„The Ballad Of Judas Priest“ – Weltpremiere bei der 76. Berlinale

Judas Priest, Film, Berlinale
© Paul Natkin

Der erste offizielle Dokumentarfilm über JUDAS PRIEST – „The Ballad Of Judas Priest“ – erblickt auf der 76. Berlinale das Licht der Welt. Zur Weltpremiere in der Uber Eats Music Hall in Berlin sind neben den Regisseuren Sam Dunn und Tom Morello (RAGE AGAINST THE MACHINE) auch Metal-God Rob Halford höchstpersönlich anwesend. Bevor es losgeht, geben sich Dunn und Morello die Ehre, den Abend einzuleiten. Letzterer bringt das Publikum in Stimmung, indem er drei Fragen stellt: Sind Metal-Fans anwesend? Gibt es hier auch JUDAS-PRIEST-Fans? Sind Independent-Film-Fans oder Musikliebhaber da, die JUDAS PRIEST nicht kennen und sich darauf freuen, heute von der Dokumentation umgehauen zu werden? Das Publikum quittiert mit lautem Jubel und Klatschen.

Berlinale-Logo zu The Ballad Of Judas Priest

Der Film beginnt – als Erstes bekommt man das Gesicht von Jack Black in Nahaufnahme. Es soll nicht das letzte Mal sein. Black leitet kurz und knackig in die Doku ein, bevor zu „You’ve Got Another Thing Coming“ Ausschnitte von Konzert- und Festivalauftritten gezeigt werden. Zu begleitenden Worten von Rob Halford sorgt bereits diese Szenerie für Gänsehautmomente. Der Auftakt in eine Dokumentation, der schwerlich besser umzusetzen ist, ist gesetzt.

Die Macher setzen historisch an – mit den Anfängen der Briten in den Arbeitervierteln von Birmingham. Parallelen zu BLACK SABBATH zu ziehen, bietet sich an, und so bekommt auch Ozzy Osbourne immer wieder die Möglichkeit, den einen oder anderen Kommentar abzugeben. Auch in diesen Aufnahmen, die wohl zu den letzten der 2025 verstorbenen Szene-Legende gehören, hat der Sänger seinen typischen, äußerst sympathischen Humor nicht verloren. Durch Ozzy und Rob, aber auch sonst finden sich immer wieder Momente, die zum Schmunzeln anregen.

Die Dokumentation umreißt zu Beginn die Frühphase von JUDAS PRIEST und zeigt unter anderem den Ort des ersten Konzerts, die St. John’s Hall Essington, und Szenen des ersten Fernsehauftritts in der Musikshow „The Old Grey Whistle Test“. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang: Rob Halford trägt zum Fernsehauftritt ein Outfit aus dem Fundus seiner Schwester. Bereits jetzt ist der extravagante Kleidungsstil des Sängers zu erkennen, der später in dem ikonischen Nieten- und Lederoutfit mündet, das die Metalwelt bis heute prägt. Entstanden ist die Idee in den Sexshops der Rotlichtviertel von London. Nach einer ausgiebigen Shoppingtour von Rob wurde das Outfit für ihn und später auch für den Rest der Band ein Markenzeichen.

Weltpremiere Berlinale

Aufgelockert werden die Ausschnitte aus der Karriere von JUDAS PRIEST immer wieder durch Kommentare der Bandmitglieder. Dabei wechseln sich Rob Halford, Glenn Tipton, Richie Faulkner, Ian Hill und Scott Travis mit interessanten und lustigen Anekdoten ab. Neben der aktuellen Besetzung gibt auch K.K. Downing seine Sichtweise zu verschiedenen Situationen ab. Neben den bereits erwähnten Jack Black und Ozzy Osbourne haben auch weitere Stargäste die Möglichkeit, einen Kommentar abzugeben.

Besonders emotional sind dabei zwei Momente, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein Ausschnitt, der Jack Black zeigt, wie er einen JUDAS-PRIEST-Song ausschließlich mimisch wiedergibt. Das Lachen einiger Zuschauer ist vorprogrammiert. In einem weiteren beschreibt Kirk Hammett von METALLICA, wie wichtig Musik für ihn ist – so wichtig wie Medizin. Dabei ist er zu Tränen gerührt, was absolut authentisch wirkt.

Dem Freundeskreis von Rob ist schon immer bekannt gewesen, dass er schwul ist. Ein Outing sollte es aber auf Anraten der Musikindustrie, aber auch seiner Bandkollegen, nicht geben. Es bestand die Angst, dass ein schwuler Mann im Metal keine Akzeptanz finden wird. Das hat Rob sehr belastet und in eine Alkoholsucht getrieben. Diese konnte er glücklicherweise Anfang 1986 überwinden. Heute weiß man es glücklicherweise besser und sein Outing im Jahr 1997 hat am Status der Band und von Rob Halford rein gar nichts geändert. Eher im Gegenteil, war und ist er doch eine Lichtgestalt für die queere (Metal-)Szene. Was man aber sagen muss: Ein Song wie „Grinder“ erstrahlt nach dem Outing in einem anderen Schein.

Weltpremiere BerlinaleDer Aufstieg und damit verbundene kommerzielle Erfolg haben sich im Laufe der 80er Jahre ergeben. Der wichtigste Song für JUDAS PRIEST ist bis heute „Breaking The Law“. Die immer negativere Wahrnehmung von Heavy Metal in der Öffentlichkeit der 90er Jahre hatte für JUDAS PRIEST eine besondere Schattenseite: Beim Hören des Albums „Stained Class“ haben die beiden jungen Männer James Vance und Raymond Belknap unter Drogen- und Alkoholeinfluss einen Suizidpakt geschlossen. Bei diesem tragischen Ereignis ist Belknap gestorben und Vance stark entstellt zurückgeblieben. Wegen angeblicher unterschwelliger Botschaften in den Songs von JUDAS PRIEST wurden sie von den Angehörigen der Geschädigten verklagt – und später freigesprochen.

Eine Debatte, die nach Aussage von Rob bis heute nicht ganz ausdiskutiert ist, ist der Split mit der Band nach dem Album „Painkiller“ im Jahr 1992. Während Rob es als Schritt zur Seite mit Absicht zur Rückkehr gesehen hat, hat es die Band als Ausstieg betrachtet. Die Zeit bis zu seiner Rückkehr im Jahr 2003 wird in der Dokumentation nicht weiter vertieft. Nachdem Rob wieder zur Band gestoßen ist, tut sich K.K. Downing damit sehr schwer und sein Ausstieg bahnt sich an. Der Ersatzmann, Richie Faulkner, steigt 2011 ein und spielt bis heute an der Gitarre.

Die Parkinsonerkrankung von Glenn Tipton ist 2018 bekannt geworden. Bis heute ist er festes Mitglied von JUDAS PRIEST, konzentriert sich seitdem aber mehr auf Songwriting und Produktion. Dieses Leiden teilten sich Glen und Ozzy und beide unterstützten einander, um weiterzukämpfen. Den Abschluss der Dokumentation bildet die Aufnahme von JUDAS PRIEST in die Rock ’n’ Roll Hall of Fame. 50 Jahre Geschichte sind somit geschrieben und mit dem Einsetzen des Abspanns applaudiert der gesamte Saal für die Protagonisten und Filmschaffenden – und das zu Recht.

Weltpremiere Berlinale

Rob Halford, Tom Morello und Sam Dunn lassen es sich nach dem Film nicht nehmen, einen Dank für die Möglichkeit zur Präsentation des Films im Rahmen der Berlinale auszusprechen. In dem Zuge gibt Rob preis, dass auch er die Dokumentation das erste Mal in Gänze gesehen hat. Die Moderatorin interviewt die drei noch und es werden einige interessante Fragen beantwortet. Mit dem Verlassen der Bühne endet die Weltpremiere von „The Ballad Of Judas Priest“.

In den vergangenen Monaten sind mit den Dokumentationen von DESTRUCTION, KREATOR und MEGADETH einige Zeitzeugnisse namhafter Bands erschienen. Aber wie so oft haben JUDAS PRIEST auch hier klar die Nase vorn. „The Ballad Of Judas Priest“ ist ein kurzweiliges und äußerst sehenswertes Erlebnis. Die historischen Abrisse, immer wieder aufgelockert durch Kommentare verschiedener Zeitzeugen, bleiben interessant und spannend. Sam Dunn und Tom Morello liefern ein gelungenes Werk über das Wirken und den Einfluss von JUDAS PRIEST in 50 Jahren Metal-Geschichte ab, das sich sehen lassen kann.

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Publiziert am von

Fotos von: Michael Schurig

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