
Das SONUS OBSCURA Festival feierte soeben erfolgreich seinen Einstand – mit einem hochkarätigen Billing vor ausverkauftem Haus. Das Haus wiederum war etwas Besonderes: die unlängst erst zur Kulturkirche umgebaute Dreieinigkeitskirche im Stadtteil Gostenhof. Wie das Festival zu dieser besonderen Location kam, welche Hürden das für die Organisation des Events mit sich brachte und wie die erste Metal-Veranstaltung in den heiligen Gemäuern bei Bands, Nachbarn und Gemeinde ankam, berichtet Veranstalter Simon Gani im Interview.
Das erste SONUS OBSCURA lief zumindest aus Besuchersicht wirklich erfreulich reibungslos – hast du Erfahrungen im Veranstalten von größeren Events oder war das die Feuertaufe?
Das war tatsächlich nicht die erste Veranstaltung, die ich organisiert habe. Bevor ich von Stuttgart vor 12 Jahren in die Region gezogen bin, habe ich zehn Jahre lange eine Konzertreihe in Stuttgart veranstaltet. Damals konnte ich schon einige Erfahrungen im organisieren von Konzerten sammeln. Ich bin aber auch seit letzten Jahr im Orga-und Veranstaltungsteam des ZABBATH-Festivals tätig und dieses Jahr konnten wir mit ZABBATH auch unser erstes Festival auf die Beine stellen. Die Erfahrungen daraus, waren auch echt hilfreich für das SONUS OBSCURA Festival.

Wie kam dir die Idee, dieses Festival aufzuziehen?
Grundsätzlich wollte ich schon immer was in Nürnberg organisieren. Allerdings wollte ich auch immer was besonderes machen und nicht einfach nur ein Konzert veranstalten. Anfang letzten Jahres haben wir das Angebot bekommen, im Z-Bau ein Metal Festival zu organisieren beziehungsweise zu entwickeln. Damals sind wir in einer sehr bunten Mischung aus erfahren Veranstaltern, Musikliebhabern und Musikern zusammen gekommen. Das war für mich irgendwie wie ein Impuls, wieder intensiv und voller Leidenschaft als Veranstalter aktiv zu werden. Daraus ist auch die Idee entstanden, zusätzlich auch noch ein eigenes Festival beziehungsweise Konzert zu veranstalten… also neben dem ZABBATH. Ich hatte nämlich schon seit Jahren die Dreieinigkeitskirche im Hinterkopf. Ich war von der Kirche schon immer sehr beeindruckt und habe mir immer vorgestellt, wie toll das doch wäre dort ein Konzert zu veranstalten. Es gab dann auch irgendwann mal einen Zeitungsartikel in dem ich gelesen hatte, dass die Kirche zu einer Kulturkirche umgebaut werden und künftig auch für Veranstaltungen genutzt werden sollte. Und just in dem Jahr als wir mit Zabbath angefangen haben, bekam ich mit, das die Kirche im Oktober 24 als Kulturkirche wiedereröffnet werden soll. Ich nahm dann sofort mit dem damaligen Pfarrer Kontakt auf und vereinbarte mit ihm ein Termin. Er stellte mir direkt die Kirche vor … aber auch gleich die Mietpreise. Und die waren wirklich nicht gerade günstig. Meine ursprüngliche Idee, nur ein einzelnes Konzert in der Kirche zu machen, hatte sich damit erledigt – das wäre finanziell einfach nicht machbar gewesen. Daher habe ich mich einfach für ein Eintagesfestival entschieden, mit dem man natürlich nochmal viel mehr Möglichkeiten der Refinanzierung hat.
Wie viele Leute waren in die Organisation und Umsetzung involviert?
Am Anfang wahr ich ehrlich gesagt ganz alleine. Ich habe das booking und die komplette Organisation und Verwaltung betrieben und übernommen. Die Crew kam dann erst nach und nach dazu, nachdem das Festival in seiner Planung eigentlich schon fest stand. Mittlerweile sind wir ein Team aus 25 Leuten, was es für die direkte Umsetzung auch benötigt.
War es die erste Metal-Veranstaltung in der Dreieinigkeiskirche, oder gab es da Erfahrungen?
Es war tatsächlich die erste Metal-Veranstaltung und generell die größte und aufwendigste Veranstaltung, die es bisher in dieser Kirche gab. Daher hatte auch niemand irgendwelche Erfahrungswerte, die wir für unsere Veranstaltung hätten nutzen können.
Wie war die Reaktion der Verantwortlichen seitens der Kirche, als ihr für ein Dark-Rock/Metal-Festival angefragt habt?
Am Anfang war die Reaktion doch sehr offen. Als die Kirche merkte, dass wir allerdings ernst machen und da wirklich was großes auf die Beine stellen, kamen bei der Gemeinde doch einige Ängste und Unsicherheiten auf.
Hatte das auch Auswirkungen auf das Billing? Kamen manche Bands etwa wegen der Texte nicht in Frage, oder aber auch weil die Musik nicht zur Akustik der Halle gepasst hätte?
Grundsätzlich haben wir politisch motivierte Bands mit menschenverachtenden Lyriks von vornherein ausgeschlossen. Aber auch Bands mit satanischen Lyriks haben wir außen vorgelassen. Das wäre zu viel Provokation gegenüber der Kirche gewesen, was wir in der Form einfach vermeiden wollten. Die Akustik der Kirche hatte aber auch irgendwie Auswirkungen auf die Ausrichtung des SONUS OBSCURA: Reine Death oder Black Metal Bands hätten aus meiner Sicht nicht reingepasst. Aber das war auch nie der Gedanke, ein traditionelles Metal-Festival in der Kirche stattfinden zu lassen. Vielmehr sollten ausgewöhnliche Künstler an einem außergewöhnlichen Ort zusammenkommen. Und das ist uns glaube ich ganz gut gelungen.
Hattet ihr bedenken, ob die Location funktioniert – vom Sound bis zur Frage, ob es mit den Anwohnern ob der Lautstärke Probleme geben könnte?
Klar hatten wir da Bedenken. Aber weniger in Sachen Sound, sondern vielmehr in Sachen Lautstärke. Die Kirche liegt eben inmitten eines Wohngebietes. Da kommt der Sound ungefiltert bei den Anwohner an. Wir hatten daher im vornherein auch Flyer an die Anwohner verteilt und am Tag der Veranstaltung auch zu einer offenen Führung und Gesprächsrunde eingeladen. Leider wurde das Angebot nicht wahrgenommen … was natürlich auch ein gutes Zeichen sein kann. Aber Kommunikation und Einbindung der Anwohnern ist in der Sache einfach ultra wichtig.
Um die Kirche herum ist eigentlich viel Platz – trotzdem waren Foodtrucks nicht möglich, wie ihr vorher schon an die Fans kommuniziert habt. Woran ist das gescheitert?
Es waren tatsächlich Foodtrucks angedacht. Leider hat uns in der Sache die Stadt Nürnberg kurzfristig einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Zulassung verweigert. Begründet wurde es mit den umliegenden Feuerwehrzufahrten und damit, dass wir als Veranstalter keine öffentlichen Flächen nutzen dürfen. Nachvollziehen konnten wir das am Ende ehrlich gesagt auch nicht.
Ich bin offensichtlich zu selten in Kirchen: Auf die Dauer des ganzen Festival-Tages fand ich es jedenfalls recht kalt. Habe ihr die Temperaturen in der Kirche auf die Dauer einer neunstündige Veranstaltung auch etwas unterschätzt?
Ich denke, dass wir die Temperaturen in der Kirche tatsächlich unterschätzt haben. An sich gibt es im Kirchenraum Fußbodenheizungen, von denen wir eigentlich gedacht hätten, dass sie für genug Wärme sorgen würden. Aber anscheinend sind wir auch viel zu selten in Kirchen unterwegs.
Was hattet ihr sonst noch für Hürden zu meistern, die ein normaler Club nicht mit sich gebracht hätte – und gab es dabei auch „böse Überraschungen“?
Oh ja, da gab es einige. Da die Location von Anfang an Teil des Plans war, wusste ich aber auch, dass die Infrastruktur eigentlich nicht wirklich dafür ausgelegt ist und einiges an Arbeit auf uns zukommen wird. Wie schon genannt war da die Situation mit den Foodtrucks. Aber auch die Außentoiletten waren tatsächlich eine Herausforderung. Da die Kirche ja nur zwei Toiletten im Innbereich hat, mussten wir entsprechend Zusatztoiletten anmieten. Allerdings konnten wir diese im Außenbereich nicht überall aufstellen, da die Brandschutzauflagen um die Kirche herum sehr streng sind. Die Aufbauarbeiten des Gohoho-Weihnachtsmarktes neben der Kirche haben es uns zusätzlich erschwert. Durch den Weihnachtsmarkt mussten wir auch Änderungen an der Parksituation und dem Load-in & -out der Bands vornehmen, die sonst sehr einfach gewesen wären. Aber das sind nur ein paar der Beispiele, die uns zwar vor hohe Hürden gestellt haben, die wir am Ende aber zum großen Teil wie geplant meistern konnten.
Ich fand auffällig und für die Atmosphäre schade, dass keine Nebelmaschine im Einsatz war. Wieso das?
Ja, dass hat uns auch wirklich geärgert, aber das wurde uns leider untersagt. Die Kirche hatte Bedenken, dass beim Einsatz der Nebelmaschine diese Rückstände oder Schäden an der Kirchenorgel hinterlassen könnte. Dem konnten wir leider auch nicht mit einer fachlichen Expertise entgegenwirken.
Vergleichsweise spontan hat der Co-Headliner (DOLCH) abgesagt, ihr habt trotzdem noch namhaften Ersatz gefunden. Wie lief das ab, wie bist du auf TAKH gekommen?
Das war wirklich erst mal ein Schock, als ich von der Tourabsage gelesen hatte, da (DOLCH) einer der ersten Bands waren, die ich für das Festival gebucht hatte. Bei einer Vorlaufzeit von zwei Wochen war es aber tatsächlich Glück, dass TAKH an dem Tag Zeit und Lust hatten. Zum Glück bestand zu dem Booker also vorab schon Kontakt, sodass es am Ende Gott sei Dank recht schnell ging. Ich hab TAKH eigentlich schon lange auf dem Schirm und wollte schon immer mal was mit denen machen … dass es in dem Kontext passieren würde, hätte ich mir nie gedacht. Das war ein glücklicher Zufall.
Die Veranstaltung war offiziell ausverkauft, aber es war in der Kirche gefühlt gar nicht so voll. War das auch eine Auflage der Kirche, das Besucherlimit so niedrig zu halten?
Das stimmt, das ist uns auch aufgefallen. Allerdings gibt es in Bezug auf die Kirche und deren Notausgänge strikte Auflagen und es dürfen sich im Kirchenraum nicht mehr als 400 Personen auf einmal aufhalten. Da es auf der Tribüne auch noch mindestens 90 Plätze gibt, hat sich das am Ende natürlich alles verzerrt. Da müssen wir nochmal ansetzen und die wirklich maximalen Kapazitäten herausarbeiten. Aber im Grunde war es trotzdem eine gute Entscheidung, nur 400 Personen auf dem Festival zu haben. Dadurch konnten wir wichtige Erfahrungen im Bereich Bar und Infrastruktur sammeln, die bei einer höheren Besucherzahl sicherlich schneller zu Problemen geführt hätte.

Wie ist deine persönliche Bilanz – was hätte besser laufen können?
Dazu müssen wir in den nächsten Wochen erst mal alles gründlich aufarbeiten und reflektieren. Aber aus dem Bauch heraus haben wir – wie schon angespro – die Temperaturen in der Kirche unterschätzt. Aber auch für die Essenssituation und dem Einsatz von einer Nebelmaschine sollten Lösungen möglich sein. Ich denke, dass wir auch bei der Barcrew ansetzen und hier viel mehr Leute einplanen müssen. Die haben sich echt den Arsch aufgerissen – wie natürlich alle anderen auch – und haben noch nicht mal groß Zeit für einen Snack gehabt. Das muß wirklich nicht sein.
Gab es schon Feedback von den Bands oder auch den Verantwortlichen der Kirche, waren die mit dem Event in der Form auch zufrieden?
Das Feedback der Bands ist wirklich überragend gewesen und hat mich unglaublich berührt. Das freut mich unglaublich, da weiß man dann auch, dass wir unseren Job wirklich gut gemacht haben. Von der Kirche haben wir bisher nur von zwei Mitgliedern aus dem Kirchenrat Rückmeldung bekommen. Beide waren extrem angetan und begeistert von unserer Veranstaltung. Da konnten, glaube ich, viele Bedenken und Ängste abgebaut werden. Eine Rückmeldung von der Pfarrerin haben wir noch nicht erhalten, aber wir hoffen, dass wir dann demnächst ein ausführliches Auswertungsgespräch führen können.
Das wichtigste zum Schluss: Wird es ein nächstes Mal geben?
Wir haben auf jeden Fall Lust und es gibt schon unglaublich viele tolle Ideen für eine weitere Ausgabe!
Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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