CD-Review: Letzte Instanz - Ewig

Besetzung

Holly – Gesang
Holly D. – Gesang
Oli – Gitarre
Micha – Bass
David Pätsch – Schlagzeug
M. Stolz – Geige
Benni Cellini – Cello

Tracklist

01. Aeternitas
02. Ewig
03. Nur für uns
04. Blind (feat. Eisblume)
05. Regenbogen
06. Wieder einmal Rot
07. Tausendschön
08. Schwarzer Sand
09. Et in Arcadia Ego
10. Von Anfang an
11. Wo das Meer...
12. Schuld
13. Unterwegs
14. Sing!
15. Mein Kind
16. Der Fährmann
17. Der Wind


„Jeder Schuldige hat eine Zukunft, jeder Heilige eine Vergangenheit- und das wird ewig so sein.“ – so lautet also die offizielle Erklärung der LETZTEN INSTANZ für ihre Albentrilogie. Diese begleitet die Brachialromantiker nun seit drei Jahren. Und wer bereits mit „Schuldig“ und „Heilig“ nicht glücklich wurde, dürfte mit „Ewig“ ebenfalls nicht selig werden. Zu ähnlich sind der Aufbau und die musikalische Ausgestaltung.

Das beginnt bereits beim instrumentalen Intro „Aeternitas“, welches fließend in den ersten Track „Ewig“ übergeht. Bereits die ersten extrem seichten Sangespassagen von Holly erfüllen die schlimmsten Befürchtungen im Hinblick auf den Stil des gesamten Albums: Doch das Stück dreht noch einmal und entwickelt sich folkig-rhythmisch in eben jene Gefilde, die man von der LETZTEN INSTANZ seit den letzten Jahren kennt. D.h. die Studioproduktionen unterhalten in Teilbereichen, liefern aber langfristig einen geringen Nährwert.
Daran ändern auch neue Ansätze wie beispielsweise die Zusammenarbeit mit Sängerin Eisblume wenig: So treten Holly und Co. hier schlicht in die Fußstapfen von Eric Fish und Subway to Sally. Zwar harmonieren die Stimmen von Holly und Eisblume aka Ria etwas besser, doch die quasi non-existente musikalische Essenz von „Blind“ gleicht der von Subway to Sallys „Komm in meinen Schlaf“. Dass die Kooperation darüber hinaus noch zu den längsten Stücken auf „Ewig“ zählt, ist dem Gesamteindruck ebenfalls wenig zuträglich. Wie es besser geht, hat die Instanz höchstselbst bereits mit „Der Garten“ bewiesen, in dem Holly zusammen mit Aylin Aslim ein deutlich besseres Duett abliefert.

Was „Ewig“ positiv auszeichnet, sind die erdigeren Rocknummern wie „Regenbogen“, „Wieder einmal rot“ und „Nur für uns“. Genau in jenen Songs transportiert die LETZTE INSTANZ ihre folkig-rockigen Livequalitäten auf CD. Die Stücke marschieren und besitzen Eigenleben. Auch Hollys Gesang wirkt hier deutlich energischer und eindringlicher als auf dem seichteren Rest des Albums. Jener Rest profitiert immerhin von der hochwertigen Produktion, für die neben Gitarrist Oliver Schmidt erstmals Subway to Sally-Drummer Simon Michael verantwortlich zeichnete. Im Vergleich zu „Heilig“ und „Schuldig“ klingen die E-Gitarren deutlich voller und auch an der Streicherfront wurde ordentlich gefeilt. Ein Plus für alle Musiker: So dürfen nicht nur Benni Cellini am Cello und M. Stolz an der Geige ihr zweifelsfrei vorhandenes Talent unter Beweis stellen, sondern auch beispielsweise David Pätsch am Schlagzeug beim instrumentalen „Et Arcadia Ego“.

Die zu austauschbaren Kompositionen wiegen dennoch schwerer: Selbst gute Anfänge wie bei „Schwarzer Sand“ verlaufen sich im akzentlosen Softrock, der am besten in der Singleauskopplung „Von Anfang an“ zusammengefasst ist. So gerät dieser Song sinnbildlich für die LETZTE INSTANZ – im positiven wie negativen Sinne, denn wer jenen Vorgeschmack mochte, kann bei „Ewig“ bedenkenlos zugreifen. Alle anderen sollten einen Bogen um die neueste Veröffentlichung der Szeneurgesteine machen. Im Gegenteil: Besonders die übertriebene Theatralik in „Schuld“ und anderen Texten dürfte die ältere Fangeneration eher noch mehr verschrecken. Generell ist das Songwriting von überschaubarer Qualität. Dazu wurde z.B. „Sing“ zu sythesizergeschwängert auf CD gepresst.

Was bleibt ist eine in vielerlei Hinsicht zweischneidige Trilogie: Die Idee dahinter mag stimmen und sticht szeneintern hervor, doch nüchtern betrachtet hätte die INSTANZ aus „Schuldig“, „Heilig“ und „Ewig“ insgesamt ein richtig gutes Album machen können und vielleicht auch sollen. So sammeln sich auf allen drei Veröffentlichungen zu viele Stücke, denen jeglicher Wiedererkennungswert fehlt. Ein bisschen erinnert dies an die „Bastard“/“Kreuzfeuer“-Zeiten von Subway to Sally. Doch vielleicht nutzen Holly und Co. die jetzt anstehende Pause, um im kreativen Schaffungsprozess ganz andere Akzente zu setzen. Wünschenswert wäre dies für alle Anhänger, die ihre Erfüllung mehr in den früheren Werken fanden als beim letzten Dreiergespann.

Bewertung: 4 / 10

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