ESC-Vorentscheid mit „Knightclub“ bei Stefan Raab, RTL-Auftritte vor einem Millionenpublikum, Hodi schneidet sich seine lange Mähne ab: Das war ein wilder Frühling für FEUERSCHWANZ. Mit der Teilnahme am Eurovision Song Contest hat es bekannterweise nicht geklappt, das ist beim wilden Ritt der letzten fünf Jahre am Ende aber nur eine kleine Unebenheit im steilen Aufstieg für FEUERSCHWANZ. Viel bedeutsamer als eine potenzielle ESC-Teilnahme ist selbstredend die mediale Aufmerksamkeit, die FEUERSCHWANZ dadurch auch außerhalb der Szene generiert haben.
Der Titeltrack als Opener beweist sich als perfekter Stellvertreter der modernen FEUERSCHWANZ und der anhaltend steilen Erfolgskurve seit 2020: In bester Malle-Manier wird „Knightclub“ ohne Intro mit dem schmetternden Refrain eröffnet, ein pumpender Beat treibt den mitreißenden Power-Metal-Song mit zarten Folk-Elementen unablässig nach vorne. Jede Melodielinie, jedes Riff geht direkt ins Blut über, der Refrain ist bestes Festival-Party-Mitmach-Material. Der kurze Rap-Beitrag von Dag von SDP zeigt dabei zwar, dass FEUERSCHWANZ anno 2025 nicht mehr provozieren müssen, weil solche Parts ganz natürlich in die Songs einfließen – ein bisschen bewusste Provokation gönnt sich die einstige Mittelalter-Comedy-Truppe aber dennoch gerne nach wie vor. Das Cover des K-Pop-Welthits „Gangnam Style“ von Psy fällt selbstredend ebenfalls in die Kategorie Provokation/Aufmerksamkeit, passt aber gleichermaßen zur FEUERSCHWANZ-Vergangenheit wie auch in die Gegenwart.
Zwei weitere Features haben es auf das Album geschafft: Das schon seit 2024 bekannte, melancholisch angehauchte „Lords Of Fyre“ mit LORD OF THE LOST und „Valhalla“ mit Doro Pesch. Mag diese Kombo unerwartet sein und im ersten Moment seltsam erscheinen, funktioniert das ausgesprochen gut und wenn Hodi und Doro von „Vikings and Viqueens“ singen, trieft das nicht nur vor epischem Pathos, sondern geht gemäß des feuerschwänzischen Erfolgsrezeptes megaschnell ins Gehör.
Das ist des Weiteren bei den meisten Songs der Fall. Das an SUBWAY TO SALLY erinnernde „Name der Rose“, das schmissig-treibende „Tanz der Teufel“ oder der nach „Uruk-Hai“ und „Rohirrim“ nächste Mittelerde-bezogene Song „Sam The Brave“ schaffen es mit leichter Melancholie und vielen hochtrabenden, pathetischen Melodien und Gesängen zu überzeugen. Ganz ohne Gaudi funktioniert etwa „Testament“, auch hier zeigen FEUERSCHWANZ ihre ernste und nachdenkliche Seite und verpacken das in einen schnörkellosen, direkten Folk-Metal-Kracher. Ausfälle gibt es insgesamt keine, etwas seltsam mutet jedoch manchmal der Deutsch-Englisch-Wechsel innerhalb der Songs an: Neben dem Titeltrack wird das Sprachkuddelmuddel auch bei „Eisenfaust“ praktiziert.
Dass „Knightclub“ das dritte Nummer-eins-Album der mittelalterlichen Franken nach „Memento Mori“ und „Fegefeuer“ werden wird, daran besteht kaum ein Zweifel. Qualitativ konnten FEUERSCHWANZ im Vergleich zu „Fegefeuer“ sogar einen drauflegen. Die neue Platte wirkt aufgeräumter und besser strukturiert, mehr wie ein konsistentes, zusammenhängendes Album. „Knightclub“ bietet von krachendem, beatgetriebenem Power Metal über eingängige Melodien, catchy Refrains und bester Unterhaltung gepaart mit melancholischen Tönen alle Trademarks der aktuellen FEUERSCHWANZ-Phase und ist damit ein überzeugendes Album geworden. FEUERSCHWANZ untermauern mit erwachsenem und selbstbewusstem Auftreten ihren hart erarbeiteten Festival-Headliner-Status und die Spitzenposition der modernen Folk-Metal-Szene. Dass inzwischen auch das internationale Publikum mehr und mehr auf den FEUERSCHWANZ-Hypetrain aufspringt, ist mehr als gerechtfertigt.
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Wertung: 8.5 / 10

