Insomnium w/ My Grain, Before The Dawn

  • München, Kranhalle (Feierwerk)
  • 21. November 2011

Wer sich als Fan melodischen Death Metals bezeichnet, dürfte an den Finnen INSOMNIUM in den letzten Jahren nicht vorbei gekommen sein – hat das Quartett doch nicht nur erst unlängst mit „One For Sorrow“ sein fünftes Machwerk veröffentlicht, welches, wie eigentlich jeder seiner Vorgänger, durchweg positive Kritiken bekommt, sondern in den letzten Jahren auch diverse Male mit Bands wie Swallow The Sun, Ghost Brigade, Amorphis oder, auf ihrer ersten Tour, Satyricon Europa betourt. Nun stehen die gefeierten Finnen mit ihrer ersten Headlinertour vor einer ganz neuen Herausforderung – und meistern diese routiniert, wie der Abend in der nahezu ausverkauften Kranhalle des Münchner Feierwerks zeigt… doch dazu später mehr.

Zunächst gilt es, die Auftritte der beiden Vorbands MY GRAIN und BEFORE THE DAWN hinter sich zu bringen – und das ist durchaus so gemeint, wie es klingt, sind doch beide nicht eben das, was ich mir als perfekten Support einer Band wie INSOMNIUM vorstelle:

Den Anfang machen MY GRAIN, welche wie alle Bands des Abends aus Finnland stammen. Geboten wird hier jedoch, nicht so wirklich passend zum ansonsten Melodentod-lastigen Abend eher moderner Metal mit einem guten Schuss Metalcore.
Das Publikum scheint sich daran jedoch wenig zu stören, und so ist die Halle von Beginn an recht gut gefüllt. Was die Band an musikalischem Witz vermissen lässt, macht sie jedoch zumindest teilweise durch wirklich motiviertes Stageacting wett:
Hier wird geheadbangt und angefeuert, was das Zeug hält, so dass es wenig verwundert, dass nach einigen Songs auch im Publikum die Haare kreisen. Ein netter Einstieg, nach einer halben Stunde ist es dann aber auch wirklich wieder gut.
(Moritz Grütz)

Nach den eher am Metalcore orientierten My Grain sind deren finnische Landsleute von BEFORE THE DAWN an der Reihe. Die Reihenfolge der Bands scheint relativ geschickt gewählt zu sein:
Während die härteren My Grain sich zu Anfang wacker geschlagen hatten ohne absolut zu überzeugen, sind die etwas melodischeren und klassischer dem Scandinavian Metal zuzuordnenden BEFORE THE DAWN vor den sehr melodischen Insomnium sicher gut platziert. Ehe man sich versieht, ist bis vier gezählt und das Haupthaar der seitlich platzierten Saitenfraktion so sehr am wehen, dass man aus den hinteren Reihen außer Sänger Tuomas Saukkonen und den monoton gehaltenen Lichteffekten der Bühnenbeleuchtung kaum etwas sieht. Das Publikum goutiert den gebotenen Melodic Dark Metal durchaus mit viel Applaus, doch auf die Dauer von knapp 45 Minuten weiß die Band nicht wirklich zu überzeugen. Allzu oft werden hier relativ simple Riffs aneinander gereiht, die teilweise durchaus überzeugenden Melodien sind nur in einigen wenigen Augenblicken wahrzunehmen – wobei die zu basslastige Abmischung merklich den Spaß an der Sache verdirbt.
Vielleicht ist das aber auch nur ein eleganter Schachzug, um die Vorfreude auf den heutigen Headliner zu steigern. Das Publikum scheint letztlich allerdings überzeugt zu sein und dünnt erst gegen Ende der etwas zu langen Setlist aus.
(Bernhard Landkammer)

Für wen die Leute heute das Haus verlassen haben, steht bei alledem jedoch nie in Frage – und manifestiert sich in der Tatsache, dass der Vorraum der Konzerthalle wie ausgestorben daliegt, als INSOMNIUM um 22:30 zum wunderschönen Intro „Inertia“ vom neuen Album die Bühne betreten: Niemand will hier auch nur eine Sekunde verpassen…
Dabei hätte man eigentlich in der kompletten ersten Viertelstunde wenig verpasst, sieht man von den zumindest in der Theorie begeisternden Songs ab, mit denen INSOMNIUM in den Abend starten – ist der Sound doch derart schlecht, dass man neben der Double-Bass gar nicht mal mehr so viel hört. Band und Publikum lassen sich davon die Freude jedoch nicht nehmen, so dass dem Siegeszug der gefeierten Band aus Joensuu nichts mehr im Wege steht.
Dass das Set sich dabei größtenteils auf das unlängst veröffentlichte „One For Sorrow“-Album beruft, ist wenig überraschend – jedoch finden neben dem direkten Vorgänger „Across The Dark“ mit Stücken wie „The Elder“, „Killjoy“ oder „The Day It All Came Down“ auch die restlichen drei Alben Eingang in die Songauswahl. Dass die Band quasi zwischen den Finnland- und den Deutschland-Konzerten der Tour ihren Gitarristen gewechselt hat und nach einigen aus terminlichen Gründen mit einem Interims-Klampfer bestrittenen Shows heute zum ersten Mal der neu zur Band gestoßene Markus Vanhala (Omnium Gatherum) mit auf den Brettern steht, merkt man der Band zu keiner Sekunde an: Eingespielt und tight wie eh und je zocken sich die vier Skandinavier durch ihr Set, wobei Markus dem Rest der Band hinsichtlich Spielfreude in nichts nachsteht und kräftig herumposend keinen Zweifel daran lässt, dass er die richtige Besetzung für den Job ist.
Alle glücklich, alles gut? Nun, sagen wir… fast. Denn zwischen all den headbangenden, klatschenden und mitsingenden Fans steht ein Musikredakteur und fragt sich, was anders ist als die letzten fünf Male, die er INSOMNIUM bisher gesehen hat. Vielleicht liegt es am durch den Sound etwas verkorksten Einstieg, dass zumindest bei mir eigentlich erst bei der Zugabe so richtig Stimmung aufkommt, vielleicht an der im Interview angedeuteten, dezenten Katerstimmung der Band (auch wenn die Jungs diese, so überhaupt vorhanden, wirklich professionell zu kaschieren wissen), oder vielleicht auch einfach daran, dass man es nicht mehr mit der jungen, aufstrebenden Band zu tun hat, die als Support von Satyricon auf den Brettern stand, sondern mit einer 100%ig professionellen Truppe (Neben)berufs- musiker – Fakt ist: Die Band wirkt heute deutlich abgeklärter und weniger energiegeladen als beim diesbezüglich wirklich legendären letzten Auftritt der Band in München oder auch dem nicht nur aus Bandsicht beeindruckenden Gig auf dem letztjährigen Summer Breeze Open Air.

INSOMNIUM gehören auch 2011 noch mit zu den sympathischsten Bands, die man auf den Bühnen der Metalwelt antreffen kann – nicht zuletzt der drolligen deutschen Ansagen und des verschmitzten Grinsens von Sänger Niilo Sevänen wegen. Da „One For Sorrow“ zudem mit Tracks wie „Unsung“ wahre Live-Kracher zu bieten hat, ist diese Tour trotz der eigentlich verzichtbaren Vorbands Pflichtprogramm für Fans der Finnen – denn eines ist gewiss: Wenn es karrieretechnisch mit der Band so weitergeht, wird man nicht mehr so oft die Gelegenheit bekommen, für verhältnismäßig wenig Geld derart intimen INSOMNIUM-Klubshows in kleinem Rahmen beiwohnen zu können.
(Moritz Grütz)

Setlist Insomnium:
01. Inertia (Intro)
02. Through The Shadows
03. Only One Who Waits
04. Where The Last Wave Broke
05. The Killjoy
06. The Elder
07. Song Of The Blackest Bird
08. Down With The Sun
09. Unsung
10. The Day It All Came Down
11. Weighed Down With Sorrow

12. The Gale
13. Mortal Share
14. Every Hour Wounds
15. One for Sorrow

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