Programm werden die BROILERS ihren Fans in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch 13 wundervolle Abende bescheren. Und auch die Zukunft der und mit den BROILERS scheint gesichert: In einem Halbsatz, ganz nebenbei, hat Amara den Fans ein neues Album versprochen. Das ist allerdings auch überfällig: „Puro Amor“ hat nun fünf Jahre auf dem Buckel und wartet damit bereits jetzt so lange wie kein anderes BROILERS-Album zuvor auf seinen Nachfolger. Also: Tour spielen, Studio entern, Album veröffentlichen. Und dann bitte: wiederkommen!




