Review Damned Spirits´ Dance – Weird Constellations

Ungarn ist bestimmt ein schönes Reiseziel und die ungarischen Tänze von Brahms sind weltweit populär, aber in metallischer Hinsicht ist es sicherlich noch ein recht unbekannter Fleck auf der Landkarte. Jaja, abgesehen von Ektomorf vielleicht. Mit dem Debüt-Album von DAMNED SPIRITS‘ DANCE darf sich dieser Zustand jedoch gerne schnell ändern. Nach der Gründung im Jahre 2002 hat man mit der eigens aufgenommenen 2005er-EP „The Growing Spirit“ ein erstes Zeichen gesetzt und die Aufmerksamkeit der Labels auf sich gezogen. Den Zuschlag bekamen Code666 und damit sollte auch bereits jedem Leser klar sein, dass man hier musikalisch nichts Traditionelles und Normales erwarten darf.

Sollte man also vor dem ersten Reinhören in „Weird Constellations“ noch keinen Blick auf das Cover erspäht haben könnte man sich folgendes Szenario vorstellen:Eine Bande von Clowns ist aus dem Zirkus geflohen, traf auf der Flucht auf einen farbenblinden Black-Metaller, der sich der Gruppe anschloss, weil er dachte es handele sich um Artgenossen, sowie auf einen erfolgreichen Produzenten aus der Techno-Szene, der glaubte, mit dieser Ansammlung komischer Gestalten Profit machen zu können und sie prompt in sein Studio mitnahm. Nach einigen Telefongesprächen konnte er auch noch H.P. Baxxter und Kim Sanders zu Gastauftritten überreden und schon stand mindestens einem Nr.1-Charthit nichts mehr im Wege.
Ok, man kann sich natürlich denken, dass es nicht so abgelaufen ist und man auch nicht den Scooter-Lautsprecher oder die zwischenzeitliche Frontsängerin von Culture Beat für sich gewinnen konnte, aber zumindest so was Ähnliches. Aber der Reihe nach: Beginnt „Visioner“ noch recht konventionell mit ein paar rockigen Klängen, geht es schon bald gesanglich in extremere Gefilde und auch die Musik wird härter und vor allem abgedrehter. Die Überdosis an Keyboardeinsatz gibt es hier zwar noch nicht, aber doch begleiten spacige Klänge bereits das wilde Treiben. Einen Ausbruch ins Blastbeat-Tempo bekommt man zum Schluss auch noch geboten, kurzum gesagt ist es eine Nummer, die einen ersten Ausblick auf die noch über 50 ausstehenden Minuten gibt, ohne dabei bereits das Beste vorwegzunehmen.

Das ändert sich dann schlagartig mit „Cold Winds – A Dream Vision“: Teils Orientalisches, teils thrashiges Riffing bestimmt den Song vorerst und Sinox oder Corun growlt sich einen ab. Es wird schnell offensichtlich mit welch simplen, aber überzeugendem Prinzip DAMNED SPIRITS‘ DANCE in ihren Songs meistens vorgehen: den Rahmen bilden unkomplizierte Parts, sei es nun eher aus dem rockigen Bereich oder auch gerne mal rasante Black-Metal-Prügelei. Doch irgendwann kommt dann der überraschende Moment, wo man etwas aus dem musikalischen Hut zaubert, was man entweder keinesfalls bei einem solchen Stück erwartet hätte oder das eben etwas komplizierter und tiefgehender gestaltet ist. Im Falle des zweiten Songs ist das eine progressivere, ausufernde Gitarrenpassage, die durch Keyboard und gute Dynamik des Schlagzeugs unterstützt wird. Zum Schluss rundet ein schneller Tritt aufs Gaspedal die wandlungsvollen 7 Minuten Spielzeit des Songs ab.
So weit, so gut, aber jetzt kommt „Devil’s On His Way“ und der schießt eindeutig den Vogel ab. Wenn man diesen Teufel an die Wand malen müsste, dann käme dabei auf jeden Fall eine Comic-Figur raus, die in der Hölle lieber feiern möchte als einen auf böse zu machen. Diesen Eindruck gewinnt man nicht zuletzt, wenn auf einmal der Rummel oder Zirkus los ist, nicht im ernsteren Kontext wie bei Carach Angren’s Erstling „Lammendam“, wenn auch teils mit ähnlichen Vocals, sondern eher so herrlich überdreht wie in Unexpect’s „The Shiver – Meet Me At The Carousel“ mit flotten Stromkastentastenspielereien. Nicht zuletzt deswegen passt der anfangs angesprochene Clown-Vergleich ganz gut, und da hat man den Beweis, dass Clowns lustig sind, denn „Devil’s On His Way“ macht einen Heidenspaß.

Mit dem Titeltrack, einem kurzem Instrumental, welches rein elektronischer Natur ist, leitet man dann so was wie den zweiten Abschnitt von „Weird Constellations“ ein, in dem die Elektro-/Techno-Anteile etwas mehr Beachtung bekommen, ohne dabei in den richtigen Songs jemals die metallische Seite für längere Zeit in den Hintergrund zu drängen. In „The Angel And The Dark River“ gibt es dann auch den einzigen echten Gastauftritt am Mikrophon, Judit Pusztai heißt die Dame. Und hört man ihren Gesang zum Auftakt, so verfällt man fast dem Glauben, dass der Song ein waschechter Disco-Kracher sein könnte. Dieser Eindruck wird dann jäh beendet durch infernalische Knüppelei, die jedoch eher noch den Ohrwurm-Charakter hochschraubt, denn das Keyboard stellt seinen Dienst während dieser Zeit nicht ein und das Ganze bekommt schon fast einen paganmäßigen Touch à la Equilibrium. Der Höllenritt wird dann nur noch einmal durch einen coolen Bass-Einsatz unterbrochen, nach welchem es einen zweiten Solo-Einsatz von Judit gibt, die sonst auch zwischendurch mal ein bisschen vor sich hinträllert, während man hüpfend durch den Wald laufen möchte.Der Titel ist übrigens nicht nur zufällig auch der eines My-Dying-Bride-Albums, denn der Bandname der Briten taucht im Booklet – das so gestaltet ist, dass man so etwas wie eine Geschichte vor sich hat – vor dem eigentlichen Text des Songs auf.

Qualitativ bewegen sich alle Stücke bis auf „So Much To Say… So I Rather Tell None“ auf einem Level, erwähnenswert ist noch die mögliche Techno-Hymne „Fake“ mit Megaphon-Einsatz und der Verbreitung der Message „Love is in the air!“, wenn, ja wenn man den Song um die Hälfte der Länge gekürzt und damit auch den progressiven und thrashigen Metal-Anteil entfernt hätte – was man aber glücklicherweise nicht getan hat. Bleibt eigentlich nur noch die Frage was zur Inspiration für den Text von „Black Savage“ diente, in welchem man das Thema Rassismus gegenüber dem „schwarzen Wilden“ anschneidet, aber da müsste man wohl mal persönlich bei der Band nachhaken.
Zunächst dachte ich ja, dass „Weird Constellations“ mir nur die Wartezeit bis zu neuem Material von Unexpect verkürzt, aber es stellte sich schnell heraus, dass es durchaus für mehr taugt und grade im kommenden Sommer noch viel Freude bereiten dürfte. Und vielleicht wird man ja bald auch hierzulande mal mit den verdammten Geistern tanzen.

Wertung: 8.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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