Nach dem Tod von KISS-Gitarrist Ace Frehley im Oktober – verursacht durch einen Sturz in seinem Heimstudio – hat Gene Simmons in einem Interview mit der New York Post erstmals ausführlicher über dessen schwierige letzte Jahre gesprochen. Trotz als Unfall eingestuftem Vorfall vermerkt der Autopsiebericht schwere Kopfverletzungen, mehrere Hämatome sowie einen zuvor erlittenen Schlaganfall; toxikologische Ergebnisse stehen noch aus.
Simmons betonte, Frehley habe gut gemeinte Ratschläge häufig ignoriert und sei wiederholt in problematische Situationen geraten. Ein einzelner Sturz erkläre für ihn nicht die gesamte Tragödie. Besonders belastend sei der private Abschied im offenen Sarg gewesen. Schmerzhaft sei zudem, dass Frehley die kommende Ehrung von KISS bei den Kennedy Center Honors nicht mehr erleben könne.
Auf dem „KISS Kruise: Landlocked In Vegas“-Event Mitte November äußerte Simmons Selbstkritik: Der unbedingte Wille, die Band am Laufen zu halten, habe ihn und andere bisweilen davon abgehalten, konsequenter auf persönliche Probleme im direkten Umfeld zu reagieren. „Wenn ich etwas bereue, dann, dass ich nicht klüger darin war, Ace und Peter zu einem stabileren Leben zu verhelfen“, erklärte Simmons und kritisierte damit auch die eigene Konfliktscheu: Man habe Tourneen durchziehen wollen, statt riskante, aber möglicherweise heilsame Auseinandersetzungen zu führen. Mit zeitlichem Abstand wünscht sich Simmons, stärker auf „tough love“ gesetzt zu haben – also auf einen direkteren, unbequemeren Umgang mit destruktivem Verhalten im engsten Kreis. „Ich wünschte, ich hätte öfter „tough love“ praktiziert und wäre den Menschen, die uns wichtig waren, klarer gegenübergetreten. Das ist nicht populär, man streitet sich, aber auf lange Sicht kann es helfen, ein Leben in eine andere Bahn zu lenken“, so sein Fazit.
Ace Frehley prägte die wichtigsten KISS-Alben der 70er-Jahre, veröffentlichte erfolgreiche Solomusik und kehrte 1996 für die Reunion-Tour zurück.


