Interview mit Paul "Shorty" Van Camp von Killer

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Mit KILLER verabschiedet sich eine der ältesten Heavy-Metal-Bands Belgiens nach über 45 Jahren in den Ruhestand. Natürlich kann man sich nach knapp fünf Jahrzehnten nicht einfach lautlos davonstehlen, weshalb die Truppe aus Antwerpen mit dem passend betitelten „The Grand Finale“ noch ein letztes Album aufgenommen hat – eine Platte, die sie gleichzeitig auch als Hommage an den verstorbenen MOTÖRHEAD-Boss Lemmy Kilmister ankündigte. Wir hatten Gelegenheit, mit Frontmann und Bandgründer Paul „Shorty“ Van Camp zu sprechen, der mit dem Ende seiner Band absolut im Reinen zu sein scheint.

Das Logo der Band Killer

Hi, Shorty, und danke, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast! Lass uns mit dem Offensichtlichsten beginnen: KILLER haben ihr letztes Album angekündigt. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um eure Karriere zu beenden?
Meine Absicht war es bereits, Ende 2025 aufzuhören, weil ich dachte, dass das Interesse an KILLER bei den Fans, den Konzertveranstaltern, dem Plattenlabel, den Medien usw. nach 45 Jahren nachlassen würde. Aber anscheinend lag ich ein bisschen falsch, denn plötzlich bekam ich viele Reaktionen von Fans usw., die mich BITTE NICHT aufhören lassen wollen!

Bedeutet das, dass die Band endgültig aufhört zu existieren, oder werdet ihr weiterhin Konzerte spielen?
Wir werden so bald wie möglich aufhören, aber ich setze kein festes Enddatum. Wir sind flexibel und wir werden das Abschiedsalbum veröffentlichen sowie eine große Tour als Special Guest von ANVIL spielen. Und wenn wir interessante Angebote erhalten, werden wir diese in Betracht ziehen, um sie anzunehmen oder abzulehnen. Aber das „Finale“ wird kommen.

Euer letztes Album trägt den treffenden Titel „The Grand Finale“. Was macht diese Platte zum richtigen Abschluss einer Karriere, die viereinhalb Jahrzehnte gehalten hat?
Auf dem neuen Album gehen wir zurück zu unserem Sound und in den Songstrukturen aus den frühen 80er-Jahren. Die Leute mögen immer noch Old-School-NWOBHM-Musik. Auf einigen unserer späteren Platten waren wir progressiver und haben Songs mit komplexerer Musik gemacht (siehe die Alben „Broken Silence“ und „Immortal“). Aber das wurde von den Old-School-Fans nicht immer geschätzt. Obwohl ich sehr stolz auf diese Alben bin und sie vielleicht unser bestes Material enthalten. Aber wie gesagt, jetzt gehen wir zurück zu den Wurzeln.

Ein Foto der Band Killer

Hattest du beim Schreiben der Songs für „The Grand Finale“ das Gefühl, unter erhöhtem Druck zu stehen, weil es euer letztes Album sein würde?
Nein, ich hatte keinen Druck, weil es nicht unsere Absicht war, ein neues Album zu machen. Um ehrlich zu sein – und ich mache jetzt ein Geständnis – enthält das Album etwa sieben Überbleibsel aus früheren Alben und meinem letzten Soloalbum. Außerdem habe ich drei neue Songs komponiert. Die Überbleibsel waren zu gut, um sie in den Müll zu werfen. Ich habe sie etwas angepasst und aufgefrischt und das Ergebnis ist top. Der einzige Druck, den wir hatten, war, schnell aufzunehmen, weil unser neues Label, High Roller, uns eine sehr kurze Frist gesetzt hat. Das war notwendig, um das Album im September kurz vor Tourbeginn zu veröffentlichen.

Du hast „The Grand Finale“ als „eine Hommage an Lemmy von MOTÖRHEAD“ angekündigt. Hattest du Angst, dass du durch den Vergleich mit einer der größten Metal-Bands von Anfang an Erwartungen weckst, die vielleicht unerfüllbar sind?
Nein, nein – wir sind KILLER, nicht MOTÖRHEAD. In unseren frühen Tagen wurden wir mit MOTÖRHEAD verglichen, weil auch wir ein Trio waren und einige Songs mit rauer Stimme hatten. Aber mit einer der größten Rockbands der Geschichte verglichen zu werden ist eher ein Kompliment als eine Beleidigung. Inzwischen haben wir bewiesen, dass wir als KILLER eigenständig bestehen können. Natürlich sind wir Fans von MOTÖRHEAD – wer ist das nicht? Und tatsächlich gehen einige der neuen Songs in die Richtung unserer frühen MOTÖRHEAD-ähnlichen Tage. Ich denke, keiner unserer Fans wird sich darüber beschweren.

Auf „The Grand Finale“ gibt es durchaus einige Songs, die unverkennbar von MOTÖRHEAD inspiriert sind. Sogar Lloyd von Motorheadz hat bei einigen mitgesungen – wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
Ich spiele auch Gitarre in Lloyds Tribute-Band, daher war es ein logischer Schritt, ihn als Special Guest für zwei Songs zu fragen. Wir haben viele Auftritte mit unserer Tribute-Band, weil Cover heutzutage sehr gefragt sind – besonders von Bands, die nicht mehr existieren. Außerdem ist Lloyd die wahre Reinkarnation von Lemmy – im Sound, im Aussehen und in seiner Einstellung!

Das Cover von "The Grand Finale" von Killer

Für mich fühlt sich „The Grand Finale“ wie eine Hommage an die NWOBHM insgesamt an. Welche Bands haben euren Sound und dieses Album im Besonderen beeinflusst?
Ich bin hauptsächlich von mir selbst und KILLER beeinflusst. Persönlich bin ich eher von Gitarristen wie MICHAEL SCHENKER, Frank Marino, GARY MOORE usw. inspiriert … Aber ich würde sagen, dass „The Grand Finale“ eine Mischung aus SAXON und MOTÖRHEAD ist – das ist die beste Beschreibung und der beste Vergleich, den ich geben kann.

KILLER waren eine der ersten international erfolgreichen Metal-Bands aus Belgien. Wie war sah die Szene aus, als ihr angefangen habt, und wie würdest du sagen, hat sie sich heute verändert?
Man kann das auf zwei Arten sehen. Anfang der 80er gab es weniger Konkurrenz, weil nur wenige Metal-Bands existierten. Jetzt gibt es Tausende von Bands, und der Kuchen muss für alle reichen, anstatt nur für wenige. Aber heutzutage ist es viel einfacher, seine Musik weltweit zu verbreiten. Durch das Internet und soziale Medien ist die Welt kleiner geworden. Nur wenige Plattenfirmen waren in den 80ern an Metal interessiert. Es gab kaum Airplay im Radio oder im Fernsehen, kein gutes Management, nur wenige Metal- und Rock-Magazine usw. Es war für Bands damals schwieriger als heute.

Was würdest du als die größten Momente in der Karriere von KILLER nennen?
Die Veröffentlichung unseres ersten Albums „Ready For Hell“ im Jahr 1980 war einer der großen Momente. Aber wir haben so viele andere schöne Erinnerungen, dass es zu viel ist, um sie alle zu nennen. Wir haben in verschiedenen Ländern gespielt – sogar in den USA – und so viele große und kleine Festivals besucht. Wir haben jede Minute davon genossen!

Was sieht es mit euren Tourplänen aus? Wird es bald eine Gelegenheit geben, KILLER in Deutschland zu sehen?
Ja, wir werden auf der Tour mit ANVIL viele Shows in Deutschland spielen. Sie haben uns als ihren Special Guest eingeladen!

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Thomas Meyns

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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