Samurai Pizza Cats Press Start Coverartwork

Review Samurai Pizza Cats – Press Start

Manche Kinder der 80er erinnern sich eventuell noch lebhaft an die SAMURAI PIZZA CATS: Drei menschenähnliche Katzen, die im fiktiven Little Tokyo eine Pizzeria betreiben, die nur als Tarnung für ihren Kampf gegen die Unholde in ihrer Stadt dient. Hier geht es jedoch um die 2021 im real existierenden Castrop-Rauxel gegründeten SAMURAI PIZZA CATS, bestehend aus vier Menschen statt drei Katzen und vermutlich liefern diese keine Pizzen aus. Auf dem zweiten Album „Press Start“ gibt es stattdessen eine fetzige Mischung aus Metalcore, Trance, Pop, Retrofeeling und Nerdtum.

Nach dem Intro „Insert Coin“ mit Synthesizerklängen und 80er-Jahre-Feeling beamen die SAMURAI PIZZA CATS mit dem Opener „Pandastruck“ die 80er- und 90er-Kids zurück in ihre Jugend: Sprechgesang zwischen LIMP BIZKIT und Eminem, Anleihen an KORN, PAPA ROACH und BLINK-182 runden die musikalische Zeitreise ab, das eigene Element kommt mit dem Trance-Einschlag und wuchtigem Metalcore ebenso nicht zu kurz. Das dazugehörige Musikvideo mit Fish-Eye-Kamera, Baggy Pants, Oversize-Shirts und dem direkt bei der Band tanzenden Publikum runden das Retro-Feeling perfekt ab.

Ihren Blödelhumor beweist die Ruhrpottband auch beim folgenden „T-Rex(plosion)“ mit Dinosauriern statt Pandas. Das ist weniger wuchtig und geht dafür eher in Richtung melodischem Alternative Metal, verstärkt wird das noch vom starken Gastbeitrag von ANKOR-Sängerin Jessie Williams. Ein umso wilderes Feature findet sich bei „Ramen-Man“: Hier hat man sich das zweiköpfige Projekt BABYBEARD an Board geholt, bestehend aus dem in Szenekreisen bekannten Ladybeard (Der Australier Richard Magarey ist Sänger, Crossdresser, Wrestler und Stuntman) sowie den japanischen Sängerinnen Nakayama Suzu und Mizuku. Die Mischung aus hartem Metalcore mit Screams, J-Pop, Klargesang und fluffiger Atmosphäre macht richtig Spaß. Allen Fans und Hassern der berüchtigten Ananas-Pizza sei übrigens „Fear No Slice“ ans Herz gelegt: Im geistigen Nachfolgesong zu „Pizza Homicide“ wird geklärt, wie Pizza Hawaii bei Aliens ankommt.

Die Vergleiche mit ELECTRIC CALLBOY verstehen sich von selbst. Der Metalcore-Dance-Quatsch-Mix geht in eine sehr ähnliche Richtung und Gitarrist und Gründungsmitglied Daniel Haniß ist auch bei ELECTRIC CALLBOY am Start. Die SAMURAI PIZZA CATS sind aber dennoch eigenständig genug, um ihre Daseinsberechtigung zu verdienen und sind weder eine billige Kopie noch ein Nebenprojekt. Auch, wenn das musikalisch selten über einfachste Schemata hinaus geht ist das Gesamtprodukt sehr unterhaltsam. Das liegt auch an den Lyrics, die keine Literaturpreise gewinnen werden, dafür aber herrlich blöd und herzerwärmend witzig sind. Diese ganzen kleinen optischen und akustischen Anspielungen auf die 80er und 90er sowie Nerdthemen sind ein schönes Zuckerl für die Zielgruppe, während der Metalcore kracht und die Dance-Elemente zum Bewegen anregen. Im Vergleich zum 2023er Debütalbum „You’re Hellcome“ wurde der Deathcore-Anteil zugunsten von mehr Melodie und Klargesang etwas zurückgefahren, sonst hat sich aber nicht viel geändert.

Nach gerade mal 29 Minuten und 54 Sekunden ist das Album schon vorbei – abzüglich Intro, Zwischenspielen und der technolastigen STVW-Version von „Pizza Homicide“ kommen die acht neuen Tracks sogar nur auf 24 Minuten und 28 Sekunden. Nennen wir das mal kompakt. Da die einzelnen Songs alle einen eigenen Charakter haben, viel Abwechslung geboten wird und wirklich viel passiert, fühlt sich das Zweitwerk der SAMURAI PIZZA CATS dennoch nach einem lohnenden und vollwertigen Album an. Wenn das Album nach dem synthieschwangeren „City Of Gold“ verklingt und obwohl im kurzen Outro „Thanks For Playing“ eine Kinderstimme „I wanna play something else now“ verkündet, denkt man sich gerne direkt wieder: „Press Start“.

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Wertung: 8 / 10

Stefan Popp

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2 Kommentare zu “Samurai Pizza Cats – Press Start

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