Das war’s dann also – die Hannes-Braun-Ära von KISSIN‘ DYNAMITE findet ihr Ende. Im September 2025 hat der charismatische Frontmann seinen Abschied als Sänger der Hard-Rock-Band bekannt gegeben. Ein Abschied von der Band ist es aber dennoch nicht, Braun bleibt als Songschreiber und Produzent bei KISSIN‘ DYNAMITE, als Sänger hört er aus gesundheitlichen Gründen auf, vor allem das Touren gehe ihm an die Substanz. Wie und mit welchem Sänger es danach weitergeht, steht noch in den Sternen, mit dem neunten Album „Kissin‘ Dynamite“ wird nun erstmal der Abschied von Hannes Braun gefeiert.
Eigentlich sollte das Nummer-Eins-Album „Back With A Bang!“ (2024) das letzte mit Hannes Braun am Mikro sein, doch nach großem Wunsch der Fans entstand nun doch das vielsagend selbstbetitelte „Kissin‘ Dynamite“ als Abschiedsplatte. Neben sechs neuen Songs finden sich hier auch Neuaufnahmen aus der Anfangszeit der Band: Sechs Songs des Debütalbums „Steel Of Swabia“ (2008) sowie ein Track von „Addicted To Metal“ (2010) wurden komplett neu eingespielt und eingesungen. Nicht nur blicken KISSIN‘ DYNAMITE damit auf ihre Anfänge zurück und schließen damit einen Kreis um die aktuelle Ära, sondern zeigen auch, wie sie sich in fast zwanzig Jahren weiterentwickelt haben.
Vor allem hört man das in der Stimme von Hannes Braun, der bei „Steel Of Swabia“ gerade mal 16 Jahre alt war. Neun Alben und zahlreiche Liveauftritte später, TV-Erfahrung inklusive, klingen die alten Songs in ihrem neuen Kleid wesentlich professioneller und bombastischer. „Out In The Rain“ etwa hat in der Neuaufnahme mit reifem Gesang und hochklassiger Produktion nochmal eine ganz andere emotionale Wucht, dazu wurde mit AMARANTHE-Sängerin Elize Ryd eine perfekt passende Gesangspartnerin ins Boot geholt. Ebenso perfekt passen Ralf Scheepers (PRIMAL FEAR) zum metallischen „Steel Of Swabia“ sowie Anna Brunner (LEAGUE OF DISTORTION und EXIT EDEN) bei der Ballade „Lie For Me“. Besonders spannend ist auch die neue Version von „Against The World“, die von einem 80er-Stadionballaden-Schmachtfetzen durch das Frauen-Streichquartett EKLIPSE einen ganz anderen, andächtigen Charakter erhält.
Die sechs neuen Songs wirken alle melancholisch und blicken mit einem lachenden und einem weinenden Auge zugleich zurück und nach vorne. Während der Opener „Glory Days“ wehmütig an die wilde, einfachere Zeit sinniert („Take Me Back To The Glory Days“), zeigt der kraftvolle Song auch Stolz auf das Erreichte und die Weiterentwicklung und ist genau der große Stadionrocksong, für den KISSIN‘ DYNAMITE inzwischen stehen. Während das treibende „I Salute You“ mit Alea (SALTATIO MORTIS) nicht recht in die Gänge kommt, macht der Hair-Metal-Kracher „Night Is Calling“ richtig Spaß. Besonders die melancholischen neuen Songs funktionieren aber prima: „Nothing Breaks Like A Heart“ und das halbakustische „The Good In Goodbye“ dürften bei den Abschlusskonzerten mit Hannes Braun für feuchte Augen sorgen.
„Kissin‘ Dynamite“ ist nicht das beste Album der Schwaben und kein herausstechendes Highlight der Diskografie, aber ein versöhnlicher und tröstlicher Abschluss einer Ära. Wie schon 2022 ist es auch 2026 „Not The End Of The Road“, sondern eher eine Zwischenbilanz, der Abschied eines Sängers und Aushängeschildes samt Rückschau auf die Anfänge. Dass das Album über das eigene, neu gegründete Label KISSIN‘ DYNAMITE Records veröffentlicht wird, ist ein weiterer Fingerzeig in eine selbstbestimmte und bewusst gestaltete Zukunft. Wie Hannes Braun zu ersetzen sein wird, steht noch in den Sternen. Braun selbst wird als Produzent und starker Mann im Hintergrund jedenfalls maßgeblich an der Findung seines Nachfolgers beteiligt sein. KISSIN‘ DYNAMITE sind also nach wie vor in guten Händen, und als Fan sollte man vor der Zukunft keine Angst haben, sondern in freudiger Erwartung auf das kommende, neue Kapitel gespannt sein und der neuen Stimme eine faire Chance geben.
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Wertung: 7.5 / 10



sehr gut die Musik von Kisses deinemeit