Konzertbericht: Subway To Sally

15.04.2026 München, Backstage

2006 waren SUBWAY TO SALLY mit ihrer ersten Akustik-Tour „Nackt“ unterwegs. 2010 folgte aufgrund des Erfolgs die von den Fans erhoffte Fortsetzung. Nun, weitere 16 Jahre später, wagen die Potsdamer ein weiteres Revival: Mit „Nackt III“ beweisen sie ein drittes Mal, dass ihre Musik keine E-Gitarren braucht, um zu begeistern.

SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg
SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg

Das Bühnenbild ist in dieser dritten Runde erstaunlich unfloral. Metallene Rosen an einem Mikrofonständer sind das einzige, was an blühende Natur erinnert. Stattdessen wirkt es wie eine Mischung aus entweihter Kirche und bröckelndem Theater – düster, reduziert, beinahe ehrfürchtig. Ein ansprechender Rahmen für einen Abend, der sich ganz auf Atmosphäre und musikalische Feinheiten konzentriert. Die in Schwarz gehaltene, bewusst zurückgenommene Erscheinung der Band bildet dabei einen spannenden Kontrast zu Geigerin Ally Storch, die mit ihrem langen Haar und rotem Statement-Kleid fast märchenhaft aus dem Ensemble heraussticht. Ein Fixpunkt, der die Blicke auf die hervorragende Musikerin zieht.

SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg
SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg

Musikalisch lässt die Band keine Zeit verstreichen: „Feuerkind“ und „Eisblume“ eröffnen den Abend und brechen das sprichwörtliche Eis mühelos. Frontmann Eric Fish zeigt sich von Beginn an bestens aufgelegt: stimmlich präsent, humorvoll und mit einer guten Portion Selbstironie. So erlaubt er sich auch einen augenzwinkernden Seitenhieb, denn das „Böse“ warte um 21 Uhr draußen auf der Leinwand – eine Anspielung auf das parallel übertragene Champions-League-Spiel im Hof des Backstage. Wenn die Musik nicht überzeuge bräuchten sich die Fans nur zur Tür drehen. Glücklicherweise brauchen SUBWAY TO SALLY sich deswegen keine Sorgen zu machen.

SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg
SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg

Bei „Das Rätsel II“ wird die Menge erstmals aktiv eingebunden, als ein kollektiver Schrei im Refrain gefordert wird. Spätestens hier ist klar: München ist an diesem Abend nicht nur Zuhörer, sondern Teil des Geschehens. Auch wenn während des Intros von „Kleid aus Rosen“ nervig laut gequatscht wird – das Publikum liefert gesanglich umso mehr und trägt den Song mit summenden und singenden Stimmen eindrucksvoll mit. Ein weiterer Gänsehautmoment entsteht, als Eric Fish am Ende des Songs erstmals aufsteht und eine weiße Rose aus dem Publikum entgegennimmt. Eine simple Geste mit großer Wirkung im reduzierten Setting. Mit „Weit wie das Meer“ folgt einer der emotionalen Höhepunkte vor der Pause. Die Ballade mündet in einen experimentellen Publikumschor, der erstaunlich präzise funktioniert. Band und Publikum begegnen sich hier auf Augenhöhe: Die Energie fließt in beide Richtungen.

SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg
SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg

Nach der Pause knüpft „Himmelfahrt“ nahtlos an die gute Stimmung an. Eric Fish erlaubt sich eine kleine Anekdote aus den Anfangstagen der Band – um dann durch einen geflüstert Hinweis festzustellen, dass es die Ansage für den falschen Song ist. Souverän überspielt er den Fehler: „Das kann ich ja später zu Ende erzählen.“ Mit „Krähenfraß“, basierend auf dem schottischen Traditional „Twa Corbies“, wird es folkloristisch-düster. Eric nutzt die Gelegenheit, um seinem Bandkollegen Bodenski für dessen lyrisches Talent zu würdigen. Der Song endet überraschend aufgelockert damit, dass eine Person im Rabenkostüm die Bühne stürmt und Eric zum Mittanzen anregt. Selbstironisch tadelt Eric das Publikum anschließend, wie viel Spaß es ihm offenbar mache, „einen alten Mann hüpfen zu sehen“. Am liebsten mittanzen möchte man auch bei „Henkersbraut“, dessen akustische Interpretation schon bei „Nackt II“ mit einem Samba-artigen Rhythmus einen spannenden Kontrast zum Text gebildet hat. „Tanz auf dem Vulkan“, geschrieben von Tour-Cellist B. Deutung, ist die logische Ergänzung für bestehenden Bewegungsdrang. Clever aufgebaut gibt die Setlist Band wie Publikum in der zweiten Hälfte noch genügend Raum für Bewegung und Interaktion.

SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg
SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg

Mit „Veitstanz“ endet das reguläre Set energiegeladen, bevor die Zugabe eingeläutet wird. „Maria“ leidet leider unter einer technischen Störung im letzten Ton. Bei einer so reduzierten Ballade ist das besonders schade. Doch der kleine Makel bleibt eine Randnotiz: Mit „Julia und die Räuber“ wird der Abend versöhnlich abgeschlossen, auch wenn die ungebrochene Forderung nach genau diesem Song mittlerweile ritualhaften, fast schon lästigen Charakter hat.

Am Ende steht ein Konzert, das weniger auf große Effekte setzt, sondern auf Atmosphäre, Spielfreude und die Verbindung zwischen Band und Publikum. „Nackt III“ wirkt dabei nicht wie eine bloße Fortsetzung, sondern wie eine konsequente Weiterentwicklung. Hoffentlich wird es nicht weitere 16 Jahre dauern, bis SUBWAY TO SALLY ihre Musik wieder in diesem Gewand präsentieren.

SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg
SUBWAY TO SALLY im März 2026 in Bamberg
Christina Maier

Publiziert am von

Andreas Brückner

Fotos von: Andreas Brückner

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