War der letzte Longplayer „Wildhund“ (2021) noch ein mutmaßlicher Ausreißer im musikalischen Schaffen des Multiinstrumentalisten, zementiert der neueste Output „Nowhere In Between Forever“ die stilistische Neuausrichtung nun endgültig und vollumfänglich. Und Black-Metal-Puristen haben es sowieso schon seit längerem geahnt: Markus „Herbst“ Siegenhort, Kopf der (ehemaligen) Post-Black-Metal-Band LANTLOS, mag Popmusik.
Doch Scherz beiseite: LANTLOS mögen wirklich ausnahmslos alle Black-Metal-Reminiszenzen in ihrer Musik eliminiert und damit den größten Teil der Fangemeinde ihrer ersten drei… vielleicht dreieinhalb Alben, wenn man „Melting Sun“ als Übergangswerk zählen möchte, erfolgreich vergrault haben. Trotzdem ist „Nowhere In Between Forever“ musikalisch ebenso wenig uninteressant wie besagter Vorgänger „Wildhund“.
Auf jeden Fall hilft es, die Frühwerke von LANTLOS außer Acht zu lassen, wenn man sich mit Siegenhorts neuestem Streich beschäftigt. Vielmehr erscheint eine Annährung über Musiker wie Devin Townsend (STRAPPING YOUNG LAD), Steven Wilson (PORCUPINE TREE) oder auch Justin K. Broadrick (GODFLESH) sinnvoll, denn auch diese Musiker haben im Verlauf ihrer langjährigen Karriere radikale musikalische Stilwechsel vollzogen – ohne Rücksicht auf Verluste.
Und tatsächlich hört man vergleichbare Einflüsse auf „Nowhere In Between Forever“: Erinnert der Album-Opener „Daisies“ auf ähnliche Art an die DEFTONES wie „Lake Fantasy“ vom letzten Album, klingen „Oxygen“, „Planets“ und „Windhunter“ schon spürbar nach Devin Townsend, als dieser nach STRAPPING YOUNG LAD bereits etwas gemäßigter unterwegs war. „Jeanet“, „AutoGuard“ und „Ghost“ haben mit ihrem chillig-elektronischen (Drum’n’Bass-)Beat-Unterbau, leichtem Vocodereinsatz und Electro-Versatzstücken ein bisschen was von JESUs (Justin K. Broadricks Post-Rock-Alter-Ego) Loseblattsammlung „Pale Sketches“ bzw. dem nahezu gleichnamigen Projekt PALE SKETCHER.
Für Varianz wiederum sorgen das verdächtig nach THE NOTWIST klingende „Cherries“ und „Numb TV Superstar“, welches in zweifacher Hinsicht KILLING JOKE Tribut zollt: Den technoiden beinahe-Trance-Beat hätte ein Martin „Youth“ Glover in den Neunzigern für „Millenium“ möglicherweise ähnlich programmiert und auch der Gitarrensound hat eine gewisse Geordie-Walker-Ästhetik. Wie auch schon auf „Wildhund“ sind die Arrangements recht kompakt, die Songs durch die Bank eher positiv (bestenfalls mit einer melancholischen Zwischennote).
Stilistisch ist das (inzwischen) Ein-Mann-Projekt LANTLOS also durchaus vielfältig unterwegs und dass Siegenhort alle Instrumente selbst eingespielt bzw. programmiert und „Nowhere In Between Forever“ auch im Alleingang produziert, gemischt und gemastert hat, verdient in Anbetracht des gelungenen und druckvollen Endprodukts höchsten Respekt.
Wie gesagt, mit Black Metal hat hier wirklich überhaupt gar nichts mehr zu tun. Vielmehr verorten sich LANTLOS im Jahr 2025 im Alternative-Rock und -Metal und zitieren geschmackvoll und gekonnt die 1990er und frühen 2000er Jahre, ohne dabei uninspiriert zu kopieren. Denn Wiedererkennungswert ist auf jeden Fall gegeben, aber ähnlich wie auf „Wildhund“ gibt es auch hier etwas gleichförmigere Abschnitte. Trotzdem ist das Album mit elf Songs auf unter 45 Minuten kurzweilig genug, um nicht zu nerven – ein tolerantes und entsprechend gebrieftes Ohr, welches kein Blastbeatgewitter erwartet, vorausgesetzt.
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Wertung: 7.5 / 10


