Das Genre des (Blackened) Deathcore hat mit Bands wie LORNA SHORE, THY ART IS MURDER oder SHADOW OF INTENT in den letzten anderthalb Dekaden einen sagenhaften Aufstieg gefeiert und zugegeben – Härte, Hass und „Anti-Philosophie“ haben in dieser Musik neue Substanz erhalten, besonders für die nachkommende Generation von Metalheads. Was ein solcher kometenhafter Aufstieg von Genres oder Bands aber immer mit sich bringt: Einer Handvoll wirklicher Aushängeschilder stehen unzählige, nicht weniger fähige, aber auch nicht unbedingt gleichwertige Nacheiferer gegenüber.
Eine solche Band ist OV SULFUR. Was man anerkennen muss: Obwohl die Formation erst 2021 aus der Taufe gehoben wurde, hat sie es bereits zu einiger Bekanntheit gebracht. Ob das an der Qualität der Musik oder einfach am Hypetrain liegt? Mit ihrem neuen Album „Endless“ will die Band um Sänger Rick Hoover darauf eine Antwort liefern. An dieser Stelle vielleicht das Wichtigste vorweg: Freunde von Schema F werden bestens bedient.
Der Opener „Endless//Godless“ hält in seiner Kürze gleich einen brachialen Breakdown erster Güte bereit. Die Bassdrum schreit „Trigger!“, während die Gitarren maximal tiefgestimmt aus den Lautsprechern drücken. Monströse Growls und Screams vervollständigen das Bild eines normgerechten, jedoch kaum mitreißenden Einstands. Was folgt, geht durchweg auf Nummer sicher. Ein wenig Black Metal, wie auf „Vast Eternal“ zu hören, wird von Orchesterpassagen der Marke „Forlorn“ kontrastiert. Die Gitarrenkompositionen schwanken dabei zwischen fast irrwitziger Raserei und tempobezogenem An-der-Schlange-Stehen. Das ist alles andere als innovativ, aber auch nicht immer schlecht.
Tracks wie „A World Away“ und „Forlorn“ können mit durchaus prägnanten Leads überzeugen, und auch die für das Core-Genre so typischen Wechsel zwischen brachialen Screams, Growls und Klargesang fügen sich überwiegend gut ins Bild. Dass OV SULFUR musikalisch quasi nichts falsch machen, ist dabei aber ebenso offensichtlich wie der Umstand, dass „Endless“ von vorne bis hinten durchkalkuliert wirkt. Die fade Halbballade „Evermore“ liegt – natürlich – genau in der Albummitte, um anschließend von der Härte eines „Dread“ einen amtlichen Arschtritt zu kassieren. Und während OV SULFUR mit dem bereits erwähnten „A World Away“ wohl ihren besten Song auf „Endless“ liefern, sorgt die triefige Ballade „Endless//Loveless“ am Ende mit ihrem bodenlosen Kitsch für erwartbares Kopfschütteln und ein schweres Ausatmen. Dann ist es geschafft, was gleichermaßen schön wie schade ist. Denn die Erkenntnis bleibt: Da wäre mehr drin gewesen.
Was OV SULFUR auf ihrem zweiten Album anbieten, ist nach Deathcore-Standards nicht zu beanstanden. Unbeantwortet bleibt aber, was die Band uns mit dieser Platte sagen will. Vielleicht, wie hart man doch ist und wie ernst man das eigene Schaffen nimmt – obwohl Hartmann und Söhne auch nur mit Wasser kochen und nicht, wie von sich selbst gedacht, mit schwarzer Lava aus den tiefsten Abgründen der Hölle? Verdammt noch mal: „Endless“ macht nichts falsch. Aber auch nichts besser. Da nützen auch dicke Gesangsfeatures von Szenegrößen wie Josh Davies (INGESTED) oder Alan Grjna (DISTANT) nichts. Für Genreliebhaber mag dieser Rundling ein weiteres Release unter vielen der gleichen Sorte sein, der große Wurf ist OV SULFUR damit jedoch nicht gelungen.
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Wertung: 5 / 10


