CD-Review: Árstíðir lífsins - Saga Á Tveim Tungum I: Vápn Ok Við

Besetzung

Marsél – Gesang
Stefán – Gitarre, Bass, Gesang
Árni – Schlagzeug, Streichinstrumente, Effekte, Gesang

Tracklist

01. Fornjóts Synir Ljótir At Haddingja Lands Lynláðum
02. Sundvǫrpuðir Ok Áraþytr
03. Morðbál Á Flugi Ok Klofin Mundriða Hjól
04. Líf Á Milli Hveinandi Bloðkerta
05. Stǫng Óð Gylld Fyr Gǫngum Ræfi
06. Siðar Heilags Brá Sólar Ljósi
07. Vandar Jǫtunn Reisti Fiska Upp Af Vǫtnum
08. Fregit Hefk Satt
09. Haldi Oss Frá Eldi, Eilífr Skapa Deilir


Bei isländischem Black Metal denken viele wohl zuallererst an den chaotischen, dissonanten Stil dort beheimateter Bands wie Svartidauði oder den hochgelobten Newcomern Kaleikr. Die schwarzmetallische Szene des nordwesteuropäischen Inselstaates hat allerdings auch andere Variationen der besagten Musikrichtung in petto – zum Beispiel den heidnisch ausgerichteten Black Metal von ÁRSTÍÐIR LÍFSINS. Waren schon die ersten drei Platten des Trios aufgrund ihrer opulenten Spielzeit alles andere als leicht verdauliche Kost, so leben ÁRSTÍÐIR LÍFSINS ihre Vorliebe für ausschweifende Kompositionen auf Album Nummer vier nun vollends aus. „Saga Á Tveim Tungum I: Vápn Ok Við“ nimmt satte 70 Minuten für sich in Anspruch und ist doch bloß die erste Hälfte eines Doppelalbums, dessen zweiter Teil „Saga Á Tveim Tungum II: Eigi Fjǫll Né Firðir“ noch im selben Jahr erscheinen soll.

Thematisch setzen sich ÁRSTÍÐIR LÍFSINS auf dem Nachfolgewerk von „Aldafǫðr Ok Munka Dróttinn“ wie gewohnt mit nordischer Geschichte auseinander, diesmal im Speziellen mit dem gewaltsamen Aufstieg des norwegischen Königs Óláfr Helgi Haraldsson im frühen 11. Jahrhundert. Für historisch Interessierte, die des Isländischen mächtig sind, ist das Konzept somit gewiss ein großer Pluspunkt, alle anderen müssen sich wohl oder übel mit der Musik selbst zufriedengeben. Von übel kann hier jedoch keineswegs die Rede sein, da ÁRSTÍÐIR LÍFSINS ihre charakteristischen Stärken einmal mehr in vollem Umfang ausspielen.

In seiner Gesangsperformance zeigt sich Fronter Marsél ebenso vielseitig wie zuletzt auf Helrunars „Vanitas Vanitatvm“: Im Verlauf des Albums gibt der begnadete Sänger grimmige Screams, stimmgewaltige Growls, geheimniskrämerisches Geflüster, erzählerische Sprechpassagen und tief grollenden Chorgesang, dem die Pagan-Metaller mit „Siðar Heilags Brá Sólar Ljósi“ sogar einen ganzen Track überlassen, zum Besten. Ihre Instrumente spielen ÁRSTÍÐIR LÍFSINS im klassischen Black-Metal-Stil der Second-Wave. Gewollt monotone, frostzerfressene Riffwände treffen auf unermüdlich tobendes, von Blast-Beats dominiertes Drumming, nur gelegentlich unterbrochen oder begleitet von scharrenden, bedrückenden Streichern und Akustikgitarren.

Bedeutend moderner als die fast schon nostalgisch machenden Kompositionen ist auf „Saga Á Tveim Tungum I: Vápn Ok Við“ die Produktion ausgefallen, wodurch die Musik druckvoll und definiert aus den Boxen donnert. Was ÁRSTÍÐIR LÍFSINS auf ihrem vierten Full-Length-Release allerdings nicht ganz hinkriegen, wie es auch auf ihren früheren Alben mitunter bereits der Fall war, ist das Schreiben einprägsamer, herausragender Einzelsongs. Demnach ist die Platte zwar von vorne bis hinten stark und darüberhinaus abwechslungsreich genug, um keine Langeweile oder Durchhänger aufkommen zu lassen, man vermisst jedoch den einen oder anderen Höhepunkt, anhand derer man die Tracks auseinanderhalten könnte.

Letztlich ist bei ÁRSTÍÐIR LÍFSINS auch im Jahr 2019 noch alles beim Alten – und nicht bloß der lyrischen und musikalischen Ausrichtung wegen. Die isländisch-deutsche Truppe erfindet sich auf „Saga Á Tveim Tungum I: Vápn Ok Við“ nicht neu, sondern vertont ihre Geschichtsstunde wie zuvor in Form von machtvollem Black Metal mit unaufdringlichen Folk-Einsprengseln. Ihre kreativen Reserven haben ÁRSTÍÐIR LÍFSINS, wie etwa die gänzlich von den bedeutungsschweren Männerchören getragenen Stücke zeigen, zwar noch lange nicht aufgebraucht, dennoch hätte es der Platte nicht geschadet, hätte das Trio ein bis zwei Nummern ausgespart und die Highlights stattdessen deutlicher herausgearbeitet. Fans der Band und von anspruchsvollem Pagan Metal im Allgemeinen werden hiermit jedoch gewiss zufrieden sein.

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Bewertung: 7.5 / 10

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