CD-Review: Nap - Ausgeklingt

Besetzung

Ruphus Winter - Gesang, Gitarre, Effekte
Daniel Pi - Bass
Daniel Hemme - Schlagzeug

Tracklist

01. Astrojelly (Intro)
02. Voigo
03. Weltraumvolker
04. Ausgeklingt
05. Reboot
06. Zappenduster
07. Amygdala
08. Treibsand


[Stoner Rock / Doom Metal /Space Rock / Progressive Rock] Krautrock hat in Deutschland seit ungefähr einem halben Jahrhundert so etwas wie Tradition, wenn auch die Zahl reiner Krautrock-Bands inzwischen eher gering und das Genre an sich schon fast in Vergessenheit geraten ist. Dafür finden sich Derivate dieser Musikrichtung in verschiedenen populären Strömungen wie Post- oder Progressive-Rock wieder – meistens gepaart mit anderen Stilistiken unterschiedlichster Couleur. So auch bei dem deutschen Trio NAP, das mit seinem zweiten Longplayer „Ausgeklingt“ Nägel mit Köpfen machen möchte – die richtige Platte zur richtigen Zeit oder sind die Jungs dann doch ein paar Jahrzehnte zu spät dran?

Die auf „Ausgeklingt“ gebotene Mischung ist tatsächlich ziemlich großartig: Nebst eingangs erwähntem Krautrock geht die Reise von psychedelischen Stoner- und Space-Rock über vereinzelte Surf- und Doom-Versatzstücke bis hin zu progressiven Strukturen (und das oftmals innerhalb weniger Minuten) – alles im Geiste der 70er Jahre mit coolen Momente und Melodien, aber modern aufbereitet, was sich speziell in der ausgewogenen und zeitgemäßen Produktion widerspiegelt. Hier hat die Tonmeisterei (u. a. Phantom Winter, Dune Pilot oder auch Black Space Riders) mal wieder ganze Arbeit geleistet. NAP sind retro, ohne dabei altbacken zu klingen, ihre Kompositionen sind anspruchsvoll, aber organisch.

Der cleane, aber leider wenig variable Gesang von Gitarrist Ruphus Winter ist in Sachen Intonation und Stimmfarbe ohne Frage eigen, bietet dadurch aber tendenziell einen hohen Wiedererkennungswert und fügt sich insgesamt gut ins musikalische Gefüge ein. Trotzdem gewöhnungsbedürftig und vielleicht auch nicht jedermanns Sache. Instrumental bieten Winter und seine beiden Mitstreiter allerdings höchstes Niveau – und das auf Albumlänge, denn Ausfälle gibt es in den rund 45 Minuten von „Augeklingt“ tatsächlich nicht zu verzeichnen. Im Gegenteil: Parts wie die Strophe von „Voigo“, das schwermetallische Riffgewitter im Finale von „Weltraumvolker“ oder das doomig startende „Zappenduster“ (1-A-Songtitel übrigens auch) klammern sich schon äußerst hartnäckig an den Haarzellen im Innenohr fest.

Dass die Truppe aus Oldenburg totz ihres bemerkenswerten Debüts „Villa“ und einer Split-12-Inch mit den US-amerikanischen Psychedelic-Doomern Black Lung sowohl national als auch international eher ein Geheimtipp sind, könnte sich mit „Ausgeklingt“ auf jeden Fall ändern. Es ist auf jeden Fall beeindruckend, wie facettenreich die Band sich gibt: NAP klingen in einem Moment locker-flockig (und beinahe ein wenig Indie) nach den Oh Sees, während sie sich im nächsten Augenblick in ausschweifenden Elder-artigen Gitarrensoli verlieren – und bleiben dabei in sich erstaunlich homogen und immer groovy, den Landsmännern von den Black Space Riders nicht ganz unähnlich. Wer es also abwechslungsreich und ein bisschen oldschool, sollte sich das mal geben – auch wenn es leichte Abzüge in der B-Note für den etwas faden Gesang gibt.

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Bewertung: 8 / 10

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