Megadeth – „Behind The Mask“ als Listening-Event im Kino

Megadeth - Behind The Mask

Nach über 40 Jahren läutete MEGADETH-Gründer und -Mastermind Dave Mustaine mit dem selbstbetitelten Album “Megadeth“ den Schlussakt der Bandgeschichte ein. Passend dazu wird das neue Album im Rahmen des cineastischen Listening-Events beworben: „Megadeth – Behind The Mask“. Dieses soll, neben der Präsentation der zehn neuen Tracks und dem Cover von “Ride The Lightning“, mit historischen Ausflügen und Kommentaren von Mustaine zum Thema MEGADETH überzeugen. Die Zeit bei METALLICA lässt ihn aber auch auf seiner letzten Platte nicht los.

Teils wurde der Kinofilm “Megadeth – Behind The Mask“ als immersive Dokumentation beworben. Wer nun aber davon ausgeht, einen tiefen historischen Abriss der Bandgeschichte zu bekommen, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Es handelt sich eher um ein reines Listening-Event. Und so steigt der Film nach einer kurzen, aber prägnanten Einführung durch Dave Mustaine direkt mit dem Musikvideo zum Album-Opener “Tipping Point” ein. Das macht zwar visuell wie auch den Song betreffend Laune und Lust auf mehr – leider war das aber schon der Höhepunkt bei der Präsentation der einzelnen Songs.

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Zwischen den Liedern sieht man Mustaine in einem Tonstudio sitzen, umgeben von Gitarren, Verstärkern und Mischpulten. Während er im Wechsel Informationen zur Produktion des neuen Albums, Ausflüge in 40 Jahre MEGADETH und Insights zu den einzelnen Songs teilt, blättert er pathetisch in einem übergroßen Buch. Zu Wort kommt im Übrigen nur er selbst: Die restlichen Bandmitglieder sind nur gelegentlich in den Einspielern zu sehen. Einen gewissen Hang zur Selbstdarstellung kann man Dave bei der Inszenierung durchaus unterstellen.

Neben dem Opener gibt es im Film nur noch zu “I Don’t Care” ein Musikvideo zu sehen. Das ist sehr verwunderlich, da auch zu “Let There Be Shred” ein entsprechendes Video existiert. Stattdessen werden zu dem Song jedoch die immer wieder gleichen Konzertplakate eingeblendet – das wirkt dann doch sehr einfallslos. Für die restlichen Songs greift die Produktion noch tiefer in die „Trickkiste“ und zeigt meist einfach nur statische Bilder, die obendrein wie von einer KI erstellt wirken. Durch die gelegentlich darübergelegten, billig wirkenden Effekte werden sie leider nicht spannender.

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Auch das letzte MEGADETH-Stück “The Last Notes” ist lieblos präsentiert: Das Band-Maskottchen Vic Rattlehead wendet sich unter Flammenanimationen von den Zuschauern ab und die Kamera schwenkt über den gesamten Song hinweg langsam nach unten. An den Seiten ist im Stil von Ölgemälden die aktuelle Bandbesetzung zu sehen. Zum Schluss wird noch ein Sonnenuntergang eingeblendet, der so gar nicht zum restlichen Stil passt. Das wirkt arg kitschig und gänzlich unnötig. Ein wenig Melancholie macht sich angesichts des allerletzten Songs von MEGADETH trotzdem breit. 

Das Cover des selbst betitelten Megadeth-Albums

Und dann ist da natürlich noch „Ride The Lightning“: Der müde und kraftlos wirkende Bonus-Coversong wird (wie kreativ!) durch zuckende Blitze im Hintergrund untermalt. Auch musikalisch steht diese Version des METALLICA-Klassikers klar hinter dem Original zurück. Dass Dave diesbezüglich nochmal hervorhebt, die Neuinterpretation solle nicht als Racheakt angesehen werden, ist auch gut so: Der wäre nämlich klar nach hinten losgegangen. 

Generell wird die Beziehung zwischen Dave Mustaine und METALLICA bereits zu Beginn des Films als sehr harmonisch dargestellt. Das war, mit Blick auf die Karriere von MEGADETH, nicht selbstverständlich. Was für Dave aber zweifelsohne im Mittelpunkt steht, ist die Beziehung zu seiner Fanbase, ganz nach dem Motto: einmal Fan, immer Fan. Dass die Kommunikation mit den Fans schon immer ein wichtiger Punkt für Dave ist, zeigt auch die Tatsache, dass MEGADETH als erste Band überhaupt eine Website hatte. Neben solchen Fun-Facts kommen auch andere, prägende Ereignisse aus der Bandhistorie zur Sprache, darunter das Erdbeben während der Dreharbeiten zu „Trust“, schwere Krankheitsfälle in der Familie, Daves eigene Krebserkrankung und, als Höhepunkt, die Grammyverleihung für „Dystopia“.

Mit “Megadeth – Behind The Mask” bekommt man einen kurzweiligen Fanservice-Film zum neuen Album geboten. Dabei ist etwas MEGADETH-Hintergrundwissen von Vorteil, um die historischen Schnipsel besser einordnen zu können. In seiner insgesamt aber eher lieblosen Machart wird der Film dem Wirken von Mustaine sowie dem Werk von MEGADETH nicht ansatzweise gerecht und bleibt klar hinter den Erwartungen zurück. So macht der Film MEGADETH kleiner, als sie waren – nicht zuletzt, weil er ein weiteres Mal den Eindruck erweckt, dass METALLICA die Klammer um das gesamte Wirken von Dave Mustaine bilden. Denn so wie seine Karriere mit ihnen gestartet ist, endet die Karriere von MEGADETH – und auch der Film mit “Ride The Lightning“. Dass Mustaine ausgerechnet an dieser Stelle nicht die Selbstsicherheit hat, sein Lebenswerk ohne verbitterte „Was wäre gewesen, wenn …“-Gedanken zu zelebrieren, ist schade. Man hätte es ihm gegönnt.

Ganz verabschieden muss man sich aber noch nicht, denn MEGADETH möchten das letzte Album noch ausgiebig betouren. Im deutschsprachigen Raum stehen folgende Termine an:

02.06.26 – Hannover, Heinz-von-Heiden-Arena
07.06.26 – Gelsenkirchen, Amphitheater
15.06.26 – Zürich (CH), Halle 622
16.06.26 – Wien (AT), Gasometer

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Michael Schurig

Publiziert am von

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