CD-Review: 1349 - Revelations of the Black Flame

Besetzung

Ravn - Gesang
Archaon - Gitarre
Seidemann - Bass
Frost - Schlagzeug

Tracklist

01. Invocation
02. Serpentine
03. Horns
04. Maggot Fetus… Teeth Like Thorns
05. Misanthropy
06. Uncreation
07. Set The Controls For The Heart Of The Sun
08. Solitude
09. At The Gate...


Während viele Bands ihrem einmal gefundenen Sound ewig treu bleiben, wagen 1349 nach drei Alben einen Cut. Das Resultat dieses gewagten Experiments ist das vorliegende Album, „Revelations Of The Black Flame“.

Nachdem das Tempo zwischen „Liberation“ und „Hellfire“ konstant gesteigert wurde, machen 1349 nun einen Schritt zurück – und drosseln das Tempo drastisch. Dieser „Stilbruch“ ist einerseits erschreckend, standen 1349 doch für High-Speed-Black-Metal wie kaum eine andere Band, anderseits auch erfreulich. Wie hätte man mit dem alten Konzept nach „Hellfire“ auch weiter machen sollen, ohne dieses bloß zu kopieren. Und dennoch gehört auch ein gewisser Mut dazu, sich auch an etwas heranzuwagen, das viele Anhänger verwirren und enttäuschen könnte.

„Revelations Of The Black Flame“ ist nämlich kein Album, auf dem 60 Minuten lang durchgeknüppelt wird. Man begibt sich viel mehr auf eine Reise durch wirre musikalische Arrangements, Drumpassagen und Samples, die nur vereinzelt den alten Sound aufblitzen lassen. Anstelle des reinen Black Metal der Anfangstage steht nun Black Metal mit Industrial-, Ambiet- und Dark-Metal-Einflüssen auf dem Programm. Um sich vollends auf diesen einlassen zu können, sollte man also zunächst besser ausblenden, dass man es hier mit 1349 zu tun hat. Sieht man „Revelations Of The Black Flame“ nämlich als komplett eigenständiges Album, so hört man eine CD, die – hier spricht der Promotext einmal die Wahrheit – den perfekten Soundtrack für einen David-Lynch-Film abgäbe: Frost spielt, als hätte er vorher eine Packung Valium geschluckt; auch Archaon steht Frost diesbezüglich in keiner Weise nach, nur scheint bei ihm die Wirkung bereits etwas nachgelassen zu haben. Lediglich Ravn kreischt und keift bitterer und böser als je zuvor.

Während die Stücke bei den bisherigen Alben eher für sich standen, ja, im Albumkontext sogar bisweilen durch die sich auf Dauer einstellende Monotonie schwächer klingen als sie eigentlich sind, ist „Revelations“ das krasse Gegenteil: Kein Song – nichteinmal das Pink-Floyd-Cover „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ – kann alleine sonderlich große Wirkung entfalten. Erst im Gesamtkontext des Albums, in der Symbiose aller Songs, ergibt das Material ein verwirrendes, aber auf seine Weise auch gelungenes Album. Wäre da nicht die Sache mit dem Sound …

Denn wer dachte, dass 1349 seit „Liberation“ wüssten, wie ein gut produziertes Album zu klingen habe, wird hier eines Besseren belehrt. Dumpf und undifferenziert matscht „Revelations Of The Black Flame“ aus den Boxen. Die Intention der Musiker beziehungsweise des Produzenten – immerhin niemand geringeres als Tom G. Warrior -, der Musik einen dazu passenden, ebenso okkulten Sound angedeihen zu lassen, ist erkennbar. Die Umsetzung jedoch ist, nicht zuletzt einiger nur schwer nachvollziehbarer Qualitätssprüge wie in „Uncreation“ und der extremen Basslastigkeit wegen, bisweilen nur schwer zu ertragen.

„Revelations Of The Black Flame“ ist durch und durch ein experimentelles Konzeptalbum, das (nicht nur des Sounds wegen) nicht jedem Fan zusagen wird. Anhänger, die 1349 lediglich ihrer Präzision und Geschwindigkeit wegen schätzen, sollten diesem Werk aus dem Weg gehen. Fans düsterer Klänge, sollten hingegen ein Ohr riskieren – wohlgemerkt unabhängig davon, ob sie mit der Musik von 1349 bislang etwas anzufangen wussten. Doch auch die treuen Fans der bisherigen Alben können beruhigt aufatmen, da 1349 bereits indirekt zugesichert haben, dass es sich bei „Revelations of the Black Flame “ lediglich um ein Experiment handelt. Man darf gespannt sein, ob sie Wort halten.

Bewertung: 7.5 / 10

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