Review 1349 – Winter Mass

  • Label: Season Of Mist
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Black Metal

Keine Frage: Im Black Metal gibt es nahezu ikonische Live-Aufnahmen – man denke bloß an MAYHEMsLive In Leipzig“. Durch seine schwer bezwingbare Rohheit ist Black Metal aber nicht gerade das ideale Genre für diese Release-Form: Insbesondere ältere Live-Dokumente zeichnen sich durch unbändiges Chaos und nahezu unerträglichen Sound aus. Man denke bloß, erneut, an MAYHEMsLive In Leipzig“. Dass es auch anders geht, haben allerdings nicht zuletzt MAYHEM selbst 2023 mit „Demonic Rites“ unter Beweis gestellt, sondern auch MARDUK mit „Beast Of Prey: Brutal Assault“ (2024).

Dass 1349 zu den technisch versiertesten Bands des Genres gehören, steht außer Frage. Und doch dürften nicht gar so viele Fans ein Live-Album von 1349 auf der Bingo-Karte gehabt haben: Schließlich zählt das Quartett aus Norwegen zugleich zu den rabiatesten Vertretern des Genres, was wiederum keine allzu gute Voraussetzung ist, um gleichermaßen das Feuer, das der Band live innewohnt, wie die Songs als genießbare Musik angemessen einzufangen.

Mit „Winter Mass“ bringen 1349 nun also ein Live-Album heraus – und Produzent Hugo Alvarstein sei Dank ist das Ergebnis tatsächlich überaus hörbar: Der fiese Gesang von Ravn, das unmenschliche Drumming von Frost und die Gitarren sind im Mix gleichermaßen präsent. Die Gitarren? Richtig – mit Destructhor (NORDJEVEL, ehemals MORBID ANGEL) haben 1349 einen zweiten Gitarristen dabei, der die Truppe tatkräftig unterstützt. Das hilft in der Tat enorm, um den Songs im Kontext des im Parktreatet, Oslo, aufgenommenen Live-Albums jenen Biss zu verleihen, den sie (größtenteils) auf den Studio-Aufnahmen haben – zumindest aber unbedingt brauchen.

Was es leider nicht so recht mit aufs Band geschafft hat, ist die Atmosphäre einer Liveshow: Sieht man vom spärlichen Applaus der Fans im zwischen den Songs ab, könnte „Winter Mass“ auch eines jener unsäglichen Live-Im-Studio-Alben aus der Corona-Pandemie sein – exemplarisch sei an dieser Stelle nur an LAMB OF GODsLive In Richmond, VA“ erinnert. Oder aber, etwas weiter zurückblickend und dafür aus dem Genre: das im Studio eingespielte „True Norwegian Black Metal: Live In Grieghallen“ von GORGOROTH. Nun haben 1349 zugegebenermaßen recht wenige Mitsing- oder Alle-Klatschen-im-Takt-Passagen – vielleicht ist aber auch gerade das einer der Gründe, warum Live-Alben im Black Metal generell weniger Sinn ergeben als etwa ein Live-Album von IRON MAIDEN oder den BROILERS.

Die Frage, worin genau der Selling-Point eines Live-Albums besteht, das nicht wirklich Live-Atmosphäre hat, muss allerdings gestellt werden. Vielleicht geht es darum, die alten Songs und die mitunter in den Studio-Versionen soundmäßig ziemlich verhunzten Stücke nochmal in einem angemessenen, einheitlichen Klanggewand festzuhalten. Das ist 1349 mit fraglos gelungen. Vielleicht geht es aber auch einfach nur darum, dem Rest der Szene zu zeigen, wo der Hammer hängt. Oder eher: Wo der Frost beißt. Denn wenn „Winter Mass“ etwas ganz gewiss ist, dann ein gut einstündiges Show-off der Fertigkeiten von Kjetil-Vidar Haraldstad. Und wenn man ganz ehrlich ist, reicht das als Kaufargument eigentlich auch aus. Dass 1349 hier darüber hinaus einen guten Querschnitt ihrer Diskografie in einheitlichem Live-Sound präsentieren, nimmt man als Bonus gerne mit.

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Wertung: 7.5 / 10

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2 Kommentare zu “1349 – Winter Mass

  1. Puhh, ob Frosts Fähigkeiten als Kaufgrund ausreichen? Ich hab leider nie verstanden, dass er mit dem, was er kann, nie so wirklich bei Bands ist, die auch in Sachen Songwriting so richtig was können. Ich hab immer so das Gefühl, er spielt halt, was er kann und das richtig gut, aber die Stücke werden für ihn geschrieben und weniger mit ihm. Ich kann mich auch täuschen, aber ich persönlich empfinde zum Beispiel Satyricon nie als Speerspitze des Somgwritings, auch wenn sie natürlich sehr gute und bekannte Songs haben. 1349 war irgendwie immer so der ekligere, unberechenbare Bruder, bei dem ich mich immer schon ein wenig frage, wer die eigentlich gern hört, da der Kvlt darum ja auch nicht so groß erscheint. Für den Mainstreamler zu schräg und für den Untergrundler schon wieder zu kommerziell oder musikalisch unbedeutend.

    Sehr schwer für mich dann auch noch eine Livescheibe davon, da ich persönlich Black Metal live nie so sonderlich toll finde. Mir geht viel von der Mystik verloren, wenn ich die Menschen auf der Bühne dann sehe. Ich bin also definitiv nicht die Zielgruppe des Albums und für Schlagzeug-Kapriolen schau oder höre ich mir lieber was proggiges an. Ich kenne keine Live-Album im Black Metal, dass man haben muss.

    1. Ja, schwierig alles. Die „Hellfire“ würde ich immer noch als eines der besten BM-Alben aus Norwegen nennen, aber danach haben sich 1319 leider ziemlich in Sound-Matsch und pseudo-bösem Song-Matsch verloren. Satyricon wiederum schreiben meiner Ansicht nach schon sehr gute Songs, aber das eben aufgrund der gekonnten Reduktion aufs absolut nötigste – etwa bei „Now, Diabolical“ (die ich persönlich ebenfalls für ein Meisterwerk halte). Ob man dafür einen Frost braucht, ist fraglich. Bei 1349 kann er sich halt voll ausleben, das macht dann schon Freude, finde ich. Aber ob das allein jetzt ein Live-Album rechtfertigt … nun ja. Und ja, wie oben geschrieben: Live-Alben im Black Metal finde ich auch generell fragwürdig sinnbehaftet.

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