Dimmu Borgir Stormblast 1996 Albumcover

Review Dimmu Borgir – Stormblåst

  • Label: Cacophonous
  • Veröffentlicht: 1996
  • Spielart: Black Metal

Anno 2026 sind DIMMU BORGIR einer der bekanntesten Namen im Black bzw. extremen Metal und stehen gar bei den größten Festivals Europas ganz weit oben auf den Billings. Musikalisch hat sich seit den Anfängen vor über 30 Jahren sehr viel getan – mit dem heutigen Sound hat das 1996er Zweitwerk „Stormblåst“ kaum mehr etwas gemein. Was bereits hier an spätere Werke erinnert, sind der Hang zu symphonischen Klängen und das im Kern für schwarzmetallische Verhältnisse mainstreamige Songwriting.

Dass Black Metal nicht nur möglichst minimalistisch, roh und aggressiv sein muss, war auch Mitte der 90er schon in der Szene angekommen. EMPEROR haben 1994 auf „In The Nightside Eclipse“ Keyboards und berührende Melodien wie keine Black-Metal-Band zuvor in den aggressiven, hasserfüllten Sound eingewebt. DIMMU BORGIR interpretieren und priorisieren die Keyboards auf „Stormblåst“ jedoch nochmal ganz anders, nämlich nicht als ergänzendes, sondern als tragendes und taktgebendes Element. Doch nicht nur das war ein Affront für Gatekeeper: Die klaren Strukturen, die Eingängigkeit und der Wiedererkennungswert der Songs widersprachen dem Untergrundgedanken der Subkultur.

Bereits der Opener „Alt Lys Er Svunnet Hen“ beginnt mit einem verträumten und melancholischen Keyboardintro – das basiert übrigens mehr als nur ein bisschen auf dem MAGNUM-Song „Sacred Hour“ von 1982 und fehlt in der 2005er Neuaufnahme komplett. Der wohl noch bekanntere Plagiatsfall des Albums ist „Sorgens Kammer“, ein melancholisches, erhabenes und zugleich leises Pianostück, das sich wunderbar in den Verlauf der Platte einfügt – aber vom Amiga-Spiel „Agony“ geklaut wurde. Keyboarder Stian Aarstad hat seine modifizierte Version des Pianotracks den Bandmitgliedern als „Sorgens Kammer“ vorgespielt. Die wussten nichts vom Original und dem geistigen Diebstahl, bis Komponist Tim Wright sich selbst bei der Band meldete. In der Folge wurde das Stück auf „Stormblåst 2005“ durch einen komplett neuen Track ersetzt.

Abseits der Plagiate zeigten DIMMU BORGIR vor allem, dass Black Metal kalt und roh einerseits und zugleich melancholisch und hochmelodisch andererseits sein kann. Im Kern ist „Stormblåst“ durch seine riffzentrierte Gitarrenarbeit und die klaren Strukturen sogar mehr im klassischen Heavy Metal verwurzelt, als Black-Metal-Puristen es zugeben möchten. Die Riffs von Songs wie „Broderskapets Ring“ funktionieren isoliert ähnlich wie IRON-MAIDEN-Riffs. Das ist kompositorisch weder monoton noch chaotisch, sondern stets durchdacht: Die Riffs und Harmonien tragen die Songs. Rein musikalisch und kompositorisch kann „Stormblåst“ also durchaus als Heavy-Metal-Album bezeichnet werden – wohl einer der Gründe, warum DIMMU BORGIR schon Ende der 90er viele Fans hatten, die ansonsten herzlich wenig mit Black Metal am Hut hatten.

Ästhetisch, atmosphärisch und thematisch freilich ist „Stormblåst“ klar im Black Metal zu verorten: Die eisige Kälte weht wie ein Blizzard durch die gesamten 49 Minuten. Dazu passt auch das kehlige Kreischen von Silenoz – er stellt sich und seinen Gesang nicht in den Vordergrund, sondern fügt sich zweckdienlich in die eiskalte Landschaft mit ein. In der weitgehend drucklosen Produktion spielt der Gesang hinter dem dichten Keyboardteppich oft sogar nur die zweite Geige und ist auffällig oft leiser abgemischt. Silenoz fungiert auf „Stormblåst“ nicht wie ein Frontmann, sondern ist ein zurückgenommener, funktionaler Teil der Atmosphäre. Dass er hier – im Gegensatz zu Shagrath auf den folgenden Alben – komplett auf Norwegisch sang, ist der frostigen Atmosphäre nur zuträglich.

Bevor DIMMU BORGIR mit „Enthrone Darkness Triumphant“ (1997) professioneller sowie kommerzieller ausgerichtet wurden und ihren Sound mehr und mehr wandelten, haben die Norweger mit „Stormblåst“ ein bemerkenswertes und bedeutendes Album geschaffen. Das gefiel und gefällt nach wie vor nicht allen Black-Metal-Fans – wer sich als DIMMU-BORGIR-Hörer outete, durfte sich schon damals ein abfälliges „Oh je, der nächste auf dem falschen Pfad“ von Szenewächtern anhören. „Stormblåst“ ist jedoch trotz und wegen seiner Andersartigkeit und Schwächen ein wegweisendes Album, das zu Recht Kultstatus genießt.

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Wertung: 8.5 / 10

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2 Kommentare zu “Dimmu Borgir – Stormblåst

  1. Kann ich so nicht ganz stehen lassen, sorry.
    Die Lead Vocals auf dem Album liefert hier Silenoz, genau so auch auf dem rerecording. Shagrath unterstützt hier und da mal und hat ein paar Lines, mehr aber nicht.

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