Auch wenn das letzte SMOULDER-Album „Violent Creed Of Vengeance“ durchaus seine kauzigen Seiten hatte, gehörte es doch 2023 neben Scheiben wie „Might & Power“ von MEGATON SWORD, „The Era Of Darkness“ von CROM oder „Storming The Walls“ von TRIUMPHER zu den spannendsten Veröffentlichungen im Epic-Metal. Wer nun hofft, dass die finnisch-kanadische Truppe um Frontfrau Sarah Ann diesen Weg auf dem neuen Werk „Witch Wife In An Alien World“ fortsetzt, dürfte bitter enttäuscht werden. Denn während Epic-Metal nur noch ein musikalischer Einfluss von vielen ist, haben SMOULDER den Kauz-Faktor auf Anschlag gedreht.
Der Opener „Water Wars“ beginnt eigentlich erstmal vielversprechend: Flotter US-Metal und NWOBHM dürften „Water Wars“ zu einer der treibendsten Nummern der Band machen, funktionieren als Einstieg aber genau richtig. Doch wenn Sarah Ann anfängt zu singen, stellen sich einem als Hörer doch die Nackenhaare auf. War man schon von den bisherigen Alben zum Teil abenteuerliche Vocals der Frontfrau gewohnt, singt sie auf diesem Track einfach konsequent schief. Die Produktion macht es fast noch schlimmer, denn „Witch Wife In An Alien World“ ist scheinbar absichtlich so dünn und „oldschool“ produziert, dass der Gesang sehr deutlich hervorsticht. Wer nach diesem Opener dranbleibt, ist entweder Hardcore-Fan der Band oder abenteuerlustig.
Über die Laufzeit des Albums wird es zumindest etwas besser, denn mit „Shadow Of The Vulture“ geht es überraschend eingängig weiter. Mit seinem stampfenden Rhythmus und dem gut zum Grölen geeigneten „Blood, Fire, Death“-Refrain geht der Song direkt in Nacken und Ohr. Auch „Crush The Neophytes“ gefällt mit wuchtigen Riffs, die mit einer besseren Produktion sicherlich noch deutlich mehr geknallt hätten. Wer bis hierhin den Epic-Metal schmerzlich vermisst hat, kommt bei „Empathy’s Wrath“ endlich auf seine Kosten. Breitbeinige Riffs, große Harmonien und der Beweis, dass Sarah Ann nach wie vor singen kann, machen das Stück zum Highlight auf „Witch Wife In An Alien World“.
Leider wollen SMOULDER ihre Kauzigkeit und Andersartigkeit auf Album Nummer drei aber mit aller Gewalt unter Beweis stellen. Selbst wenn man die billige Produktion ignoriert, den gesanglichen Totalausfall bei Songs wie „Noitien Loitsu“ oder in den Strophen des finalen „Smouldering Remains“ kann man nicht überhören. Hinzu kommt, dass sich SMOULDER anscheinend nicht einigen konnten, welches Genre sie auf „Witch Wife In An Alien World“ eigentlich spielen wollen. Mag Schubladendenken in zu strikter Form engstirnig und limitierend sein, bringt es auch nichts, auf einem Album Pagan-Metal, Black Metal, Epic-Metal, NWOBHM, US-Metal, Doom und Hard Rock spielen zu wollen, wenn am Ende doch der rote Faden fehlt.
Mögen SMOULDER menschlich und von ihrer Einstellung her auch noch so sympathisch sein, mit „Witch Wife In An Alien World“ haben sie ein herausforderndes, bisweilen nur schwer hörbares Album veröffentlicht. Gerade die Qualität der letzten Scheibe „Violent Creed Of Vengeance“ macht es umso unverständlicher, wieso SMOULDER inzwischen Eigenständigkeit mit schiefem Gesang, schlechter Produktion und einem wilden Stilmix gleichsetzen. Das dritte Album der Band hat seine Lichtblicke, insgesamt ist es aber einfach zu unausgegoren und edgy, um wirklich Spaß zu machen.
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Wertung: 5 / 10


