CD-Review: Skálmöld - Sorgir

Besetzung

Björgvin Sigurðsson - Gesang, Gitarre
Baldur Ragnarsson - Gitarre, Gesang
Þráinn Árni Baldvinsson - Gitarre, Gesang
Snæbjörn Ragnarsson - Bass, Gesang
Jón Geir Jóhansson - Schlagzeug, Gesang
Gunnar Ben - Keyboard, Oboe, Gesang

Tracklist

01. Ljósið
02. Sverðið
03. Brúnin
04. Barnið
05. Skotta
06. Gangári
07. Móri
08. Mara


Vor wenigen Tagen haben SKÁLMÖLD ihr neuestes Werk „Sorgir“ veröffentlicht. Wer die Isländer kennt, der weiß, dass die Band sich von Album zu Album immer mehr weiterentwickelt hat, ohne jedoch den eigenen Stil komplett über Bord zu werfen. Vor allem das letzte Album „Vögguvísur Yggdrasils“ verdeutlichte dies eindrucksvoll, aufgrund seiner Vielschichtigkeit.

Mit „Sorgir“ gehen SKÁLMÖLD diesen Weg nun beherzt weiter und vollkommen überraschend trifft der Opener „Ljósið“ den Hörer wie ein Hammerschlag. Kein Intro, kein langes Vorspiel, sondern ein schweres, stakkatoartiges Riff eröffnet das Album der Isländer. Fast schon stoisch wiederholt sich eben jenes Hauptriff des Songs, lediglich unterbrochen durch die bandtypischen Chöre während des Refrains.
Nahtlos gestaltet sich der Übergang zu „Sverðið“, dem zweiten Stück des Albums, welches deutlich ruhiger ausgerichtet ist und mehr von den altbekannten Melodien zurückbringt. Im Grunde genau das, was man von diesem Sextett erwartet. Großartige Melodien verbinden sich mit mehrstimmigen Chören und dem typisch kräftigen Gesang von Björgvin Sigurðsson.

Wie bereits erwähnt, wären SKÁLMÖLD aber nicht sie selbst, wenn sich das nun so fortsetzen würde und so kehrt die neu gewonnene Härte bereits bei den nächsten Stücken wieder zurück. „Sorgir“ ist wohl wirklich das rifflastigste Album, dass die Isländer bisher veröffentlicht haben und so wird die Präsenz von drei Gitarren gekonnt genutzt. Egal ob rockig angehaucht und von Orgelsounds unterstützt wie bei „Brúnin“, kurzzeitig an Metallica erinnernd („Barnið“) oder mit leichten Amon-Amarth-Anleihen wie bei „Gangári“, die drei Herren Björgvin, Baldur und Þráinn teilen sich ihre Aufgaben perfekt. Fast schon natürlich ergeben sich somit auch Möglichkeiten für starke Leads und das ein oder andere herausragende Solo („Gangári“).

Ähnlich wie beim letzten Album liegen die Besonderheiten aber im Detail. Die einmal mehr komplett in Isländisch gehaltenen Texte klingen nicht nur authentisch, sondern sie nutzen gefühlt ein völlig eigenes Vers- und Reimsystem. Damit verbunden sind auch die bandtypischen Melodien, welche die skandinavischen Wurzeln stark repräsentieren, ohne dass man in die sonst so häufigen kitschigen Regionen abgleitet. Die neu gewonnene Härte unterstreicht zudem den rauen Charme, den man Island und seinen Einwohnern seit jeher nachsagt. „Sorgir“ bietet mit jedem neuen Hördurchlauf aber noch viel mehr Details, auf die zu achten sich lohnt. Minimale Tempowechsel in den Songs, sich verschiebende Nuancen bei den Chören oder dezent platzierte Keyboards sind da nur einige Beispiele.
Neben der Musik ist aber auch das lyrische Konzept hinter „Sorgir“ sehr interessant gestaltet. Jeweils zwei der Stücke auf dem Album bilden Paare und erzählen die gleiche Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln. So bilden der erste und der fünfte Song auf dem Album zum Beispiel ein Paar.

Insgesamt liefern SKÁLMÖLD mit „Sorgir“ also genügend Stoff für diverse Winterabende und gönnen dem Hörer eine große Portion Abwechslung, wobei die melodischeren Stücke erst ganz am Ende warten. („Móri“ und „Mara“)

Bewertung: 9 / 10

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