CD-Review: Cave In - Final Transmission

Besetzung

Stephen Brodsky - Gesang, Gitarre
Adam McGrath - Gitarre
Caleb Scofield - Gesang, Bass
John-Robert Conners - Schlagzeug

Tracklist

01. Final Transmission
02. All Illusion
03. Shake My Blood
04. Night Crawler
05. Lunar Day
06. Winter Window
07. Lanterna
08. Strange Reflection
09. Led To The Wolves


„Seine Stimme zu hören, macht mich doch ein wenig fertig.“ sagte Adam McGrath, Gitarrist von CAVE IN, über „Final Transmission“, den Opener des gleichnamigen Albums: Eigentlich nur eine Sprachnachricht, eine musikalische Notiz, die Caleb Scofield vor seinem Tod seinen Bandkollegen geschickt hatte – und jetzt das Intro für die neue Platte der Gruppe aus Massachusetts. So wird in den ersten zwei Minuten bereits klar: „Final Transmission“ ist gleichzeitig ein emotionales Vermächtnis, bestehend aus zum Teil improvisierten Aufnahmen, die ursprünglich als Demo für ein neues Album gedacht waren – und entzieht sich damit auch ein wenig dem klassischen Bewertungsraster. Was bleibt unterm Strich?

Ganz ehrlich: Selbst wenn man die ganze Geschichte um den tragischen Tod des Bassisten außern vor lässt, ist CAVE INs erstes Album seit 2011 eine ganz großartige Mischung aus Alternative Rock, Post-Hardcore und vielen anderen Einflüssen geworden. Zuvor angesprochenes nur auf der Akustikgitarre gespieltes Intro mit von Scofield gesummten Melodien „Final Transmission“ wirkt äußerst intim und melancholisch, während der erste vollständige Song „All Illusion“ ein lupenreiner Alternative-Metal-Hit ist, der auf US-amerikanischen Hochschulen viel Air Time bekommen dürfte. Die mehrstimmigen Gitarren von „Winter Window“ klingen wir ein Luftgitarrensolo von Bill und Ted und erinnern mehr als nur ein wenig an die neunzehnachtziger Jahre. „Lunar Day“ versprüht mit seinen verwaschenen Gitarren eine leicht psychedelische Note während der noisige Prügler und Albumcloser „Led To The Wolves“ die Ursprünge der Band in den Vordergrund treten lässt: Post-Hardcore und Metalcore.

Zu kann man der äußerst abwechslungsreichen Instrumentalarbeit eine gewisse Härte attestieren und das ist etwas, dass dem CAVE-IN-Album ziemlich gut zu Gesicht steht – gerade weil in Sachen Vocals auf genretypische harte Gesangsstile verzichtet wird und Stephen Brodsky sich durchgehend melodisch gibt. Was ziemlich cool ist, da der Mann durchaus singen kann und „Final Transmission“ überdurchschnittlich viele richtig gute Ohrwürmer bietet.

Was ansonsten vielleicht ein Manko wäre, ist hier tatsächlich ein (zumeist) Vorteil: Die objektiv betrachtet völlig unzureichende Produktion. Wie eingangs erwähnt, waren die Aufnahmen eigentlich nur Demos und keinesfalls zur Veröffentlichung gedacht. Das hört man auf Albumlänge mal mehr, mal weniger. Ziemlich bescheiden klingt beispielsweise der Albumcloser, das hat schon ein bisschen was vom guten alten Ghettoblaster, den man vor langer langer Zeit zentral im Proberaum positioniert für Aufnahmen genutzt hat. Richtig gut kommen Songs wie „All Illusions“, „Shake My Blood“ oder „Winter Window“ rüber, deren grundsätzlich melodischen Charakter man durch eine überpolierte Produktion durchaus chartskompatibel aufbereiten hätte können – Linkin‘ Park lassen grüßen, aber da hätte sicherlich auch Hydrahead-Labelchef und Ex-Isis-Kopf Aaron Turner noch ein Wörtchen mitzureden gehabt. Das genau auf diese Art Produktion und Overdubs verzichtet wurde und die Songs rougher und ungeschliffener auf die Menschheit losgelassen wurden, unterstreicht die emotionale Authenzität von CAVE IN – dass manche Nummern beinahe etwas grungiges haben, ist dabei ein netter Nebeneffekt.

Fans der Massachusetts-Szene um Bands wie Isis und Converge haben „Final Transmission“ vermutlich zum frühest möglichen Termin vorbestellt oder sogar schon auf einem der wenigen Konzerttermine in Europa wie zum Beispiel auf dem Roadburn Festival erworben. Allen anderen, die CAVE IN noch nicht kennen, aber Bands wie die Foo Fighters oder auch Muse mögen, sollten der Sache auf jeden Fall eine Chance geben – es lohnt sich, zumal man auch noch etwas Gutes tut, da die Albumeinnahmen an Caleb Scofields Hinterbliebenen geht.

Bewertung: 8.5 / 10

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