Review Hades Almighty – Pyre Era, Black! (EP)

  • Label: Dark Essence
  • Veröffentlicht: 2015
  • Spielart: Black Metal

HADES ALMIGHTY sind eine progressive Black-Metal-Band, die viele wohl so gar nicht auf dem Schirm haben dürften, obwohl es die Gruppe schon seit 1999 gibt. Ihre Diskographie ist überschaubar: Gerade mal zwei Alben haben sie veröffentlicht, bevor diese norwegische Formation ab der Jahrtausendwende auf Eis lag. Doch dann, im Jahr 2015, tat sich plötzlich etwas bei HADES ALMIGHTY: Ein neuer Sänger wurde rekrutiert – und zwar niemands Geringeres als Ask Ty, der Schlagzeuger von Kampfar, zu dessen versteckten Talenten unter anderem Gesang gehört, was er inzwischen auch bei Kampfar schon live unter Beweis gestellt hat. Und so veröffentlichten HADES ALMIGHTY 2015 die EP „Pyre Era, Black!“, die zwar nur drei Tracks enthält, aber trotzdem auf rund 20 Minuten erwähnenswerten Hörgenuss kommt.

Der Titeltrack beginnt geheimnisvoll mit Windklängen und leiseren Tönen, bevor sich ein gitarrenlastiger Midtempo-Soundvorhang davorschiebt, der eine subtile Schwermütigkeit transportiert. Die Lyrics sind auf ein Minimum reduziert und führen letztendlich zu einem Gefühlszustand der Agonie. Die Stimme von Ask Ty ist überraschend tief und männlich, und obwohl sie so roh ist und durch das Herausschreien der Texte einen Growling-Effekt hat, wird doch so deutlich gesungen, dass man jedes Wort versteht und sich den Texten somit vollkommen hingeben kann.

Im Vergleich zu dem, was folgt, klingt dieser erste Vier-Minuten-Track fast noch etwas zurückhaltend. Im nachfolgenden „Funeral Storm“ wird alles exzessiver: Der Gesang wird emotionaler (die anderen Musiker steuern zusätzliche Vocals bei), die Soundeffekte, die den Song untermalen, werden ausgefallener, das Drumming wird intensiver und bekommt einen größeren Stellenwert, da es sehr virtuos und abwechslungsreich ist. Stellenweise wird man mit einer Art Sprechgesang konfrontiert, der die Lyrics in den Vordergrund rückt und die zum Teil sogar bedrohlich anmutende Musik wie eine Filmmusik zu einer Gruselgeschichte wirken lässt, zumal sie nicht an Effekten wie Geschrei im Dreier-Chor geizt. Der Text malt ein Weltuntergangsbild; der „Funeral Storm“ scheint die erlösende Allmacht zu sein, die allem Leid auf dieser Erde ein Ende setzt.

„Bound“ ist schließlich mit fast neun Minuten ein kleines, episches Meisterwerk, welches auf einen hochmelodischen Anfang setzt und, nur minimalistisch und reduziert von anderen Instrumenten begleitet, mit akustischen Gitarrenklängen eröffnet wird, bevor ein wuchtiges Sound-Gewitter über den Hörer hereinbricht: Schlagzeugsound und verzerrte Gitarrenklanggebilde ergänzen sich perfekt. Wahrscheinlich braucht es einen Schlagzeuger als Songwriter, um zu erreichen, dass das Schlagzeug nicht nur als Hintergrund-Support oder Taktgeber fungiert, sondern als Teil der Melodieführung. Einzigartig, wie das hier gelöst wurde. Der Gesang wird nochmals abwechslungsreicher, zumal auch wieder alle Mitmusiker stimmlich zusätzlich mit von der Partie sind, und die rauen, ruppigen Vocals werden zunehmend leidenschaftlicher und hingebungsvoller. Lyrisch besingen HADES ALMIGHTY viel Seelenqual, eine öde, triste Welt wird gezeichnet und Gedanken voller Endzeitstimmung beherrschen die Texte.

Alles in allem ist „Pyre Era, Black!“ eine überraschend andere Art des Black Metal, in die viel depressiv anmutender Bombast mit einfliesst. Man kann die Scheibe wieder und wieder hören, ohne dass es langweilig wird. Auf jeden Fall ist es eine fantastische Abwechslung zum manchmal doch sehr ähnlichen Einheitsbrei im sonstigen Black Metal. Man darf gespannt sein, ob die Band der EP auch wieder ein Studio-Album folgen lässt – Zeit wäre es 16 Jahre nach „The Pulse Of Decay“ allemal wieder.

Keine Wertung

Publiziert am von Uta A. (Gastredakteurin)

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