CD-Review: Second To Sun - The Walk

Besetzung

Gleb Sysoev - Gesang
Vladimir Lehtinen - Gitarre, Bass
Maxim - Bass
Theodor Borovski - Schlagzeug

Tracklist

01. We Are Not Alone
02. Black Lines
03. Home
04. From Outer Space
05. The Owls
06. The Train 1702
07. New World Order
08. To Live
09. We Are Not Alone


Es ist ein interessantes Konzept, welches die russische Post-Black-Metal-Band SECOND TO SUN bei der Veröffentlichung von Musik verfolgt. Ihr Anspruch an sich selbst ist, dass sie möglichst jeden Monat einen neuen Song veröffentlichen. Und tatsächlich: Betrachtet man die Diskographie, reiht sich dort Single an Single. So viele tatsächlich, dass „The Walk“ nach „The Black“ bereits die zweite Albumveröffentlichung 2018 ist. Während „The Black“ dagegen fast ausschließlich aus unveröffentlichten Tracks bestand, haben SECOND TO SUN für „The Walk“ einige bereits veröffentlichte Singles mit ein paar wenigen neuen Stücken kombiniert.

Erstaunlicherweise klingt die Platte aber dennoch nicht wie eine Compilation, sondern wie aus einem Guss. SECOND TO SUN haben bei der Produktion der Stücke sehr darauf geachtet, dass diese sich bei den einzelnen Songs wenig bis gar nicht unterscheidet. Auch stilistisch präsentiert sich das Album zwar abwechslungsreich, aber eben nicht inhomogen. SECOND TO SUNs Black Metal klingt modern, verzichtet weitestgehend auf klassische Elemente und nutzt stattdessen für das Genre eher ungewöhnliche Synthesizersounds.

Das funktioniert zwar überwiegend gut, aber nicht jeder Song zündet gleichermaßen. „The Owls“ etwa baut zwar eine bedrückende Atmosphäre auf, verpasst aber gleich mehrmals einen geeigneten Ausstieg und zieht sich mit seinen sieben Minuten Spielzeit zu sehr. Das Interludium „From Outer Space“ ist zwar gut gemeint, aber auch dieses zeigt lediglich, dass Ambient-Tracks noch immer einen der schlimmsten Trends im Black Metal darstellen. Ähnlich unnötig kommt das abschließende „We Are Alone“ daher, das mit seinen verhallten Gitarren vergeblich eine düstere Stimmung aufzubauen versucht.

Deutlich besser und unterhaltsamer sind jedoch die anderen Stücke geraten. „Black Lines“, das vor allem dank seiner Ohrwurmmelodie so großartig funktioniert, entpuppt sich als klares Highlight des Albums. Doch auch „New World Order“, dessen Einstieg wie gespenstisch verzogenes Telefonläuten klingt, gibt ordentlich Gas und unterbricht seine Black-Metal-Abschnitte immer wieder für Groove-Riffs, wie man sie eher von Bands wie Pantera gewohnt ist. Markante Riffs scheinen überhaupt eine Stärke der Sankt-Petersburger zu sein: Auch das gefällige „The Train 1702“ bleibt mit seinen wiedererkennbaren Pinch-Harmonic-Saitenziehern sofort hängen.

Doch nicht nur auf Groove setzen SECOND TO SUN verstärkt. Auch die geradezu mystische, geheimnisvolle Atmosphäre, die sie im pechschwarzen „Home“ oder im fast schon an 80er-Jahre-Horrorfilmscores erinnernden „To Live“ kreieren, zieht den Hörer in den Bann. Hier liegen die klaren Stärken der Band und auch das Potential, sich vom Rest der Black-Metal-Welt abzuheben. Das machen die Musiker aber ohnehin schon ziemlich gut.

„The Walk“ ist ein nettes Black-Metal-Album für Zwischendurch und empfehlenswert für alle, die ihren Black Metal etwas moderner und kreativer möchten.  Zu 100 % ausgereift wirkt das Konzept von SECOND TO SUN trotzdem noch nicht. Vielleicht wäre es doch ratsam, die enorm hohe Veröffentlichungsfrequenz etwas herunterzuschrauben und sich stattdessen mehr Zeit für die Songs zu nehmen. Zwar zeigt sich die Band auch so schon erfreulich professionell, aber auch der Mut zur Reduktion kann oft zu besseren Resultaten führen.

Bewertung: 7 / 10

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