Interview mit Hotze und Fips von Knasterbart

Superstars haben bekanntlich nicht viel Zeit – im Falle von KNASTERBART haben sie auch noch verdammt wenig Lust auf Interviews und anderen Firlefanz. Unter größten Mühen (und mit der oder anderen flüssigen Bestechung) konnten wir Hotze und Fips dennoch ein paar Worte zu „Perlen vor die Säue“, Bratensauce und wahlweise Kneipenschlägereien oder Heiratsanträgen auf ihren Konzerten entlocken. Ein (selbstironisches) Hoch auf die Faulheit, den Müßiggang und Beleidigungen gegenüber Fans als Albumkonzept!

Hotze, Fips, heute ist Valentinstag und ihr spielt auf eurer „Perlen vor die Säue“-Tour in München. Was gibt es besseres?
Hotze: Nix.
Fips: Naja, man könnte auch in Hamburg spielen…

Wie zelebriert man standesgemäß den Valentinstag im Hause Knasterbart?
Hotze: Wir knutschen alle miteinander rum. Kann man sich aktuell bei Instagram angucken, Fips und ich in Aktion!
Fips: Das ist ein neues Konzept, das heißt Verwandtschaft Plus.

Als ihr zum letzten Mal in München eure „Abschaumparty“ gefeiert habt, war die Bude (und man munkelt auch einige der Anwesenden) voll. Dieses Mal seid ihr wieder ausverkauft. Ihr wisst selbst, wie gut ihr seid. Aber was mögen ausgerechnet die Bayern so gerne an euch?
Fips: Ich würde unsere Genialität nicht auf Bayern beschränken. Die ist ja überall so.

Aber ihr seid ja nicht überall ausverkauft gewesen…
Hotze: Woanders waren die Hallen größer. Aber wir mögen auch die Bayern!

Beim letzten Mal habt ihr auf der Bühne eine Tube Bratensauce überreicht bekommen – euer bis dato bizarrstes Geschenk?
Fips: Nein. Das ist sogar ein Geschenk, das wir relativ regelmäßig erhalten, so auch auf dieser Tour in Hamburg.
Hotze: Paar Kilo waren das schon.
Fips: Angeblich habe ich im Rahmen der „Perlen vor die Säue“-Tour bereits das Publikum in der ersten Reihe mit Bratensauce aus der Tube gefüttert.

War das ein schönes Erlebnis?
Fips: Es hat mich emotional schon berührt.

Euer aktuelles Album trägt den Titel „Perlen vor die Säue“. Wie ist das zu verstehen? Sind die Songs oder ihr die Perlen, die Zuhörer bzw. die Konzertbesucher die Säue?
Fips: Kunst erklärt man nicht.
Hotze: Das kann sich gerne jeder selbst zusammenreimen. Aber du hast das schon ziemlich korrekt zusammengefasst. Also, ja!

Noch weit bevor die Platte erschienen ist, habt ihr „Ringelpiez am Kiez“ und „Laich mich ein“ bereits live erprobt. War es reine Faulheit, weil ausgerechnet diese beiden Lieder schon fertig gewesen sind oder habt ihr euch ernsthaft etwas dabei gedacht?
Hotze: Nö, war Faulheit.
Fips: Wir hatten einfach noch nicht mehr Songs fertig. Wir sind sowieso wahnsinnig fleißig, wir spielen ganze 12 bis 13 Konzerte im Jahr mit jeweils zwei Stunden Arbeit pro Auftritt. Die neuen Songs helfen uns dabei, bei der ungeheuren Anzahl an Shows gewohnte Routinen zu durchbrechen. Außerdem macht es uns Spaß!

Ihr selbst bezeichnet euch ja, ohne arrogant klingen zu wollen, als besonders textstark. Auf welche literarischen Ergüsse seid ihr auf „Perlen vor die Säue“ besonders stolz?
Fips: Wieso denn ohne arrogant klingen zu wollen? Wer hat das denn gesagt?
Hotze: Man kann keinem Song seine Genialität absprechen. Es würde mir schwerfallen, einen bestimmten herauszupicken, weil jeder einzelne fantastisch ist. Es ist ein Werk, dass der Welt die nächsten paar hundert Jahre erhalten bleiben wird.
Fips: Wahrscheinlich sind viele noch nicht bereit, die Genialität zu begreifen. Nur weil es bei uns so einfach und spielerisch leicht aussieht, heißt das nicht, dass es jeder so gut kann wie wir.
Hotze: Es wird schon die ein oder andere Statue von uns geben.
Fips: Aus Gold.
Hotze: In Bayern.
Fips: Auf dem Marienplatz, my ass. Meine Option wäre Fipsplatz.
Hotze: Dann hätten sie endlich den ersten zentralen Ort nach uns benannt.

Wenn ihr ein riesiges Plakat auf dem Marienplatz gestalten könntet. Was würde darauf stehen?
Fips: Da wäre unser Foto von Instagram von heute zu sehen.

Fürchtet ihr nach „Bambis Mama“ die Rache der Vegetarier und Veganer?
Fips: Wieso denn das? Der Song ist doch pro Natur- und Tierschutz. Wir setzen uns ein für die Erhaltung der Welt!

Habt ihr „Gib dich auf“ besonders für eure depressiven Fans geschrieben, um ihnen den Rest zu geben? Ihr werdet ja immer bekannter und seid demnach auch gefragter…
Fips: Ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Texte auf „Perlen vor die Säue“ ist eine nicht wirklich diskrete Beleidigung unseres Publikums. Bei „Gib dich auf“ soll jeder ein bisschen darüber nachdenken, was wir ihm so mitgeben können für’s Leben. Das sind wir unseren Hörern schuldig.

Sind Kinderchöre nicht spätestens seit Unheilig uncool – und dann auch noch „Geboren um zu sterben“. Ist das nicht selbst für eure Verhältnisse und geringen Ansprüche etwas billig?
Hotze: Ja, im Grunde schon. Aber wir haben es trotzdem gemacht!
Fips: Aus Mangel an Ideen.

Auf „Perlen vor die Säue“ zeigt ihr zum ersten Mal eine Vorliebe für Degen, Pferde und Musketiere – aber mehr so auf freiwilliger Basis. Warum wolltet ihr ausgerechnet DArtagnan verdeutlichen, wo der Knaster den Bart hat? Seid ihr auf die schönen Haare neidisch, die Videos in Schlössern oder die Auftritte bei Florian Silbereisen?
Fips: Ja, alles.
Hotze: Sie haben den Fame, die hübscheren Fans und kriegen mehr Geld. Das wollen wir auch.

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Schmiedet ihr schon weitere Pläne für derlei huldigende Medleys mit Augenzwinkern?
Fips: Jeder, der sich als Steigbügelhalter andient. Schauen wir einfach, wer in zwei Jahren so populär ist!

„Herzchen im Schnee“ ist eure besinnliche Weihnachtshymne mit viel Flöteneinsatz. Habt ihr für Ostern auch etwas vorbereitet, vielleicht etwas Religiöses wie die Auferstehung des Heiligen Hotze?
Hotze: Vorbereitet haben wir natürlich nichts, da ist bei KNASTERBART gerade wieder eine ausgedehnte Pause. Aber gute Idee, das könnten wir auch mal durch den Dreck ziehen!
Fips: Vielleicht die Fortsetzung zu „Gossenglocken“…

Wieviel Branntwein mussten euch Napalm Records für eure Unterschrift bieten und wieso hat es so lange gedauert, bis ihr als absolute Superstars der Gosse bei einem namhaften Label untergekommen seid?
Hotze: Wir wollten das Projekt lange Zeit nicht so richtig ausbeuten. Dann wurde uns klar, dass wir Hilfe von einem Profi in Sachen Kommerz brauchen, wenn wir richtig Asche machen wollen und den letzten Kupper aus unseren Fans rausprügeln möchten. Also haben wir uns mehr angedient!

Welche Tipps konnten euch Napalm geben?
Fips: Dass wir unseren gesamten Ramsch, der in der Gosse liegt, in Fanboxen packen sollen.

Für die Special Edition habt ihr Kosten und Mühen erfolgreich gescheut…
Hotze: … und trotzdem sauteuer verkauft, das Ding.
Neben einem billigen Flachmann und einer Discount-Zahnbürste habt ihr eure Fans dazu aufgefordert, sich mit den beigelegten Schweinsnasen zu fotografieren, um ein Meet & Quiek mit euch zu gewinnen. Wieviele waren so engagiert, eurem Aufruf zu folgen?
Fips: Das waren tatsächlich weit über 100 Einsendungen.
Hotze: Ich habe ja gedacht, damit kommen wir raus aus der Nummer. Das macht ja keiner – naja, doch!

Und wollt ihr diese Menschen, die scheinbar bereit sind alles zu tun, tatsächlich treffen? Habt ihr keine Angst?
Fips: Das ist sogar schon passiert, das war ein sehr nettes Zusammentreffen. Ganz gemütlich bei Kaffee und Kuchen.
Hotze: Und Branntwein. Seit den Bratensauce-Geschichten von Fips habe ich aber vor nichts mehr Angst.

Die Bande Knasterbart wurde als Support von Torfrock geboren und von da an ging es steil bergauf. Vermisst ihr manchmal die Lagerfeuerabende zu zweit, nur als Hotze und Fips?
Fips: Ja, tatsächlich schon. „Laich mich ein“ ist eine ganz schöne Erinnerung an diese Zeit, da ich ihn zusammen mit Hotze vor einigen Jahren am Feuer geschrieben habe.

Habt ihr sonst noch Erinnerungen zu aktuellem Material?
Fips: Beim Schreiben von „Bambis Mama“ haben wir sehr viel zusammen gelacht, genau wie bei „Geboren um zu sterben“.

Bei „Bambis Mama“ seid ihr epochaler geworden…
Hotze: Angemessen!
Fips: Klingt halt wie ein Disney-Song.

Wer von euch beiden ist eigentlich der bessere Sänger?
Fips: Ich natürlich.
Hotze: Wenn Fips das sagt…

Und wer der bessere Musiker?
Hotze: Fips natürlich.

Wofür braucht KNASTERBART dann Hotze?
Hotze: Für das gute Aussehen! Einer muss ja eine gute Figur machen.
Fips: Und du bist unser Frauenschwarm. Wir wollen ja die ganzen 15-jährigen Bravo-Teenies abgreifen.
Hotze: Ich bin sozusagen der Michael Wendler der Gosse.

Im letzten Winter seid ihr mit Subway to Sally, Fiddler’s Green und Vogelfrey auf den Eisheiligen Nächten unterwegs gewesen. Irgendwelche besonderen Erinnerungen? Man munkelt, in Würzburg hätte z.B. plötzlich die Technik gestreikt…
Fips: In Würzburg ist uns tatsächlich die Anlage ausgefallen, da hat Fidolin zu schlecht gespielt.
Hotze: Mit Subway, Fiddlers und Vogelfrey war es ansonsten sehr schön.

Manche kennen euch vielleicht von euren eher mittelklassigen Projekten Versengold und Mr. Hurley und die Pulveraffen. Wie verhält sich Knasterbart zu diesen beiden Bands?
Fips: Auf jeden Fall ist alles eine ganze Schippe deftiger und anarchistischer. Bei KNASTERBART gibt es weder musikalisch noch textlich irgendwelche Grenzen. Wir machen das, was uns Spaß macht und worauf wir Lust haben. Es gibt kein Konzept, das uns nach oben oder unten oder links oder rechts beschränkt.
Hotze: Es ist reine Partymukke, die einen hohen Anteil an Selbstironie besitzt. Bei KNASTERBART kann man sich von alles und jedem lossagen und der Party hingeben. Bei Versengold und den Pulveraffen schlagen wir auch nachhaltigere Töne an.

Hat euch der Erfolg von Knasterbart überrascht?
Fips: Ja, schon.
Hotze: Wir wissen, dass wir geile Typen sind, aber dass uns die Leute gleich so zu Füßen liegen, war nicht direkt zu erwarten.

Im Zuge eurer Schweinsnasen ein paar „Quiekies“ zum Schluss…
– Die größte Gemeinsamkeit von der Leckeren Lotta und Heidi Klum:
Hotze: Beides recht hübsche Mädels, würde ich sagen. Vielleicht teilen sie sich auch die gleichen Geschlechtskrankheiten.
– Dieses Tour-Erlebnis 2019 mit Purple Otten werden wir nie vergessen:
Hotze: Jedes Treffen mit ihm war wie eine Erleuchtung für unsere Seele und unser Herz.
– Die hervorstechendste Superkraft von Superknasterbart:
Hotze: Betrunken wäre jetzt ein bisschen einfach…
Fips: In dem Song haben wir es ja aufgezählt: Leber aus Stahl, Röntgentunnelblick, aus der Kneipe fliegen
– Die letzte Kneipenschlägerei …
Fips: … war gestern abends in Hannover!
Wer hat gewonnen? Ihr seht recht frisch aus.
Fips: Wir waren auch nicht direkt beteiligt, sondern das Publikum. Wir haben das nur ein bisschen angezettelt und Öl ins Feuer gegossen.

D.h. erst beleidigt ihr eure Fans, dann versammelt ihr sie und dann machen sie sich kaputt?
Hotze: Ne! Dazwischen verkaufen wir ihnen noch T-Shirts.
Fips: Nein, nein, das ist doch alles ein Zeichen der Zuneigung. Es soll sich niemand totschlagen bei uns.
Hotze: Heute können sich die Leute bei uns passend zum Valentinstag auch körperlich näherkommen.

Hat sich schon jemand auf einem KNASTERBART-Konzert kennen und lieben gelernt?
Hotze: Wir hatten schon Heiratsanträge bei uns! Spontan, auf der Bühne!
Fips: Die Familie Knasterbart wächst bei jedem Konzert. Es werden laufend neue Mitglieder gezeugt, auch von uns. Unser Stammbaum ist inzwischen vielleicht mehr Kugel als Kreis.

Wollt ihr noch etwas sagen? Vielleicht in die Kamera?

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Dieses Interview wurde persönlich geführt.

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