Review Dimmu Borgir – Stormblåst MMV (Re-Record 2005)

  • Label: Nuclear Blast
  • Veröffentlicht: 2005
  • Spielart: Black Metal

Wer um die Jahrtausendwende mit dem Schaffen der norwegischen (ehemaligen) Black-Metaller DIMMU BORGIR in Kontakt kam, der konnte nicht zwangsläufig wissen, von welchem immensen Einfluss deren erste Veröffentlichungen waren. „For All Tid“ und „Stormblåst“ krempelten nicht nur den Black Metal als solchen ein Stück weit um, sie liefen als Teil der „zweiten Welle des Black Metal“ dem damals schon recht populären Death Metal auch ein Stück weit den Rang ab.

Ende der Neunzigerjahre kam aber auch für DIMMU BORGIR der Wechsel in „gefälligere“ Gefilde. Spätestens „Enthrone Darkness Triumphant“ markierte für die Norweger den Schritt auf den kommerziellen Markt. Die Band wurde moderner, öffnete sich anderen Einflüssen – insbesondere jedoch orchestraler Epik – und entfernte sich damit auch vom rauen, ungezügelten Geist ihrer frühen Jahre. Als die Formation nach den starken Alben „Puritanical Euphoric Misanthropia“ und „Death Cult Armageddon“ ein komplettes Remake ihres Schwergewichts „Stormblåst“ ankündigte, war Skepsis nicht einmal unberechtigt. Zumindest bis zum Ende des ersten Durchlaufs.

Die beiden Schlüsselfiguren Shagrath und Silenoz stellten sich für die Wiederbelebung ihres Klassikers mit Peter Tägtgren eine absolute Produzentengröße an die Seite. Ein kleiner Nachteil für „Stormblåst MMV“ könnte sein, dass das Album ein wenig klingt, als hätten HYPOCRISY DIMMU BORGIR gespielt. Ansonsten ist das Remake in Sachen Sound viel breitwandiger geraten. Die Gitarren stehen auf dieser Variante der Platte definitiv im Vordergrund. So kommen erstmals die vielseitigen Melodie-Layer transparent zur Geltung, und das ist schön. Nummern wie „Alt Lys Er Svunnet Hen“ und „Broderskapets Ring“ können durch diesen Schritt ihr volles Potenzial ausschöpfen. Das Original krankt hingegen etwas daran, dass die Gitarrenarrangements relativ weit im Hintergrund stehen, während die Keys ein wenig überambitioniert sind.

Apropos Keyboards: Nicht nur haben es DIMMU BORGIR bei allen Songs geschafft, die Tastenarrangements homogener in die Titel einzuflechten. Sie haben mit „Sorgens Kammer (Del II)“ auch einen Lapsus ausgeräumt: Das originale Instrumental „Sorgens Kammer“ wurde anno 1996 der unrechtmäßigen Verwendung entlarvt – es ist ein Plagiat einer Videospiel-Komposition. Herausgekommen ist dadurch ein Song, der zwischen Moderne und den eigenen Wurzeln einen sehr eleganten Mittelweg nimmt. Dass es Shagrath und Silenoz mit dem „Stormblåst“-Original sehr ernst meinen, zeigt sich zudem an der Tatsache, dass an den enthaltenen Songs der neuen Version kaum etwas verändert wurde. Lediglich bei den Details (zum Beispiel einem Chor auf „Da Den Kristne Satte Livet Til“ oder einer Leadgitarre statt dem Bass auf „Stormblåst“) wurden ein paar Stellschrauben gedreht.

Die Kehrseite: „Stormblåst MMV“ mag druckvoll, gut ausbalanciert und klanglich gänzlich in der Moderne angekommen sein: Der Gesang ist anders, aber passend, Gitarren und Drums kräftig, das Album selbst technisch einwandfrei und die kleinen neuen Details sind durchaus stimmig. Doch was fehlt, ist einfach der raue ursprüngliche Charme von „Vinder Fra En Ensom Grav“ oder die dezente Melancholie des originalen „Alt Lys Er Svunnet Hen“. In gewisser Weise ist „Stormblåst MMV“ nicht nur ein Remake, es ist auch ein Statement. Das Album zeigt die Kraft, die ein moderner, frischer Klang und Detailverliebtheit mit sich bringen können. Aber es ist auch die klare Ansage: 1996 ist (und war 2005 schon) sehr lange her. Der große Vorteil: Beide Versionen haben ihre eigenen Stärken. Man braucht sich also nur noch zu entscheiden, auf welcher Seite der Vergangenheit man stehen will.

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Wertung: 8.5 / 10

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4 Kommentare zu “Dimmu Borgir – Stormblåst MMV (Re-Record 2005)

  1. Absoluter Schrott! Wer auch nur ansatzweise mit diesem glattgebügelten Mist etwas anfangen kann und das auch noch empfiehlt, der hat in Sachen 90er Black Metal Vibe eigentlich keine Ahnung! Ein völlig unnötiges, geldgeiles Output, wie man es von der Band und dem Label seit Enthroned aber auch nicht anders gewohnt ist. Schaut euch nur das „neue“ Logo an, langweiliger gehts nicht und genau so klingt auch dieses unnötige Remake. Deckel hoch und runterspühlen!

    1. Hallo Draco,

      immerhin hat die Band eine Reaktion bei dir erreicht. Der Re-Record war schon immer hart diskutiert und beide Lager haben ihre Standpunkte. Das ist Subjektivität. Nicht Ahnungslosigkeit.

      Das Gute an der Sache: es gibt das Album zweimal. Die Aufregung endet also da, wo man sich für seine Lieblingsversion entscheidet.

      Danke für deinen Kommentar.
      Philipp | Metal1.info

  2. Ich oute mich Mal als Freund der Neuaufnahme, auch wenn man das im erhabenen Kreis des Black Metal-Zirkels eigentlich nicht sein darf. Ich mag das original, bin aber mit dem Sound nie ganz zufrieden gewesen, halte insgesamt auch das Debüt für das atmosphärisch bessere Album. Ein wenig mehr fuzz und Echo wie beim Covenant-Debüt hätte es da für mich dann deutlich mehr gebracht.

    Naja, die Neuaufnahme besticht durch eine saubere Aufnahme, die diverse Nuancen deutlicher hervorkommen lässt. Der Gesang klingt einfach mehr nach Dimmu Borgir ab Enthroned… und schafft damit mehr Kohärenz zu den neueren Sachen, was ich grundsätzlich nicht verkehrt finde. Aber die Ecken und Kanten fehlen hier leider ein wenig, auch wenn die Abyss-Produktion alles andere als perfekt ist. In der Retrospektive wirken einige Platten aus Tägtgrens Studio schlecht gealtert, hier geht es aber.

    Letztendlich sind beide Versionen nicht das gelbe vom Ei, daher stehen am Ende beide bei mir recht gleichberechtigt in ihrer Historie.

    1. Hey Winterpercht,

      danke für deinen Kommentar. Ich schließe mich dem absolut an. Beide Scheiben sind charmant auf Grundlage ihrer Stärken und ihrer Schwächen. Wenn man also die konservativen Black-Metal-Kreise mit dem Bekenntnis zum Remake ein wenig vor den Kopf stößt, dann mit allem Recht.

      Schlussendlich ist ein Remake von Klassikern immer ein absolutes Risiko. Hier kann man sagen, das HÄTTE auch richtig in die Hose gehen können.

      Liebe Grüße und einen guten Rutsch.
      Philipp | M1

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