Review Chinchilla – Take No Prisoners

Wer denkt, guter deutscher Metal würde nur aus Norddeutschland – und vielleicht noch aus Krefeld – kommen, hat sich getäuscht. CHINCHILLA aus dem süddeutschen Böblingen sollten ihn eines besseren belehren. Denn spätestens mit ihrem 2004er Album „Take No Prisoners“ können die Vier ganz oben in der deutschen Metal-Szene mitspielen.

Und gleich der Opener „The Almighty Power“ macht den Stil des Quartetts deutlich: Hier wird kompromissloser Power Metal gezockt! Die Doublebass ballert einem um die Ohren, der Bass sorgt für druckvolle Riffs, die Gitarre zaubert herllich schnelle Soli und der Gesang animiert zum Mitsingen. Besser geht’s wohl nicht! „Death Is A Grand Leveller“ ist eher ein Mid-Tempo-Stampfer. Zwar gibt es auch hier eine Doublebass, aber das Drumming ist insgesamt eher ruhig und auch die Riffs galoppieren nicht mehr ganz so. Erfrischend ist auch die Stimme von Sänger Thomas, der nicht, wie viele seiner Genrekollegen in unangenehmen Höhen herumknödelt, sondern erdig und dreckig klingt. Rock’N’Roll galore!

„The Call“ hingegen beginnt mit einem fast schon elegischen Keyboard-Intro, zu dem sich jedoch schnell reitende Gitarren und ein flottes Schlagzeugspiel mischen, so dass dieser Track zu einer Power Metal Hymne wird. Mit „The Ripper“ gibt es dann wieder eine Variation im Tempo: Die Drums stampfen mehr als in den voran gehenden Stücken und Gitarrist Udo sorgt für klasse Licks. Im Refrain hingegen überrascht der Track mit einer Gesangführung, die schon fast an Alice Cooper erinnert.

Der Titeltrack „Take No Prisoners“ hingegen geht wieder direkt nach vorne los. Doublebassattacken und fulminantes Riffing sorgen für die Power Metal Vollbedienung, während die dezenten Keyboard-Einlagen dem Stück noch einiges an Tiefe hinzu fügen. Der Chorus ist wieder hervoragend für Konzerte geeignet: Hier herrscht akuter Mitgröhalarm! Das anschließende „Lost Control“ beginnt mit einem fast schon elegischen Gitarren-Einsatz. Daraus entwickelt sich jedoch ziemlich schnell ein Mid-Tempo-Stampfer mit genialer Gesangsführung, wie er auch jeder Heavy Metal Band gut zu Gesicht stehen würde.

„Money Talks“ hat nichts mit dem gleichnamigen AC/DC-Track zu tun. Vielmehr handelt es sich hier um eine treibende Power Metal-Hymne, die vor Allem von der Arbeit der Rythmussektion und erneut von Thomas genialer Stimme lebt. Als schlichtweg genial ist allerdings das Solo zu bezeichnen, das von Stefan Leibing, der hauptberuflich bei Primal Fear die Axt schwingt, eingezockt wurde. Auch auf „Silent Moments“ findet sich mit Elisabeth Palacios eine Gastmusikerin, deren Violinen-Spiel gemeinsam mit der Akustikgitarre für die atmosphärische Wirkung dieser Ballade sorgt.

Das Tempo geht dann mit „Stillborn Soul“ nur langsam wieder nach oben. Hierbei handelt es sich um eine Nummer in eher gemäßigter Geschwindigkeit, die den Akzent erneut auf die Rythmusarbeit und Thomas Stimme legt. Zum Ende gibt es allerdings noch einmal die volle Bedienung: „Rich Hounds“ überzeugt durch sein flottes Drumming und den Singalong-Refrain.

Wie bereits erwähnt dürften CHINCHILLA mit „Take No Prisoners“ in der ersten Liga des deutschen Metal angekommen sein. Die Songs krachen ordentlich aus den Boxen und machen einfach nur Spaß. Auch die stimmlichen Qualitäten von Thomas Laasch können vollständig überzeugen. Aber auch die Instrumentalisten machen einen ordentlichen Job. Dabei perlt der Sound der Platte glasklar und druckvoll aus den Boxen. Ein vorsichtiger Vergleich könnte in etwa so aussehen: Primal Fear mit einer ganzen Menge Dreck. So fallen die Songs bei CHINCHILLA auch wesentlich erdiger aus, als bei den genannten Genrekollegen. „Take No Prisoners“ ist für jeden, der Power Metal auch nur im Ansatz mag einfach Pflicht. Und auch Freunde anderer Gitarrenmusik sollten hier mal ein Ohr probieren. Ganz klar neun Punkte!

Wertung: 9 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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