Leprous (Livestream: Bilateral & Coal)

  • Notodden Teater, Norwegen (Stream-Show)
  • 10. April 2021

… und sie tun es wieder: LEPROUS geben ihr zweites Kombi-Stream-Konzert in diesem Jahr und den siebten Live-Stream seit vergangenen Mai. Gleich dem letzten Kombi-Stream zu „Malina“ und „Pitfalls“ spielen die Norweger an diesem Wochenende erst „Bilateral“ (2011) und am darauffolgenden Abend „Coal“ (2013) in Gänze. LEPROUS-Fans der ersten Alben werden an diesen Abenden also gut unterhalten werden, zumal das zweite und dritte Album der Norweger Tracks bereithält, die wahre Live-Raritäten (geworden) sind.

„Bilateral“-Stream

Der gleichnamige Opener enttäuscht noch vor dem ersten gesungenen Ton: Hingegen die Kamera schräg hinter Baards Drum-Set und die Kamera vor Bassist Simen und Gitarrist Tor die drei in noch akzeptablen 720p einfängt, liefert die frontale Cam, welche die gesamte Band auf der Bühne abbildet und die für die Zooms auf Einar verwendet wird, Bilder mit weitaus dürftiger Qualität ab. Schade, schließlich krankten die vorherigen Stream-Shows keine Sekunde an dieser technischen Tücke.

Screenshot des Live-Streams, Foto-Credit: Munin.live/ Leprous

Soviel Bewegungsdrang wie beim zweiten Track „Forced Entry“ ist man zwar von Baard gewöhnt, aber den sonst so konzentrierten Einar headbangen und das Gitarristen-Duo in der Musik aufgehen zu sehen, ist ein erstes visuelles Highlight in einem Stream, der bildtechnisch auch weiterhin hinter den Erwartungen zurückbleibt. Direkt im Anschluss von „Restless“ (übrigens dem Beweis dafür, dass Einar noch immer das kehlige Growlen beherrscht), proggen sich die passenderweise in den „Bilaterial“-Farben grau, rot und schwarz gekleideten LEPROUS durch den vergleichsweise djentlastigen Song „Thorn“, ehe Einar in Richtung des Bühnenrands „Ihsahn, get the fuc* on stage“ ruft; dabei ist es erstaunlicherweise nicht etwa der Emperor-Frontmann Ihsahn, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sondern vielmehr der starke Auftritt des Trompeters Pal wenige Sekunden später.

Das seltener in die Konzert-Setlisten aufgenommene „Mb. Indifferentia“ bietet nach der großartigen „Thorn“-Performance eine kurze Verschnaufpause, ehe sich der anfänglich wunderschön-fragile Song zu seiner immer wieder zündenden Klimax erhebt. Spätestens bei dem darauffolgenden Song „Waste Of Air“ wird verständlich, warum Baard gerne nach bereits einem gespielten Track sich seiner Oberkleidung entledigt: Proggen ist verdammt schweißtreibend. Einar tropft der Schweiß im Sekundentakt auf die Keys, auf eben denen er sein für LEPROUS-Verhältnisse noiselastiges Soli an den Tasten gibt.

Screenshot des Live-Streams, Foto-Credit: Munin.live/ Leprous

Mit „Waste Of Air“ ist die Hälfte von „Bilateral“ gespielt; ein Album, an dem sich ein Hit mühelos an den anderen reiht und LEPROUS in einer Form zeigt, zu der sie auf den folgenden Veröffentlichungen nicht mehr zurückfanden, sei es durch die weniger verspielte Ausrichtung in „Coal“ oder dem dramatischeren „Malina“. Es schließt sich mit „Mediocrity Wins“ (fast) eine Live-Premiere an, denn der Song wurde zuvor erst ein einziges Mal live performt – dabei ist Einars bellender Sprechgesang, der groovende Bass und die Entwicklung des Songs extrem unterhaltsam – prog at its best!

Mit dem Publikumsliebling „Acquired Taste“, neben „Mb. Indifferentia“ einem weiteren steigerungsgeladenen Song von „Bilateral“, leiten LEPROUS langsam das Ende des ersten Streams für dieses Wochenende ein; der geneigte Fan jedoch weiß, dass mit dem finalen Track „Painful Detour“ noch ein letztes Live-Highlight ansteht. Die Norweger spielten den Song laut eigener Aussage seit über zehn Jahren nicht mehr – ein guter Abschluss eines Streams, der ein Album würdigt, welches im Schatten der neueren Alben und des Fan-Lieblings „Coal“ steht.

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„Coal“-Stream

Der erste Eindruck zum Stream zu eben jenem Liebling lässt sich mit dem gleichen Wort beschreiben wie am Abend zuvor: enttäuschend. Klagen einige Zuschauer über Tonprobleme, ist es bei anderen Nutzern die schlechte Bildqualität oder gar der ständige Abbruch des Streams. Besonders die Käufer vom Kombi-Ticket für beide Abende haben inklusive Steuern 30 Euro bezahlt, um erneut ein zu unschafes Bild oder anfängliche Totalausfälle zu haben.

Versöhnlich stimmt einen da der starke Opener „Foe“, der auch unter weiterhin schlechten Bildverhältnissen druckvoll aus den Boxen tönt. Dem stehen das in den Konzert-Setlisten zu Unrecht eher selten vertretende Lied „Chronic“ sowie der seit 2014 nicht mehr live gespielte, übergroße Titeltrack in nichts nach. Die ersten drei Tracks zeigen, dass Bassist Simen im verhältnismäßig basslastigen „Coal“ voll auf seine Kosten kommt; seine Rolle im Klangbild war in noch keinem der vorherigen Streams so exponiert wie in diesem – cool, in der Menge von LEPROUS-Streams noch immer eine neue Facette entdecken zu können.

Screenshot des Live-Streams, Foto-Credit: Munin.live/ Leprous

Mit „The Cloak“ und „The Valley“ folgen die klassischen Konzertnummern der Norweger, dementsprechend souverän und chirurgisch akkurat sitzen die Einsätze in den vertrackten, von verschiedenen Motivwechseln durchzogenen Songs. Ruhiger wird es mit „Salt“, was in seiner textlichen Dramatik dem nachfolgenden Track „Echo“ sehr ähnelt; schade, dass beide Nummern nach der Veröffentlichung von „The Congregation“ live an Bedeutung verloren haben. Dass zum finalen Track „Contaminate Me“ erneut Gastmusiker Ihsahn die Bühne betreten wird, war vorherzusehen; dank der geografischen Nähe aller Beteiligten sind nicht mehr nur die kurzen, einen Song umfassenden Kollaborationen möglich, sondern wie zuletzt auch gemeinsame Konzerte.

Screenshot des Live-Streams, Foto-Credit: Munin.live/ Leprous

Und nicht nur das: Auch das Einfügen von Bild- und Tonmaterial lässt sich visuell in einem Live-Stream gut integrieren, so wie in diesem Fall das Cello-Intermezzo von Raphael Weinroth-Browne. Im Anschluss verabschieden sich LEPROUS, um nach eine kurzen Pause erneut die Bühne zu betreten, um den Encore zu präsentieren: Dieser besteht aus „Slave“ („The Congregation“) und einer kleinen Überraschung namens „Passing“ („Tall Poppy Syndrome“).

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Sieben Konzerte im Streaming-Format später bleiben LEPROUS ihren Fans eigentlich nur noch zwei Dinge schuldig: Ein Streamkonzert zum Debüt „Tall Poppy Syndrome“ (2009) und vor allem ein besseres Augenmerk auf die Bildqualität ihrer Streams – selbst die im Anschluss für 48 Stunden zur Verfügung gestellten Videos On Demand sind so verpixelt, dass das Anschauen auf einem größeren Bildschirm als dem des Handys für die Augen kein Genuss mehr ist.

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