CD-Review: Absu - Abzu

Besetzung

Proscriptor - Gesang, Schlagzeug
Vis Crom - Gitarre
Ezezu – Bass, Gesang

Tracklist

01. Earth Ripper
02. Circles Of The Oath
03. Abraxas Connexus
04. Skrying In The Spirit Vision
05. Ontologically, It Became Time & Space
06. Song For Ea


Das gesamte Wirken von ABSU muss man wohl mit leichtem Stirnrunzeln betrachten. Von vollkommen kaputten, hoffentlich satirisch gemeinten Bandfotos über verquere, unstimmige Liveshows bis hin zur abstrusen Idee, eine Self-Titled-Albentrilogie mit jeweils anderen Schreibweisen des Bandnamens herauszubringen: ABSU als Black-Metal-Combo ernstzunehmen, fällt nicht nur manchmal schwer. Auch die Wahrnehmung der Musik selbst schwankt extrem – hört man an einem Tag technischen, kühl kalkulierten Black Thrash Metal, denkt man häufig schon am nächsten Tag nur noch an eine Horde Mescalin-Junkies, die ihre Instrumente bedienen, ohne auch nur grob zu wissen, wo vorne und hinten ist.

„Abzu“, Nachfolger von „Absu“ und Vorgänger von „Apsu“, ist wieder genau so ein Fall. Endgültig bin ich mir auch nach unzähligen Durchläufen nicht klar geworden, ob Proscriptor & Co. hier ein mitreißendes, atmosphärisches Album eingespielt haben, das trotz des technischen Anspruchs Stimmung erzeugt, oder ob hier nicht doch nur eine Ansammlung chaotisch aneinandergereihter Griffbrett-Zuckungen vorliegt. In beiden Fällen gültig bleibt immerhin die Feststellung, dass das Trio seine Instrumente beherrscht, dies auch zeigen will und sich somit quasi kein Riff nicht im Highspeed bewegt. Gültig bleibt auch, dass „Absu“ hier deutlich dynamischer und abwechslungsreicher vorging. Und, dass dieser panische Black Thrash-Sound (auch und nicht zuletzt durch die Kreischer Proscriptors) nach spätestens 20 Minuten anstrengend wird, selbst, wenn man mal einen guten Tag erwischt. ABSU strapazieren die Toleranzgrenze mit 37 Minuten Gesamtspielzeit dann doch deutlich über’s Maß.
Schade, dass die Band die psychedelischen Elemente, die der Vorgänger aufzuweisen hatte und die ihm gewissermaßen ein Konzept gaben und das Material auflockerten, wieder komplett über Bord schmiss. Spätestens der Longtrack „Song for Ea“ macht nämlich klar, dass auch gefühlte 100 Riffs einen Song nicht gut machen, wenn sie aneinandergereiht werden, ohne eine konkrete, nachvollziehbare Struktur durchscheinen zu lassen und sie sich noch dazu nur marginal voneinander unterscheiden.

Obwohl die schlussendliche Bewertung schwerfällt, kaufen muss man „Abzu“ auf jeden Fall nicht. Wer „Tara“ besitzt weiß, wie ABSU klingen und muss sich das nicht noch einmal bestätigen lassen, bis auf den besseren Sound klingt das Album nicht großartig anders. Und wer von ABSU noch gar nichts kennt und das auf Teufel komm raus ändern will, ist mit „Absu“ sicherlich besser beraten, hier finden sich mit Nummern à la „Amy“ nämlich auch Songs mit Wiedererkennungswert. Denn eines ist „Abzu“ sicher nicht, und das ist einprägsam. Selbst wenn man sich unter höchster Konzentration mal wieder dazu durchgerungen hat, die Scheibe atmosphärisch zu finden, sie ist jedesmal wieder eine Wundertüte voller Riffs, die man sofort wieder vergisst. Und mehr ist irgendwie auch nicht da. Irgendwann, wenn man das Album oft genug gehört hat, ist man eben doch an dem Punkt, an dem man ABSU die Fähigkeit, Songs zu schreiben, absprechen muss; denn wenn etwas Greifbares vorhanden wäre, müsst man das ja bei aller Verwirrung irgendwann zu fassen kriegen. Tut man aber nicht.
Abschließend gesagt: ABSU können mit „Apsu“ eine Menge besser machen als mit „Abzu“. Werden sie aber vermutlich auch nicht. Man greift also lieber zu einer der vielen anderen Bands, die Atmosphäre schaffen, ohne den Hörer in den in diesem Fall zweifelhaften Genuss trippigen Black Metals kommen zu lassen.

Bewertung: 5 / 10

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