CD-Review: Fen - Carrion Skies

Besetzung

The Watcher - Gesang, Gitarre
Grungyn - Bass, Gesang
Derwydd - Schlagzeug

Tracklist

01. Our Names Written In Embers Part 1
02. Our Names Written In Embers Part 2
03. The Dying Stars
04. Sentinels
05, Menhir Supplicant
06. Gathering The Stones


War es nicht endlich einmal an der Zeit, im Post Black Metal neue Maßstäbe zu setzen? Die Briten FEN haben sich vor einigen Jahren dieser Spielart verschrieben und wollen mit ihrem aktuellen Album „Carrion Skies“ einen großen Schritt nach vorne tun und ganz nebenbei „weiter gehen, als was von Post-Black-Metal im Jahr 2014 erwartet wird“.

Große Worte, die der Abstract des Infoschreibens bereithält. Von früheren Veröffentlichungen ist man tatsächlich Qualität gewohnt, mit viel Liebe zum Detail hat die Band ganze Klangwelten nach ihren Vorstellungen gezeichnet und sich gängigen Konventionen dieser Zeit dabei stets widersetzt. So waren Alben wie „The Malediction Fields“ durchaus stilprägend (dafür bietet Post-Black-Metal nicht umsonst ein weites Feld), aber schon am Vorgänger „Dustwalker“ gab es dezente, aber unüberhörbare Mängel.
Vielleicht wäre es ratsam gewesen, den Stil nicht übermäßig weit auszureizen, denn es geht im Falle von „Carrion Skies“ schief. Die Songs werden immer länger, immer uneingängiger, es dauert ewig, bis sich Strukturen erschließen und alleine von der gelungenen Atmosphäre kann ein Album nicht leben. FEN gehen mit viel Pathos und Leidenschaft an die Sache heran, der Sound ist rau wie das Klima auf den britischen Inseln, die Musik ist in meisten Teilen härter, als man es von der Band gewohnt ist. Die Gitarren sind brutal, das Schlagzeug spielt diverse Blastbeats, der Gesang klingt oft furchterregend aggressiv.
Daneben behält man die ruhigen Passagen im Auge, immer wieder kommt die Akustikgitarre zum Einsatz, dazu gesellen sich passend cleane Gesänge und der Hörer nimmt die wohlverdiente Auszeit, bevor es mit der nächsten Attacke wieder zur Sache geht. Letztlich geht bei all diesen Elementen der Blick fürs Wesentliche aber verloren: Die Songs zünden, wenn überhaupt, erst nach vielfachem Konsum. Das kann gut sein, wenn man rein auf Langzeitwirkung setzt oder sich selber mit einer netten Stimmung zufrieden gibt, die zweifellos die Visionen von FEN einfängt. Alle diejenigen, die aber gute Lieder auf einem neuen Niveau des Post-Black-Metal erwarten, werden ein wenig enttäuscht. Natürlich ist „Carrion Skies“ mitnichten ein schlechtes Album, aber dem eigenen, dem innovativen Anspruch wird das Trio nicht gerecht.

Ja, es wäre Zeit für neue Maßstäbe, aber FEN können dem leider nur bedingt gerecht werden. Das Bemühen um andere Wege in Ehren, aber „Carrion Skies“ bietet letztlich doch eher bekannte Muster. Sicherlich ist es eine schöne, eine qualitativ gutklassige Platte geworden, der große Befreiungsschlag für eine Musikrichtung, die trotz ihrer vielfältigen Möglichkeiten in einer gewissen Eindimensionalität gefangen ist, ist es aber nicht geworden.

Bewertung: 7 / 10

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