Interview mit Hauptmann Feuerschwanz von Feuerschwanz

2025 war für FEUERSCHWANZ mal wieder ein wildes Jahr: Neben der Teilnahme am ESC-Vorentscheid und verstärktem internationalen Auftreten steht mit „Knightclub“ bereits das zwölfte Album in den Startlöchern. Mit Hauptmann Feuerschwanz sprechen wir neben diesen Themen auch über die Bibel des Fantasy, tiefgehende Messages und die Transformation von der einstigen Blödelbande zum Festival-Headliner.

Cover Artwork des Albums Knightclub der Band FeuerschwanzHallo Hauptmann, „Knightclub“ ist euer zwölftes Album, aber das erste mit englischem Titel. Warum habt ihr euch erstmals für einen englischen Titel entschieden?
Seit „Das elfte Gebot“ haben wir mehr und mehr internationales Publikum hinzugewonnen. Wir haben auch ein Coveralbum veröffentlicht und da guten Zuspruch bekommen. „Knightclub“ ist die logische Konsequenz, auch unsere englischsprachigen Fans ein bisschen zu beglücken. Aber ich denke, wir haben eine gute Mischung von deutschen Texten und englischen Hooklines auf „Knightclub“ rausgehauen und bin sehr gespannt, wie es ankommen wird.

Durch die Teilnahme am ESC-Vorentscheid habt ihr euch einem ganz anderen und größeren Publikum außerhalb der Szene präsentiert. Was hat sich für euch durch diesen Auftritt verändert in der öffentlichen Wahrnehmung und vielleicht auch im Inneren der Band?
Es war ein großes Abenteuer zum ESC-Ausscheid zu kommen und wir haben da tatsächlich neue Sphären entdeckt. Wir sind von einer ganz anderen Presse wahrgenommen worden und für uns ist es ja schon ein Riesenerfolg, dass der Name FEUERSCHWANZ jetzt ganz normal von den Lippen von so manchen Journalisten kommt und ein ganz normaler Bandname geworden ist. Das freut uns sehr. Ich denke, dass wir die weiteren Schritte, was das für FEUERSCHWANZ bedeuten kann, erst noch ein bisschen abwarten müssen. Für „Knightclub“ hat es auf jeden Fall bedeutet, dass der Song selbst sehr, sehr gut geklickt wurde und eine gut wahrgenommen wurde.

Wie kam es ursprünglich zur Idee, überhaupt bei diesem Wettbewerb mitzumachen, auch wenn schon öfter Metalbands im Vorentscheid dabei waren? Das ist ja doch eine wilde Nummer.
Ursprünglich hatte unser Gitarrist Hans die Idee, uns anzumelden und dann ging das in einer Nacht- und Nebelaktion vonstatten und wir hatten eigentlich überhaupt nicht mehr damit gerechnet, dass wir irgendetwas von dieser Anmeldung hören werden. Und dann war es auf unserer Europa-Tour im schönen Mailand, als bei Hans das Telefon klingelte und die Redaktion von Stefan Raab dran war und sie uns nach Köln einlud. Das war dann schon eine Überraschung.

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Verfolgt ihr das ESC-Thema noch weiter oder war das für euch ein einmaliges Experiment mit Haken dran?
Wenn etwas in der Showbranche feststeht, dann „Sag niemals nie“. Aber andererseits haben wir uns jetzt voll reingehängt in diesem Jahr und ich würde sagen, es sieht erst mal nicht danach aus, dass es eine Wiederholung gibt.

Feuerschwanz Hauptmann 2025
© Stefan Heilemann

Auf „Knightclub“ finden sich viele englischsprachige Elemente, gerade nach dem komplett englischen Album Warriors. Hat euch die internationale Bühne auf den Geschmack gebracht?
Ja, absolut. Die guten Rückmeldungen vom Album „Warriors“ haben uns den Mut gegeben, auf weitere englische Hooklines einzubauen und „Knightclub“ kommt wirklich sehr gut an bei den Fans. Natürlich sind wir eine deutschsprachige Band und wollen das auch bleiben, möchten aber auch eine Brücke bauen ins englischsprachige Ausland. Aber wir sind sehr gespannt, wie „Knightclub“ ankommen wird und letztlich entscheidet bei FEUERSCHWANZ die Energie auf der Bühne.

Spürt ihr verstärkt Resonanz aus anderen Ländern, zum Beispiel durch neue Fans außerhalb des deutschsprachigen Raums?
Ja, wir haben seit zwei, drei Jahren angefangen auf Festivals in Europa zu spielen und haben jetzt eine eigene Europatour im letzten Jahr gespielt. Also, Step by Step kommen da schon sehr, sehr gute Rückmeldungen zustande. Natürlich ist das auch ein Aufbauthema und wir haben dieses Jahr zum Beispiel zum ersten Mal in England gespielt und haben eine super sympathische Rückmeldung bekommen. FEUERSCHWANZ ist definitiv ein Thema fürs Ausland und das spüren wir auch.

„Knightclub“ wirkt aufgeräumter und klarer strukturiert als das teilweise vielleicht etwas chaotische Fegefeuer. Was habt ihr seitdem und für euer neues Album bewusst anders gemacht und weiterentwickelt?
Beim Album „Knightclub“ haben wir uns gleich am Anfang mal hingesetzt und große Titel aufgeschrieben. Also, alles was uns eingefallen ist an großen, großartig klingenden Titeln haben wir erst mal zusammengeschrieben und teilweise eben daraus schon Songs kreiert. Da waren zum Beispiel auch „Valhalla“ oder „Avalon“ dabei.

Und das ist jetzt spannend, dass du da in der Frage „aufgeräumter und strukturiert“ sagst. „Knightclub“ ist auf jeden Fall unser Party-Song des Albums und es ist eine Weiterentwicklung von „Berzerkermode“ und ich denke auch, dass das alles noch einmal aufgeräumter und strukturierter geworden ist seit „Fegefeuer“. Ich komme dadurch mit der Rückmeldung sehr gut klar.

Bei „Valhalla“ habt ihr mit DORO eine echte Metal-Legende ins Boot geholt. Wie kam die Zusammenarbeit mit ihr zustande und was bedeutet sie euch als Band?
Hans und ich sind ja noch wirklich leibhaftige DORO-Fans der 80er Jahre und für „Valhalla“ suchten wir eine true Sängerin, die die Power dieses Songs gut rüberbringen kann Dass DORO sich wirklich schnell dazu bereit erklärt hat, den Song mitzusingen und den Song richtig geil fand, hat uns mega gefreut. Wir waren schon ein bisschen aufgeregt, sie dann am Set begrüßen zu dürfen, aber sie ist so freundlich und als Künstlerin pflegeleicht, dass das schon auf mich eine so große Vorbildfunktion hatte, sie da beim Arbeiten mit ihr zusammenarbeiten zu dürfen. Das unkomplizierte Teamwork hat super funktioniert.

Feuerschwanz Band 2025
© Stefan Heilemann

„Sam The Brave“ ist ein Song über Samweis Gamdschie, den heimlichen Helden Mittelerdes. Warum habt ihr euch ausgerechnet ihm gewidmet und was können wir von Sams Mut lernen?
„Sam The Brave“ ist denen gewidmet, die im Hintergrund stehen, die freundschaftlich unterstützend da sind. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und des Wandels und Stabilität ist ein wichtiger Punkt in unserer Welt. „Sam The Brave“ steht für stabiles, loyales Verhalten Freunden gegenüber und da haben wir ihm einfach ein Denkmal gesetzt mit seiner Art, hinter den Kulissen tätig zu sein für seine Freunde.

Nach „Rohirrim“ und „Uruk-hai“ sind „Herr der Ringe“-Songs schon sowas wie ein Markenzeichen von euch. Was fasziniert euch persönlich an „Herr der Ringe“? Warum funktioniert diese Fantasywelt auch nach Jahrzehnten immer noch so gut als Inspirationsquelle?
Für uns ist „Herr der Ringe“ nach wie vor fast schon eine Bibel, die Bibel des Fantasy, und bei uns ist es immer wieder ein Ereignis, wenn wir daraus einen Song kreieren können. Das funktioniert so gut, weil es eine zeitlose Fantasywelt ist, die sehr, sehr gut durchdacht ist. Dadurch beziehen sich im Grunde alle auf diese Fantasywelt und es sozusagen der Ursprung, der Urknall der Fantasy war und für uns waren das die wichtigen Jahre, die Jugendjahre des Fantasy-Nerdtums. Darum wird Tolkiens Welt immer der Mittelpunkt bleiben in unseren Herzen.

FEUERSCHWANZ im April 2024 in Nürnberg
FEUERSCHWANZ im April 2024 in Nürnberg

Apropos Fantasy: SALTATIO MORTIS haben mit ihrem Rollenspiel-beeinflussten Album „Finsterwacht“ und der dazugehörigen Zusammenarbeit mit dem Pen-&-Paper-Rollenspiel „Das schwarze Auge“ ihr eigenes Universum medial erweitert. Könntet ihr euch etwas in dieser Art, zum Beispiel Bücher, Comics, Brettspiele auch für FEUERSCHWANZ vorstellen?
An sich können wir uns das gut vorstellen, haben uns aber in diese Richtung noch nicht entwickelt oder geschaut. Das ist für „Knightclub“ erst mal nicht interessant gewesen. Uns fasziniert bei der Tolkien-Welt auch eher die Energie der Helden, aber warum nicht auch einmal in Richtung Bücher, Comics und Brettspiele schauen? Das ist aber im Moment nicht geplant.

„Name der Rose“ erinnert mich in seiner Instrumentierung an SUBWAY TO SALLY. Holt ihr euch bewusst Inspiration von genregleichen Bands oder entstehen solche Momente eher zufällig?
Natürlich wird SUBWAY TO SALLY als einer der Begründer der Mittelalter-Metal-Szene immer in unseren Herzen sein, aber tatsächlich haben wir bei „Name der Rose“ jetzt nicht direkt an die SUBWAYs gedacht, sondern an die Energie der Geschichte „Name der Rose“ und zwar der Liebesgeschichte des Mönchs zu einer unbekannten Frau. Da wir ja über eine reichhaltige Instrumentierung des Mittelalters verfügen, haben wir uns da unserer feuerschwänzischen Möglichkeiten gedient.

Wie kam es zur Neuinterpretation von „Das Elfte Gebot“ als Epic Edition und warum hat sich gerade der Song als so geeignet herausgestellt?
„Das Elfte Gebot“ ist einfach eingeschlagen wie eine Bombe und hat eine neue Dimension von FEUERSCHWANZ begründet, nämlich die deepe Message, den Deep-Message-Song. Und „Das Elfte Gebot“ hat uns dann als Epic Edition selbst überrascht, wie toll komponiert er wurde. Es ist sozusagen eine neue Dimension von Epicness dadurch entstanden. Wir sind sehr froh, dass wir die Epic Edition an Bord haben.

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Mit „Lords Of Fyre“ mit LORD OF THE LOST gibt es bereits einen Ausblick auf eure gemeinsame Tour im Oktober. Was erwartet uns auf dieser Tour? Wird es den gemeinsamen Song mit beiden Bands auf der Bühne live geben oder gar noch mehr Live-Kooperationen?
„Lords Of Fyre“ wird natürlich gespielt und beide Bands werden auf der Bühne zusammen auftreten. Das wird ein großartiger Moment werden. Wir freuen uns schon sehr auf diesen Moment und sind voll auf die Tour konzentriert. Beide Bands bündeln gerade ihre Kräfte für Oktober. Und das Besondere ist, dass zwei Headliner einen Abend bestreiten und dementsprechend abgefahren und krass werden die Energien sein an diesem Tag.

2023 „Fegefeuer“, 2024 „Warriors“, 2025 „Knightclub“ und nebenbei zahllose Konzerte und Festivals. Wie könnt ihr dieses Pensum so hochhalten und wird hier irgendwann mal eine Pause nötig sein?
Seit 2020 powern wir durch und sind einfach davon überzeugt, dass FEUERSCHWANZ und Metal eine tolle Kombination ist. Wir haben richtig Bock, unseren Sound weiter zu schleifen und zu stählen. Wann da vielleicht auch mal eine längere Pause sinnvoll ist, das entscheiden wir von Album zu Album. Wir haben jetzt wirklich einen heißen Ritt hingelegt die letzten fünf Jahre und haben aber nach wie vor Bock, Gas zu geben. Ich könnte mir vorstellen, dass auch ein nächstes Album zeitnah wieder erscheinen wird.

FEUERSCHWANZ auf dem Metalfest Open Air 2024

Ihr habt inzwischen Festival-Headliner-Status, mehrere Nummer-Eins-Platzierungen mit euren Alben und eigene Großevents wie das Met-Fest zum 20-jährigen Jubiläum gefeiert. Was reizt euch heute noch und wo wollt ihr als Band noch hin?
Ja, du hast recht, dass wir schon sehr viel erreicht haben und wir sind auch stolz darauf, dass unsere Fans uns so sehr unterstützt haben. Visionär gesehen wären natürlich solche Großevents wie das Met-Fest eine tolle Sache. Auf einer Tour solche Hallen mal am Stück zu bespielen mit mehreren Events – da streben wir hin. Natürlich ist uns klar: Wer solche großen Hallen spielen möchte, der muss sich dann auch mal vielleicht auch ein bisschen rarer machen, ein bisschen weniger spielen. Aber dazu sind wir bereit, denn wir haben richtig Bock die Energie zu bündeln und unsere Fans an einem Ort zu Tausenden zu vereinigen. Das sind unsere Visionen.

20 Jahre FEUERSCHWANZ – wie würdest du eure Entwicklung von der einstigen Mittelalter-Comedy-Band bis heute kurz zusammenfassen?
FEUERSCHWANZ hat drei Zeitalter durchlebt.

Das erste Zeitalter war das Zeitalter des Spaßes und der Provokation. Das waren etwa acht Jahre. In diesem Zeitalter haben wir uns als provokante Band ausprobieren können, haben alle möglichen Events spielen können, wo wir auch auf Tischen getanzt oder gespielt haben, die Leute zum Tanzen in kleinen Tavernen ermutigt haben. Und in diesen ersten zehn Jahren hat sich die Band geformt und ihre Stammbesetzung gefunden.

Die zweiten, sechs bis acht Jahre waren dann die Zeit der Weiterentwicklung. Da haben wir beschlossen, den derben und provokativen Humor langsam abzulegen. Mit dem Album „Sex is Muss“ haben wir unseren eigenen Humor dann auch selbstkritisch betrachtet.

Im dritten Zeitalter haben wir dann beschlossen, uns zum Metal hinzuwenden und das seit 2020 konsequent volle Kanne durchzuziehen. In diesem dritten Zeitalter sind wir jetzt, nach den letzten fünf Jahren kann man absolut sagen: Das ist das Zeitalter des Metal. An den Rückmeldungen der Fans können wir sehen, dass wir da wirklich auch richtig liegen.

Feuerschwanz Band 2025
© Stefan Heilemann

 

Stefan Popp

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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