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Review Mental Cruelty – Echoes of a Forlorn Land

„Echoes Of A Forlorn Land“ steht bei MENTAL CRUELTY ganz und gar im Zeichen der alten nordischen Mythen und Sagen. Erste Ansätze und Ausflüge in mythische Welten waren bereits auf ihrer zweiten Platte „Inferis“ zu erkennen. Auf „Zwielicht“ hielten dann auch immer stärker symphonische Klänge Einzug, Lukas Nicolai kam neu am Mikro dazu und nordische Sagenwelten spielen eine immer größere Rolle im Kosmos von MENTAL CRUELTY. Diese Wandlung gipfelt in ihrem fünften Studioalbum „Echoes Of A Forlorn Land“ mit einem stimmigen und durchgehenden Konzept.

Das verträumte und atmosphärische Instrumentalstück „Weltennacht“ schafft es, die richtige Stimmung für das, was folgen soll, zu setzen. Dabei lassen es sich die vier Jungs aus Karlsruhe nicht nehmen, auch hier schon mal die härteren Riffs herauszuholen. Noch einmal darf man in Ruhe Luft holen, bevor man dem Mächtigen „Fenrir“ gegenübersteht. Dieser ist nicht nur in der Mythologie furchteinflößend, nein, auch der gleichnamige Opener ist ein echtes Biest. Aggressive Riffs und wuchtige Doublebass bereiten den Urschrei von Lukas vor, der eines Wolfes würdig ist. Erste Einflüsse altnordischer Instrumente und Orchestrierungen blitzen schon hervor. Bereits jetzt zeigt sich die großartige Gitarrenarbeit von Marvin Kessler und Nahuel Lozano, die sich durch das gesamte Album zieht.

„Blood For Blood“ schließt sich direkt an und reißt einen in eine brutale Welt aus Rache und Blut. Die Nordic-Folk-Klänge werden dabei zu Beginn bewusst betont, die raue Seite des Songs durch klare Blackened-Death-Metal-Einflüsse gestützt. Dem gegenüber stehen treibende, melodische und folkige Elemente, die wie durch einen Schleier zum Vorschein kommen. Die immer wiederkehrende Verknüpfung von Nordic Folk und Deathcore überrascht, ist aber sehr gelungen umgesetzt. Das kommt im Besonderen bei „Frost“ zur Geltung. Neben, wie der Name vermuten lässt, frostigen Black-Metal-Einflüssen stechen ebendiese Nordic-Folk-Klänge besonders hervor. Wer in dem Spiel „The Witcher 3: Wild Hunt“ in Velen unterwegs war, weiß, welche Atmosphäre heraussticht.

MENTAL CRUELTY können aber auch richtig fies werden. So zeigt Nicolai auf dem tiefgestimmten Stampfer „The Serpent Of Midgard“, welche keifenden Schreie er aus sich herausholen kann. Auf dem Weg in das Reich der Toten geht es mit „Helheim“. Der angeraute Klargesang passt thematisch gut, und es wird der erste richtige Breakdown der Platte aus dem dunklen Schlund Helheims hervorgeholt. Mit Synthie-Sound untermalt und einer eher positiven Grundstimmung fällt „Cry Of Batariel“ ein wenig aus dem Raster. Der moderne Ansatz wird auch in dem Stück mit nordischen Klängen verbunden, Erinnerungen an Power Metal kann man nicht ganz zur Seite schieben.

Bevor das Ende eingeleitet wird, ziehen MENTAL CRUELTY mit der Kriegshymne „Raise The Raven Banner“ in die Schlacht. Wilde, keifige Stellen wechseln sich mit melodischen Parts ab. Zum Ende hin gibt es eine schwere und lang gezogene Passage, die dem Song Größe verleiht und dem Sound deutlich mehr Raum gibt, um sich auszubreiten. Den emotionalen Höhepunkt kündigt melodisches Gitarrenspiel an, bevor der Kampf mit Galopp und Meeresrauschen sein Ende findet.

Zu Donner, Gewitter und Klavierklängen kündigt „Dämmerbruch“ das große Finale „Ride Of The Valkyries“ an. Wilde Gitarren und epische Orchestrationen treiben den Song voran, so wie man sich auch den Ritt der Walküren vorstellt. Mit einfließenden Chören wird eine erhabene und epische Atmosphäre erzeugt. Dass dieser Song gut an das Ende von „Echoes Of A Forlorn Land“ passt, liegt auf der Hand, beschreibt er doch die letzte Reise der Nordmänner in die goldene Halle des Allvaters.

Rastlos, mit wenigen ruhigen Momenten, dadurch aber umso kurzweiliger und spannender ist „Echoes Of A Forlorn Land“. Die Entwicklung von MENTAL CRUELTY weg vom geradlinigen Deathcore hat sie dazu gebracht, ihren ganz eigenen Stil zu entwickeln. Die Einschläge von Blackened-Death-Metal, Black Metal und vor allem Folk Metal geben dem Deathcore-Unterbau einen ganz neuen Anstrich. Dabei kann die Fusion all dieser Elemente nur als gelungen bezeichnet werden. So zeigen sich MENTAL CRUELTY auf „Echoes Of A Forlorn Land“ noch einmal deutlich gereifter und blicken einer hoffnungsvollen Zukunft entgegen.

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Wertung: 9.5 / 10

Michael Schurig

Publiziert am von

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