Cover-Artwork des Albums „A2Z²“ von A-Z

Review A-Z – A2Z²

Drei Jahre nach ihrem starken Erstwerk melden sich die Hard-Rocker A-Z um Sänger Ray Alder (FATES WARNING, ex-REDEMPTION) und Mark Zonder (WARLORD, ex-FATES WARNING) mit zehn neuen Songs zurück. Das Debüt überzeugte mit eingängigen Melodien, starkem Songwriting und charmanten Rückbezügen auf die Achtziger in Sachen Produktion und Sounddesign. A-Z war das Kunststück gelungen, Tradition und Moderne zusammenzubringen.
Ihr zugänglicher Hard Rock schaut über die engen Grenzen des Genres hinaus, hält unerwartete Wendungen parat und bietet dank virtuoser Soli und Schlagzeugarbeit genug Stoff, um auch für Freunde progressiver Klänge interessant zu sein.

Die Grundidee, melodische Hooks mit musikalischem Anspruch zusammenzubringen und mit einem möglichst großen Publikum kompatibel zu sein, gilt auch für den Zweitling „A2Z²“ – obwohl vom Line-up der ersten Platte neben Alder und Zonder nur noch Bassist Philip Bynoe übrig geblieben ist. Neu an Bord sind die Gitarristen Simone Mularoni (DGM) und Nick van Dyk sowie Keyboarder Jimmy Waldo. Und so geht es bei A-Z jetzt schon beinahe familiär zu. Schließlich war Ray Alder lange Jahre Sänger bei Nick van Dyks Band REDEMPTION, während Mark Zonder bereits mit Jimmy Waldo und Philip Bynoe bei WARLORD spielt.

Warum so ausführlich auf diese Besetzungswechsel eingehen? Weil sie „A2Z²“ dann doch anders klingen lassen als den Vorgänger. „A2Z²“ ist härter und düsterer ausgefallen und schielt mit zahlreichen technischen Gitarrensoli deutlich Richtung Prog Metal. Hier ist der Einfluss der beiden neuen Gitarristen sofort herauszuhören. Von den charmanten 80er-Jahre-Referenzen sind nur noch die hin und wieder auftauchenden E-Drums übrig geblieben. Die Produktion wirkt kraftvoll und modern, die auf dem Erstling ziemlich präsenten Keyboards spielen im Grunde keine Rolle mehr.

Damit haben A-Z alle Weichen gestellt, um ein potenziell noch größeres und vor allem jüngeres Publikum zu erreichen. Ob der Plan aufgeht, bleibt abzuwarten.
Was auf dem Papier gut klingt, hat jedoch hörbare Folgen für die Songs auf „A2Z²“ – denn sie klingen fast alle gleich. Harte Riffs, melodische Refrains und Hochgeschwindigkeitssoli an den Gitarren reichen leider nicht aus, um über die gesamte Spieldauer von 50 Minuten zu überzeugen. Erst recht dann nicht, wenn die Hörer*innen nach wenigen Songs schon wissen, wann das Solo kommt – und es dann immer ähnlich klingt. Das ist sehr schade, denn das Debüt wirkte insgesamt farbenfroher und variantenreicher, wurde nicht so sehr von den Gitarren dominiert und stilistisch in die Enge gezwängt. Daran kann auch ein so starker Sänger wie Ray Alder nichts ändern.
Ausnahmen gibt es natürlich: „A Wordless Prison“, „This Chaotic Symphony“ und „Now I Walk Away“ starten ruhiger, nehmen sich etwas Zeit für interessantere Strukturen und den Aufbau von Atmosphäre. Hier offenbaren die Musiker ihr wahres Potenzial.

Mit modernerem und härterem Sound schielen A-Z mehr denn je auf Erfolg, klingen jetzt weniger nach AOR und eher wie eine Light-Variante von REDEMPTION. Wer die Band von Nick van Dyk mit Ray Alder am Mikro mochte, sollte in „A2Z²“ reinhören. Die Schlagzeug- und Gitarrenarbeit ist durchweg beeindruckend, die Refrains sind eingängig, manchmal aber ein Stück zu sehr auf Massentauglichkeit getrimmt. Ihre Halbwertszeit muss sich erst noch herausstellen. Das Coverartwork hingegen überzeugt mit einer originellen Umsetzung des Bandnamens – eine gelungene Fortsetzung der Idee der letzten Scheibe, die noch von Apfel und Zebra verziert war.

In Bezug auf Songwriting und Können sind A-Z ein wenig mit TOTO vergleichbar: Sie sind grandiose Musiker, die Songs für die breite Masse schreiben. Sie lassen ihr Potenzial an jeder Ecke aufblitzen, halten es aber absichtlich zurück, um nicht damit abzuschrecken. Das ist schade, aber eine bewusste Entscheidung. „A2Z²“ ist nett, hinterlässt aber deutlich weniger Eindruck als das Debüt.

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Wertung: 6.5 / 10

Publiziert am von Sebastian Mack

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