CD-Review: Skálmöld - Vögguvísur Yggdrasils

Besetzung

Björgvin Sigurðsson - Gesang, Gitarre
Baldur Ragnarsson - Gitarre, Gesang
Þráinn Árni Baldvinsson - Gitarre, Gesang
Snæbjörn Ragnarsson - Bass, Gesang
Jón Geir Jóhansson - Schlagzeug, Gesang
Gunnar Ben - Keyboard, Oboe, Gesang

Tracklist

01. Múspell
02. Niflheimur
03. Niðavellir
04. Miðgarður
05. Útgarður
06. Álfheimur
07. Ásgarður
08. Helheimur
09. Vanaheimur


Für Metalheads aus der ganzen Welt gilt Skandinavien vollkommen zu Recht als stets zuverlässiger Export guter Musik. Dabei ist Island in der Hinsicht jedoch ein Land, welches hinter Norwegen, Schweden oder Finnland zurückbleibt und weit weniger als genannte Staaten für seine Metalszene bekannt ist. Eingefleischte Freunde des nordeuropäischen Viking Metals wissen jedoch: Mit SKÁLMÖLD stammt aus genau diesem Land eine Truppe, die sich in den sieben Jahren ihres Bestehens einen guten musikalischen Ruf erarbeitet hat und mit „Vögguvísur Yggdrasils“ ihr viertes Album veröffentlicht.

Mal Hand aufs Herz: Wem ist die erste Auskoppelung „Niðavellir“ nicht sofort beim ersten Hördurchgang in alle Gelenke gefahren und hat neben einem steifen Nacken auch jede Menge gute Laune und dieses Gefühl von „alleine wegen diesem Song muss ich dieses Album besitzen!“ zurückgelassen? Nun ist es bei vielen Alben doch so, dass im Vorfeld ein Song vorgestellt wird, von dem man scheinbar weiß, dass er richtig zünden wird, und der Hörer dann aber ernüchtert feststellt, dass der Rest der Platte da längst nicht mithalten kann.
Nicht so aber bei SKÁLMÖLD und „Vögguvísur Yggdrasils“: Wenngleich „Niðavellir“ zugegebenermaßen der Überhit auf dem Album bleibt (was bei einer der wohl hartnäckigsten Ohrwurm-Melodien des Jahres aber auch nicht weiter verwundert), so ist es doch nicht schwer zu erkennen, dass in den anderen acht Songs nicht weniger Liebe zum Detail und kompositorische Finesse stecken, die die Nummern besonders machen. Ob das nun geniale und im vielschichtigen Soundgewand sofort auffallende Riffs, epische Melodien oder der Gesang sind: Jeder Song, obschon er sich nicht von Anfang an vollends erschließt, besitzt diese einzelnen, besonderen Momente, wegen denen alleine man ihn immer wieder hören möchte und die mit der Zeit ein großes Ganzes ergeben. Dabei kommt dem bereits erwähnten Gesang eine wichtige Rolle zu: Im Vordergrund stehen Björgvin Sigurðssons kräftige Growls, doch damit ist noch lange nicht Schluss. Die Ergänzungen um Screams und um Klargesang sorgen für Abwechslung bei der Intonation der isländischen Lyrics und sind stimmig integriert. Zu einem sehr großen Teil profitiert der Sound auch davon, dass sich einmal mehr alle sechs Musiker stimmlich beteiligen, was chorale Momente ermöglicht, die episch anmuten, ohne einmal in Richtung Kitsch abzudriften.

Wenn man SKÁLMÖLD hinsichtlich ihrer vierten Platte einen Strick drehen kann, dann wohl nur daraus, dass gerade bei den ersten Hördurchgängen die übrigen Songs doch ein wenig im Schatten des Krachers „Niðavellir“ verweilen müssen, bis sie daraus hervortreten können. Umgekehrt ließe es sich vielleicht auch so betrachten, dass diese Nummer im Vergleich zum Rest einen Deut zu sehr auf Eingängigkeit getrimmt worden ist, denn ganz so einfach machen es SKÁLMÖLD dem Hörer mit den anderen Songs nur selten. Ein großer Makel ist dies jedoch nicht, denn zu keiner Zeit lässt „Vögguvísur Yggdrasils“ die Freude und den Genuss an der Musik einreißen, sondern im Gegenteil wird vom ersten bis zum letzten Song ein Sound zelebriert, der Epik, Härte und nicht zuletzt atmosphärischen, nordischen Spirit in sich vereint. Damit spielen sich SKÁLMÖLD mit ihrem vierten Album mühelos in die obere Qualitätsklasse dessen, was der Viking Metal derzeit zu bieten hat.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: