CD-Review: Jean-Michel Jarre - Electronica 2: The Heart Of Noise

Besetzung

Jean-Michel Jarre - Synthesizer

Tracklist

01. The Heart Of Noise, Part 1 (Rone)
02. The Heart Of Noise, Part 2
03. Brick England (The Pet Shop Boys)
04. These Creatures (Julia Holter)
05. As One (Primal Scream)
06. Here For You (Gary Numan)
07. Electrees (Hans Zimmer)
08. Exit (Edward Snowden)
09. What You Want (Peaches)
10. Gisele (Sebastien Tellier)
11. Switch On Leon (The Orb)
12. Circus (Siriusmo)
13. Why This, Why That And Why? (Yello)
14. The Architect (Jeff Mills)
15. Swipe To The Right (Cyndi Lauper)
16. Walking The Mile (Christophe)
17. Falling Down
18. The Heart Of Noise (The Origin)


Bereits mit dem ersten Teil „The Time Machine“ der Electronica-Reihe konnte JEAN-MICHEL JARRE einen meiner Kollegen in gehobenem Maß begeistern. Die Fortsetzung trägt den Beinamen „The Heart Of Ages“ und besticht auf den ersten Blick wieder mit einer qualitativen Fülle von Gastmusikern, zu denen namhafte Acts wie The Pet Shop Boys, Yello, Gary Numan, Hans Zimmer oder Cyndi Lauper zählen. Doch was haben die insgesamt 18 neuen Titel zu bieten?

Gemäß der diversen Features, die auch dieses Mal (größtenteils) für die Kompositionen federführend waren, ist eine Ansammlung verschiedenster Einflüsse und Klangwelten entstanden. Nach einem instrumentalen Ambient-Einstieg gewährt Neil Tennant (Pet Shop Boys) „Brick England“ eine poppige Disco-Attitüde, die von einem sanft-säuselnden „These Creatures“ mit Julia Holter am Mikrofon gefolgt wird. Gary Numan, der durchaus als Pionier des Synthie-Pop betitelt werden kann, besticht mit kühl-distanziertem Gesang und musikalisch-dezentem Gothic-Einschlag („Here For You“), während die  Vermengung elektronischer Spielereien, klassischer Komposition und Hintergrundchören in Zusammenarbeit mit Soundtrack-Legende Hans Zimmer nicht nur experimentell, sondern auch äußerst gehaltvoll erscheint („Electrees“). „Exit“ liefert treibende Technobeats, die laut JARRE die konstante und hektische Sammelsucht nach Daten porträtieren sollen. Der darin enthaltene und gesprochene Part eines Edward Snowden passt da natürlich wunderbar ins Klangbild des Titels. So dürfen auch gewisse Dubstep-Elemente und Black-Music-Einschläge ihren Einzug finden, was in diesem Fall Peaches auf „What You Want“ umsetzt.

Aber innerhalb von 18 Titeln mit knapp 75 Minuten Laufzeiten schleichen sich bisweilen auch einige Längen ein So wirkt beispielsweise die bessere Klang-Collage „Switch On Leon“ weit entrückt von allen melodiösen Richtlinien und erweckt den Eindruck von schnödem Füllmaterial. Gemeinsam mit Siriusmo driftet „Circus“ dann fast zu weit in 80er-Jahre-Kitsch ab, während der Detroit Techno mit Jeff Mills sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft („The Architect“). Insgesamt brauchen alle Songs eine gewisse Zeit, um ihre Feinheiten und volle Schlagkraft zu entwickeln. Schade ist lediglich, dass Rockacts wie Primal Scream ihren ursprünglichen Stil nur erahnen lassen. Diese Erweiterung des Klangkosmos von JEAN-MICHEL JARRE hätte mit Sicherheit ein prägnantes Ergebnis geliefert und darüber hinaus das Interesse an diesem Werk für weitere Musikfankreise geöffnet. Insgesamt ist das aber natürlich ein Meckern auf hohem Niveau. An der Qualität des Materials und der Produktion gibt es ohnehin nur wenig auszusetzen. Einerseits sollten die Kollabo-Partner des Franzosen bereits für sich sprechen, andererseits ist JARRE für eine wirkliche Enttäuschung mittlerweile wohl zu lange im Geschäft.

JEAN-MICHEL JARRE versteht es auch auf „Electronica 2: The Heart Of Noise“ sich auf seine musikalischen Gäste einzustellen und so jedem Titel eine eigene und besondere Atmosphäre zu verleihen. Der Spagat zwischen tanzbaren Stücken und entspannten Nummern gelingt beinahe mühelos, was dieses Release zur Hintergrundbeschallung, als auch für Club-Momente tauglich macht. An Vielschichtigkeit und Abwechslung mangelt es diesem Release also nicht, sicherlich jedoch aber an einem roten Faden, der den Longplayer zu einem nachvollziehbaren Output machen könnte. Langjährige Anhänger des Produzenten und Electro-Musikers kommen hier sicherlich auf ihre Kosten, doch auch hinter diesem Tellerrand kann ein Antesten sicherlich bei ausgewählten Titeln auf einiges Gefallen stoßen.

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Bewertung: 7.5 / 10

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