Review Iotunn – Waves Over Copenhell

Dass IOTUNN musikalisch zu beeindrucken wissen, ist längst kein Geheimnis mehr. Das gilt nicht nur für ihre Studioalben: Davon, wie stark die Band live ist, konnten sich die Fans zuletzt im Rahmen der „Ultima Ratio Fest“-Tour überzeugen – und das trotz Aushilfs-Sänger (mehr dazu in unserem Konzertbericht). Für die im April 2026 anstehende erste Headlinertour dürfte Sänger Jón Aldará zurück im Line-up sein. So kommt die mit ihm bereits 2023 aufgenommene Show vom Copenhell Festival, die nun unter dem Titel „Waves Over Copenhell“ als Live-Album erscheint, als Appetizer grade recht.

Von langer Hand geplant war die Aufnahme vermutlich nicht – wahrscheinlicher ist, dass die Spuren „vorsorglich“ mitgeschnitten wurden und die Entscheidung, begeistert von der Show, nachträglich getroffen wurde. Zumal „Waves Over Copenhell“ ausschließlich als Download sowie für Sammler streng limitiert auf Vinyl erscheint: Ein profaner CD-Release wurde ebenso wenig als lohnenswert erachtet wie eine aufwendige Live-DVD-Aufzeichnung.

Das heißt nicht, dass „Waves Over Copenhell“ nicht professionell aufgezeichnet wäre, erklärt aber das häufige Phänomen, dass quasi nur die Spuren der Band quasi in Studioqualität aufgezeichnet wurden, während die Atmosphäre, konkret das Publikum, nur wie versehentlich mitgeschnitten klingt. Und auch das Schlagzeug hätte man für eine geplante Aufnahme wohl besser abmikrofoniert. Dass aber ausgerechnet die Doublebass im Gesamtsound etwas untergeht, überrascht dann doch – zumal das Album fürs Mastering noch durch die Meisterhände von Jacob Hansen (Hansen Studios) gegangen ist.

Ausgerechnet in Sachen Atmosphäre ist „Waves Over Copenhell“ deswegen leider nicht ganz das Live-Album, das man sich von IOTUNN (oder eigentlich: ganz generell) wünschen würde. Und auch, dass das Album vor dem Release des zweiten Albums „Kinship“ (2024) aufgezeichnet wurde, ist rückblickend etwas unglücklich, da dieses Meisterwerk darum lediglich mit der Vorab-Single „Mistland“ im Set vertreten ist, während die restlichen vier Stücke vom (allerdings ebenfalls herausragenden) Debüt „Access All Worlds“ (2021) stammen. Das alles schmälert allerdings nicht die Leistung der Musiker: Die vor Energie und Spielfreude nur so spritzenden Soli, insbesondere aber der lupenreine Gesang von Jón Aldará beeindrucken umso mehr, wenn man weiß, dass es sich hier um eine Live-Performance handelt. Das wiederum schürt die Vorfreude auf die kommende und alle weiteren Touren dieser herausragenden Band.

Braucht man „Waves Over Copenhell“ nun unbedingt? Wohl nicht: Die technische Brillanz der Musik von IOTUNN kommt natürlich in den Studioproduktionen noch besser zur Geltung, und eine packende Live-Atmosphäre kann man dem Album leider nicht attestieren. Dennoch zeigt „Waves Over Copenhell“ die individuelle Stärke der Musiker wie auch die der Band als Einheit sehr gut und bietet Fans zudem natürlich die durch die Live-Performance leicht variierten Versionen der fünf Songs, die sich aber doch auf rund 55 Minuten Spielzeit aufaddieren. Fazit: Eine Stunde kann man schlechter investieren – und 6,99 $ (für den Download auf Bandcamp) ebenso. Die Schallplatte für 29,99 $ kommt wohl nur für „Alleskäufer:innen“ infrage, ist aber zumindest in der auf 333 Exemplare limitierten „red/black merged vinyl“ ein Hingucker.

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Wertung: 7.5 / 10

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