Review Leprous – Live At Rockefeller Music Hall

Da ist er endlich, der erste Live-Mitschnitt eines Konzertes von LEPROUS! Aufgenommen während einer Show im heimischen Oslo Anfang Juni, bringen die Prog-Rocker „Live At Rockefeller Music Hall“ nun in die Wohnzimmer all jener Fans, die sich einen Vorgeschmack auf die kommende Tour mit LEPROUS im Vorprogramm vom Devin Townsend Project holen wollen. So richtig einfach machen es die Norweger dem Fan nicht, sich für eine Variante von „Live At Rockefeller Music Hall“ zu entscheiden, denn neben einer limitierten Edition mit DVD und 2 CD’s wird die Aufnahme auch als Standard-DVD, als Standard-2-CD-Jewelcase sowie als Gatefold 3-LP’s plus 2 CD’s und natürlich auch als digitales Album zur Verfügung stehen. Gleich haben alle Versionen aber zum Glück eines: eine 14 Tracks umfassende Setlist mit Songs von vorrangig „Coal“ (2013) und dem aktuellen „The Congregation“ (2015).

Wer etwas tiefer in die Tasche greifen möchte, bekommt ein halbstündiges Bonus-Material geboten, welches neben dem obligatorischen Behind The Scenes auch Video-Clips zu unter anderem „Restless“ und „The Price“ enthält und mit einem verheißungsvollen Mitschnitt namens „Leprous At Rockefeller 13 Years Earlier“ aufwarten kann. Allesamt lohnenswerte Goodies für die Fans, die das eigentliche Kernstück, das etwa 100 Minuten währende Konzert, noch mit einem Sahnehäubchen versehen wollen.

Ein Sahnehäubchen, welches der Live-Mitschnitt an sich nötig hat, besticht das Konzert doch als eine astreine Aufnahme dessen, was LEPROUS der Prog-Welt in den letzten drei Jahren geschenkt haben: zwei umwerfende Alben mit kaum zu überhörendem Hit-Potenzial. Sei es das mit einer packenden Steigerung versehene „Rewind“, das tragende „The Valley“ oder das verschroben-melodische „Foe“, LEPROUS zeigen all ihre Facetten, obgleich Fans der ersten beiden Alben deren weitestgehende Ignorierung bitter aufstoßen könnte. Womöglich macht der Gastauftritt von Ihsahn diesen Setlist-technischen Fauxpas durch seinen Gastauftritt im abschließenden „Contaminate Me“ wieder wett. Etwas, was allerdings häufiger zu einer in Falten gelegten Stirn führt, ist der Gesang von Einar Solberg. Natürlich nicht per se, steht sein erstaunliches Talent doch außer Frage, aber dennoch bei kleinen Schlenkern, die auf DVD dank des bewegten Bildes untergehen mögen, auf CD und einem mehr fokussiertem Hören allerdings auffallen. Kaschiert wird dieser kleine, da die Ausnahme bildende Wermutstropfen allerdings gekonnt von Costin Chioreanu, dem innerhalb der Szene sehr populären Artwork-Künstler, der das Konzert filmte. Da der Rumäne nicht nur stur die Kamera nach rechts und links dreht, sondern die Musiker und die Fans aus allen Ecken gekonnt in Szene setzt, darf man „Live At Rockefeller Music Hall“ ruhigen Gewissens nicht nur musikalisch, sondern auch filmtechnisch progressiv nennen.

‚Ziemlich stark‘ ist die wohl die treffendste Bezeichnung für das, was LEPROUS Anfang Juni auf die Beine gestellt haben; eine spielwütige Band trifft in einer ausverkauften Location auf eine begeisterte Menge, allesamt aufgenommen in einer sound- wie bildtechnisch hochwertigen Qualität. Herausgekommen ist ein Produkt, dessen Content jeden Euro rechtfertigt und auch nach mehrfachen Durchschauen noch Raum für Neues bietet, was es zu entdecken gilt. Tusen takk hierfür, LEPROUS!

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Wertung: 8 / 10

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4 Kommentare zu “Leprous – Live At Rockefeller Music Hall

  1. Hey liebe Uta,
    nachdem ich nun endlich deinen Kommentar entdeckt habe, möchte ich mich 1) für die zeitliche Verzögerung meinerseits entschuldigen und 2) endlich antworten.

    Mit deinen Worten zu Einar hast du natürlich Recht: Seine Stimme ist über alle Maßen ergreifend und druckvoll, sowohl auf Platte als auch live. Ich sah die Jungs, nachdem ich schon lange Fan bin und lange darauf gewartet habe, im Februar im Vorprogramm von Devin Townsend und verliebte mich nochmal neu in ihre Musik – unfassbar gut!

    Davon abgesehen darf ich eine Platte meiner Helden allerdings nicht nur deswegen sehr gut bewerten, weil ich die Band mag, sondern das Album muss auch den Anforderungen entsprechen, die ein Album (rein von der Technik, der Produktion und der Güte der Songs) erfüllen muss, um tatsächlich die Note „sehr gut“ zu bekommen. Und Leprous haben diese Benotung von mir bekommen – aber auch den Hinweis, dass gesangliche Patzer zu hören sind. Patzer deswegen, weil Einar die kurzen Parts nicht nur anders, sondern leider tatsächlich schief singt.

    Als Fan kann ich das überhören und weiterhin großen Gefallen an der DVD haben, aber als Kritikerin ist es meine Pflicht, die kleinen wie großen Unzulänglichkeiten für unsere Leser zu benennen, da sie genau das von uns fordern.

  2. Dazu muss ich kurz mal generell was sagen, weil das ein wenig auch unseren Job betrifft: Wir hören ja jährlich meist 50+ neue Alben und müssen die dann besprechen, da schult man sein Gehör einfach speziell auf solche Dinge und die stören einen dann manchmal mehr, als es einem selbst lieb ist.
    Progressive Metal ist zudem musikalisch relativ anspruchsvolle Musik und hat deswegen auch anspruchsvolle Hörer, die auf solche Sachen oft sehr kleinlich achten. Wir müssen als Kritiker ja den Leser darüber informieren, was ihn hier erwartet und da muss das mit dem Gesang natürlich dann erwähnt werden, weil es sicherlich Leute gibt (wie man auch in Kommentarspalten immer wieder sieht), die sich sehr wohl an solchen Gesangsunsicherheiten aufhängen. Ich denke, dass das meine Kollegin persönlich auch kaum gestört hat, sonst hätte sie keine 8 Punkte vergeben. Das macht sie nämlich sehr, sehr selten. ;)

  3. Zu der Aussage „Etwas, was allerdings häufiger zu einer in Falten gelegten Stirn führt, ist der Gesang von Einar Solberg.“ möchte ich gerne etwas sagen. Es entspricht der Philosophie der Band, die Songs nicht wie auf dem Album zu singen, sondern live zu variieren und die Gefühle fließen zu lassen, so dass möglichst jeder Live-Gig ein Eigenleben hat und die Fans bei jedem Gig das Gefühl der Einmaligkeit haben. Ich habe noch nie eine Live-CD besessen, die ich so gerne und oft höre, wie diese. Auch würde mir nie in den Sinn kommen, auf minikleine Gesangsfehler zu achten, wenn doch die allumfassende Atmosphäre jedes einzelnen Livesongs so unfassbar atemberaubend ist, dass man weinen möchte, vor allem bei dem intensiven „Acquired taste“ oder dem herzergreifenden „The cloak“. Bei den Stichworten „Einar Solberg“ und „Gesang“ würden mir zuerst Begriffe wie „eine Stimme, die nicht von dieser Welt sein kann“ und „über alle Maßen ergreifend“ einfallen. ;-) Davon abgesehen finde ich es ein wenig schade, dass die doppelten Drums nicht erwähnt wurden. So was Geiles wie das Schlagzeuger-Paar habe ich in 18 Jahren Live-Gig-„Erfahrung“ noch nie auf der Bühne gesehen. Einfach nur großartig!!

  4. Bin absolut kein Live-DVD-Fan und besitze selber nur die „Where Death Is Most Alive“-DVD von Dark Tranquillity, weil ich die wirklich durch und durch genial finde. Aber das hier schaut so gut aus und klingt so gut, dass ich mir überlege, hier nicht auch noch mal eine Ausnahme zu machen… :)

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